Waiblingen

Spitzenkoch verlässt Restaurant Mille Miglia

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Björn Bergmann ist nur noch wenige Tage im Mille Miglia. Am 24. Dezember ist Schluss. © Laura Edenberger

Waiblingen.
Stylisch, cool und mit moderner gehobener Küche: So präsentiert sich das Restaurant Mille Miglia seinen Gästen – doch von Januar an bleibt die Küche kalt. Gut zwei Jahre nachdem Küchenchef Björn Bergmann das Restaurant zwischen den Nobelkarossen im ersten Stock des Autohauses Lorinser übernommen hat, wirft er entnervt das Handtuch. Am Ende trennen sich Björn Bergmann und Seniorchef Manfred Lorinser im Einvernehmen. Beide Seiten beteuern, dass sie sich im Guten geeinigt hätten – doch so richtig schmecken konnten sich Hausbesitzer und Restaurantbetreiber schon lange nicht mehr.

"Ich wollte modern kochen, aber nicht abgehoben"

Fakt ist: In Scharen geströmt sind die Gäste nie, seit Bergmann das Restaurant übernommen hatte. „Anfangs hatten wir Probleme mit dem Service“, räumt der Koch ein, der im Sommer 2017 mit viel Hoffnung und Enthusiasmus von der „Krone“ in Geradstetten nach Waiblingen gewechselt war. Einen Mittagstisch für die Geschäftsleute im Eisental bot er an, abends setzte er mit einem monatlich wechselnden regionalen und einem internationalen Menü auf „Fine Dining“. Außerdem servierte er Steaks, die bei 900 Grad auf einem aus den USA importierten Westwood-Grill gegrillt werden. „Produkte von hier, kreativ und modern umgesetzt“, sollten die Gäste überzeugen. „Ich wollte modern kochen, aber nicht abgehoben“, sagt er heute. Doch bald sah er sich gezwungen, seine Karte auf traditionellere Gerichte wie Reh- und Rostbraten umzustellen: „Der Wunsch war da. Wir haben uns peu à peu angepasst.“

Bergmann: Sichtbarkeit des Restaurant "ein Riesenproblem"

Dass die Gäste trotzdem nicht strömten, die Auslastung viel zu gering war, führt Björn Bergmann vor allem auf die fehlende Sichtbarkeit des Restaurants an der Alten B 14 zurück. „Die war ein Riesenproblem“, sagt er. Das vor allem auch deshalb, weil das Restaurant vor seinem Start als Betreiber längere Zeit leergestanden hatte. Neben dem täglichen Restaurantbetrieb hatte Bergmann auf große Veranstaltungen wie Hochzeiten und Firmenfeiern gesetzt, die er auf der Eventfläche zwischen den Nobelkarossen ausrichten wollte. Nach einem gewissen Vorlauf seien die auch ganz gut angelaufen, sagt er. Firmen wie Stihl und Bosch hätten bei ihm gebucht.

Zuletzt war er allein in seiner Küche

Für den ambitionierten Koch kam das aber offensichtlich zu spät. Als im Juni in seiner Küche Kühlschubladen ausfielen, die bis heute nicht vollständig instand gesetzt sind, hat ihm das den Rest gegeben: „Nur noch ein Kühlelement in der Küche reicht nicht“, erklärt er. Um die Gerichte rasch rausschicken zu können, sei er auf einen schnellen Ablauf angewiesen gewesen. Eine Kühlmöglichkeit woanders im Haus habe für ihn deshalb keinen Sinn gehabt. Zuletzt hatte er nur noch alleine in seiner Küche gewerkelt – auch seinen langjährigen Koch, der wegen der technischen Probleme gekündigt hatte, hatte er nicht mehr ersetzt.

Manfred Lorinser, der Seniorchef des Autohauses, sieht das naturgemäß anders. Mit der ausgefallenen Kühlung habe Bergmanns Scheitern nichts zu tun, glaubt er und verweist darauf, dass das Restaurant von Anfang an schlecht gelaufen sei. „Woanders ist voll, da muss man froh sein, wenn man einen Platz bekommt“, sagt Lorinser. Anders als früher sei das Mille Miglia unter Bergmann samstagabends und an Feiertagen immer geschlossen gewesen. Auch die Werbung empfindet Lorinser als ausreichend - zumal vor dem Autohaus ein großer Anhänger mit einer Werbeaufschrift gestanden und man mit jeder Rechnung im Autohaus für das Restaurant geworben habe. Was Lorinser und Bergmann eint: Beide sind froh, dass der Pachtvertrag in Kürze endet. Und das Ende gütlich über die Bühne geht.

An Weihnachten zum letzten Mal geöffnet

Während Lorinser bereits einen neuen Betreiber sucht, steht Björn Bergmann die letzten Tage in der Küche des Mille Miglia und bereitet parallel dazu seinen Ausstieg vor. Am 24. Dezember ist zum letzten Mal geöffnet, dann ist Schluss. Zwei Stellen habe er in Aussicht, beides aber keine Jobs in Restaurants. „Ich gehe in Anstellung, das Erlebnis Waiblingen war zu teuer“, sagt er reichlich desillusioniert. „Es ist eine herbe Enttäuschung.“ Zunächst will er nicht mehr am Herd stehen, nur noch nebenberuflich die eine oder andere Veranstaltung übernehmen. Ganz will der Koch, den bereits der Guide Michelin empfahl, das Kochen aber nicht lassen: „Ich bin ja nicht Koch geworden, um das Kochen aufzugeben“, sagt er mit einem schiefen Lächeln. Und: „Dieser Schritt fällt mir nicht leicht.“


Koch mit Erfahrung

Björn Bergmann wollte immer Koch werden. Nach der zwölften Klasse verließ er noch vor dem Abi das Schorndorfer Max-Planck-Gymnasium. Zuvor hatte er im „Lamm“ in Hebsack ein Praktikum gemacht, zu dem ihn sein Vater verdonnert hatte, um dem kochbegeisterten Jungen die Flausen auszutreiben. Der Versuch misslang – aufs Praktikum folgte im „Lamm“ eine Ausbildung zum Koch und zum Hotelfachmann.

Während seiner Wanderjahre lernte Bergmann die Küchen der Sterneköche Franz Feckl in Ehingen und Bernhard Diers in den Zirbelstuben kennen. Er gründete mit 25 ein Cateringunternehmen, war Souschef bei Bachofer in Waiblingen. Zudem arbeitete der leidenschaftliche Motorradfahrer als freischaffender Koch an Rennstrecken für Mercedes, die Formel 1 oder Ducati.

Während der Remstal-Gartenschau trat er beim Kochduell der Städte zusammen mit Oberbürgermeister Andreas Hesky für Waiblingen an. In Waiblingen habe er sich angenommen gefühlt, sagt er. „Aber ich bin froh, wenn es vorbei ist.“

Waiblingen.
Stylisch, cool und mit moderner gehobener Küche: So präsentiert sich das Restaurant Mille Miglia seinen Gästen – doch von Januar an bleibt die Küche kalt. Gut zwei Jahre nachdem Küchenchef Björn Bergmann das Restaurant zwischen den Nobelkarossen im ersten Stock des Autohauses Lorinser übernommen hat, wirft er entnervt das Handtuch. Am Ende trennen sich Björn Bergmann und Seniorchef Manfred Lorinser im Einvernehmen. Beide Seiten

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