Waiblingen

Spritbettler zocken Autofahrer ab

Blaulicht Polizeimappe Polizeimütze Polizeihut Polizeiakte Polizei Symbol Symbolbild
Symbolbild. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Smart sah der Herr aus, Anzug, Krawatte, Sonnenbrille. Er sprang einem 34-jährigen Rohrbronner fast vors Auto und nötigte ihn zum Anhalten. Ob er ihm etwas Geld leihen könnte fürs Tanken? Die Kreditkarte sei kaputt und er müsse dringend weiter. Der Mann aus Rohrbronn reagierte richtig: Fenster zu, weiterfahren, Polizei verständigen. Benzinbettelei ist seit längerem als Betrugsmasche bekannt.

Am meisten ärgert sich der Rohrbronner darüber, „dass hier eine Notlage vorgetäuscht wird, die keine ist. Hier wird mit der Gutmütigkeit der Menschen hantiert.“ Gleich zweimal hatte es der Remshaldener innerhalb von nur vier Wochen mit Betrügern dieser Art zu tun. Bereits Ende Juli machte er Bekanntschaft mit dem verdächtigen Anzugträger, seinerzeit an einer Bushaltestelle an der Straße zwischen Winterbach und Rohrbronn. Ein schwarzer Mercedes mit Nürnberger Überführungskennzeichen parkte an der Bushaltestelle gegenüber, als der 34-Jährige dort vorbeifahren wollte. Nun flitzte der Mann mit dem Anzug zu ihm rüber und bedeutete ihm, doch bitte unbedingt anzuhalten, was der Rohrbronner auch tat. Der Verdächtige bedankte sich freundlich, sprach Englisch, zeigte Fahrzeugpapiere vor – und einen Schnipsel einer Kreditkarte. Welch ein Malheur, die Karte kaputt, das Auto sei nach Bulgarien zu transferieren – ob der Mitmensch nicht aushelfen könne? Am nächsten Tag werde das Geld zurücküberwiesen, großes Indianerehrenwort.

Wenige Minuten später war der schwarze Mercedes verschwunden

Dem 34-Jährigen kam das alles spanisch vor. Er ging nicht weiter auf die Bitten des Mannes ein, kurbelte das Fenster hoch und fuhr davon. Als er wenige Minuten später wieder an der Stelle vorbeikam, war der schwarze Mercedes bereits verschwunden.

Vier Wochen später schon der nächste Fall

Vier Wochen später, also erst vor wenigen Tagen, war es ein Jugendlicher, der den 34-Jährigen am Ortsende von Rohrbronn an einer Parkbucht zum Anhalten bewegte. Ein silberfarbener VW mit polnischem Kennzeichen stand am Straßenrand, erzählt der Rohrbronner. Zudem fiel ihm ein kleines Mädchen auf, das aus dem Wagen schaute. Der Jugendliche sprach gut Englisch, erzählte etwas von Durchreise und verwies auf das Mädchen, das Hilfe brauche. „Ich bin von dannen geheizt und hab die Polizei in Schorndorf angerufen“ – so endet die Geschichte des Rohrbronners.

Solche Straftaten sind nicht einfach nachzuweisen

„Regelmäßig“ treten solche Fälle auf, bestätigt Ronald Krötz, Sprecher der Polizeidirektion Aalen. Er rät zu gesundem Misstrauen. Spritbettler, die eine Notlage vortäuschen, machen sich des Betrugs schuldig, doch sei es freilich nicht ganz einfach, eine solche Straftat auch nachzuweisen.

Betrüger kommen immer wieder auf neue Maschen

Die Rohrbronner Fälle gingen vergleichsweise glimpflich ab. Die Polizei berichtet oft aus ganz verschiedenen Gegenden Deutschlands von Fällen der Spritbettelei. Haben Betrüger ihr Opfer auf einen Parkplatz gelotst, fehlt nachher im schlimmsten Fall nicht nur ein Geldschein, sondern das gesamte Portemonnaie mit Karten und allem. Zu Recht fragt sich der 34-jährige Rohrbronner, wie wohl ältere Menschen oder Personen mit Einschränkungen auf solche Vorfälle reagieren. Er selbst habe sich zwar nicht direkt bedroht, aber doch durchaus unwohl und überrumpelt gefühlt – „was macht da erst jemand, der sich nicht so gut wehren kann?“

Genau darauf hoffen Betrüger jeder Art. Worauf sie immer wieder kommen, erstaunt den Laien stets aufs Neue. Vor einiger Zeit wandte sich die Stuttgarter Polizei mit einer Warnung vor einer neuen Betrugsmasche an die Öffentlichkeit: Gauner senden Bürgern einen offiziell wirkenden Haftbefehl zu und behaupten, die bevorstehende Haft werde ausgesetzt, sofern der angeblich Beschuldigte einen amtlich festgesetzten Betrag bezahle.

Das rät die Polizei:

Die Polizei geht davon aus, dass Ganoven bundesweit versuchen, auf diese Weise an Geld zu gelangen. Der Rat der Polizei: misstrauisch sein, „insbesondere wenn Sie wissen, dass gegen Sie kein Strafverfahren anhängig war und Sie nicht zu einer Geldstrafe verurteilt wurden“. Betroffene sollten bei der Behörde, von welcher der Haftbefehl angeblich stammt, nachfragen, aber natürlich nicht die in dem Schreiben angegebenen Rückrufnummer dafür nutzen, sondern die Nummer selbst heraussuchen: „Überweisen Sie auf keinen Fall ungeprüft finanzielle Forderungen, die vermeintlich von deutschen Behörden stammen, auf ausländische Konten.“


Betrug

Den Tatbestand „Betrug“ definiert das Strafgesetzbuch im Paragrafen 263:

„Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“