Waiblingen

Stadt kontrolliert auch nachts den Verkehr

Blitzer Radar Leutenbach Verkehrsueberwachung
Symbolbild © Anne-Katrin Schneider

Weinstadt. Weniger Temposünder und weniger Falschparker als in den Vorjahren: Das ist die zunächst mal positive Bilanz des Weinstädter Ordnungsamts für 2017. Das heißt aber nicht, dass die Mitarbeiter weniger zu tun haben. So wurden im vergangenen Jahr 529 Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von mehr als 21 Kilometern pro Stunde geblitzt. Und der Vollzugsdienst kontrolliert nun auch nachts und im Morgengrauen.

Gibt es wirklich weniger Parksünder und Raser in Weinstadt? Oder hat das Ordnungsamt einfach weniger kontrolliert als in den Vorjahren? Mancher Stadtrat konnte es zunächst nicht recht glauben, als er die offiziellen Zahlen des Ordnungsamts fürs Jahr 2017 sah. „Es nagt noch der Zweifel“, gestand etwa GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Die Frage, ob die Stadt 2017 so oft kontrolliert hat wie im Vorjahr, konnte der erst seit April amtierende Ordnungsamtschef Peter Schmid in der Sitzung nicht abschließend beantworten, da ihm laut seiner Aussage letztlich die genauen Zahlen fehlen.

11 804 Ordnungswidrigkeiten tauchen jedenfalls in der Statistik fürs Jahr 2017 auf, das sind 1857 weniger als 2016. Die Zahl der Parkverstöße sank von 4387 auf 3283, die Zahl der Geschwindigkeitsverstöße von 8469 auf 7460. Dabei kontrollierte das Ordnungsamt so oft selbst, dass die Polizei wie 2016 mit eigenen Messungen gar nicht mehr zum Einsatz kam. Trotz der an sich positiven Zahlen war den Stadträten nicht so zum Jubeln zumute – und zwar aufgrund eigener Erfahrungen und Berichten aus der Einwohnerschaft. Vor allem drei Themen treiben die Leute um: Raser, Falschparker und Randalierer.

„Überall heizen die durch den Flecken wie die Geistesgestörten“

GOL-Stadträtin Doris Groß etwa wird laut eigener Aussage immer wieder von Bürgern auf Temposünder angesprochen, die oft nachts mit Geschwindigkeiten unterwegs sind, als ob sie Teilnehmer eines Autorennens seien. „Überall heizen die durch den Flecken wie die Geistesgestörten.“ Dass es diese Extremfälle gibt, bestätigte Nick Schuppert, der Leiter des Gemeindevollzugsdienstes. Die Zahl der geblitzten Autofahrer, die mehr als 21 Kilometer pro Stunde zu schnell waren, lag im Jahr 2017 bei 7,09 Prozent, etwas weniger als 2016 (8,12 Prozent).

Ein kritischer Punkt ist zum Beispiel die Straße von Beutelsbach nach Aichelberg, die bei Motorradfahrern beliebt ist. Gleiches gilt für die Weinstraße zwischen Schnait und Manolzweiler, wo die Anwohner seit Jahren den Verkehrslärm monieren und von der Politik mehr Unterstützung erwarten. Hier immerhin ist die Marschroute klar: Die Zahl der Kontrollen wird nicht sinken, sondern eher zunehmen. Und es wird laut Oberbürgermeister Michael Scharmann mittlerweile auch zu Uhrzeiten kontrolliert, zu denen früher kein Mitarbeiter ran musste – nämlich morgens zwischen 5 und 7 Uhr sowie nachts. „Das ist eine zusätzliche Belastung“, stellte Scharmann klar und nutzte gleich die Gelegenheit, den Beschäftigten für ihren Einsatz zu danken.

CDU-Stadtrat fordert Parkverbotszonen

CDU-Stadtrat Bernhard Dippon forderte das Ordnungsamt auf, im Bereich Stiftstraße/Marktstraße/Schönbühlstraße Parkverbotszonen einzurichten. Der Beutelsbacher wohnt dort in der Gegend und stellt laut eigenen Angaben fest, dass Wege den ganzen Tag von Autos zugeparkt würden. „Das kann eigentlich nicht sein.“ Nach seiner Beobachtung seien es oft Anwohner, die ihr Auto immer dann noch rechtzeitig wegfahren würden, wenn sie bemerken, dass ein Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdienstes gerade den ersten Strafzettel verteilt hat. OB Scharmann sicherte daraufhin zu, das Thema bei der nächsten Verkehrsschau der Stadt zu behandeln, bei der Stadträte und Fachleute verschiedener Behörden Problemstellen vor Ort unter die Lupe nehmen.

Kontrolle: Scharmann plant Nachtspaziergänge

Wer hält sich eigentlich nachts auf öffentlichen Treffpunkten wie etwa der Burgruine Kappelberg auf? Dieser Frage will OB Michael Scharmann nachgehen – und zwar indem er mit den Leuten zu später Stunde vor Ort das Gespräch sucht.

Seine geplanten Nachtspaziergänge sieht der Oberbürgermeister als eine Art Prävention und nicht als bloße Kontrollaktion. „Das dient nicht der Vertreibung von irgendjemandem.“

Scharmann reagierte damit auf eine Nachfrage von Freie-Wähler-Stadtrat Armin Zimmerle, der sich um die für viel Geld hergerichteten Weinstädter Aussichtspunkte Sorgen machte, zum Beispiel wegen der Verunstaltung durch Graffiti.