Waiblingen

Stadt mietet Plätze für 370 Flüchtlinge

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Als neue Sammelunterkunft in Waiblingen könnte das Gebäude Max-Eyth-Straße 26 im Gewerbegebiet Ameisenbühl mit 70 Plätzen hinzukommen. © Danny Galm
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Container am Inneren Weidach. © Danny Galm
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Über die Standorte Innerer Weidach und Max-Eyth-Straße muss der Gemeinderat noch entscheiden.

Waiblingen. 600 Flüchtlinge leben derzeit in Waiblingen. Da nach und nach die Zuständigkeit des Landkreises endet, muss die Stadt für ihre Unterbringung sorgen. Weil aber ihre Kapazitäten bei weitem nicht ausreichen, mietet sie jetzt für 370 Menschen das Marienheim, einen Container am Inneren Weidach sowie ein Gebäude im Ameisenbühl an.

Als neue Sammelunterkunft in Waiblingen könnte das Gebäude Max-Eyth-Straße 26 im Gewerbegebiet Ameisenbühl mit 70 Plätzen hinzukommen. Just jenes gelbe Haus, das vor etwa zwei Jahren schon als Gemeinschaftsunterkunft des Rems-Murr-Kreises im Gespräch war – wobei das Landratsamt wegen hoher Mietforderungen des Eigentümers Abstand nahm.

Auch der Zustand der Immobilie entsprach nicht den gesetzlichen Anforderungen, insbesondere was den Brandschutz anbelangt. Für Verwunderung im Ausschuss für Bildung, Soziales und Verwaltung des Gemeinderats sorgte daher der Vorschlag der Stadtverwaltung, nun doch Flüchtlinge in der Max-Eyth-Straße 26 einzuquartieren.

„Container sollten eigentlich Provisorien sein“

„Horrend“ und „astronomisch“ nennt Stadtrat Dr. Hans-Ingo von Pollern die damaligen Vorstellungen des Eigentümers. „Das aktuelle Angebot ist deutlich niedriger“, versichert der städtische Gebäudemanager Thomas Bayer, „sonst würden wir das nicht machen“.

Zudem sei in der Zwischenzeit umfassend saniert worden, brandschutzrechtlich gebe es keine Bedenken mehr. Trotzdem fiel die Abstimmung über den Standort denkbar knapp aus: fünf Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Das letzte Wort hat kommende Woche der Gemeinderat.

Ebenfalls umstritten bleibt die Anmietung von einem der beiden Container am Inneren Weidach, wo die Stadt 25 Menschen unterbringen will. „Die Container waren als Provisorium gedacht – und sie waren kein gutes“, mahnte ALi-Rätin Dagmar Metzger.

Die Container hätten ihre Lebensdauer erfüllt und durch intensive Nutzung viel Schaden genommen. „Bei der Anschlussunterbringung geht es um die Vermeidung von Obdachlosigkeit“, hielt Bürgermeisterin Christiane Dürr entgegen. Andere Unterkünfte seien schlicht nicht zu finden. „Niemand ist mit den Containern glücklich“, ergänzte Andrea Rieger (FDP), „aber wir stehen mit dem Rücken zur Wand“.

Vorhandene Unterkünfte umnutzen

In der Vergangenheit hat die Stadt, vor allem mit ihrem Flächensuchlauf für sozialen Wohnungsbau, einige Anstrengungen unternommen, um dezentral über die ganze Stadt verteilt Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen, die nicht mehr in die Zuständigkeit des Landkreises fallen. Viel kam nicht dabei heraus – nur für 86 dieser Menschen ist das Leben in Sammelunterkünften nun Vergangenheit. Denn aus der Not geboren, lautet die Strategie der Stadt, die vorhandenen Unterkünfte umzunutzen. Das geschah bereits vor einem Jahr mit den ehemaligen Schwesternwohnheimen an der Winnender Straße.

Große Summen werden bewegt

Vom Stichtag 1. Januar an wird auch das Marienheim für die Anschlussunterbringung durch die Stadt reserviert sein. Nur das Asyl beim Bahnhof Neustadt-Hohenacker mit knapp 100 Bewohnern bleibt vollständig unter Regie des Landkreises. Große Summen werden dabei bewegt: Für das Marienheim sind jährlich 530 000 Euro an Miete und Betriebskosten zu zahlen, für den ramponierten Weidach-Container stolze 136 000 und für die Max-Eyth-Straße 300 000 Euro.

Viele Bewohner werden innerhalb der Stadt umziehen. Die gute Nachricht für die Stadtkämmerei: Die Mieten zahlt fast komplett das Jobcenter. Der Stadt bleibt „nur“ eine Unterdeckung von etwa 100 000 Euro. Für Betreuung und Sozialarbeit bekommt Waiblingen aus dem Pakt für Integration 385 000 Euro. 75 000 für Heimleitung und Belegungsmanagement muss die Stadt tragen. Mit dem gesamten Komplex der Sozialarbeit wird die Caritas betraut. Die Zusammenarbeit mit ihr hat sich im Marienheim bewährt.


Unterbringung

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ihren Wohnsitz frei wählen. Ebenso Personen, die schon über zwei Jahre in einer vorläufigen Unterbringung leben.

Werden sie nicht fündig, kommen sie in die Anschlussunterbringung. Das können Wohnungen oder Sammelunterkünfte sein.