Waiblingen

Stadt sagt Schottergärten den Kampf an

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Schottergärten sind meistens nicht gerade insektenfreundlich. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Sie sind weiß, sauber und gut zu reinigen – mit Gärten haben sie allerdings wenig zu tun. Weil sie sich auf die Insektenvielfalt, aufs Kleinklima und den Boden katastrophal auswirken, hat die Stadt Schottergärten nun den Kampf angesagt. In den künftigen Bebauungsplänen wird festgelegt, dass zu Vorgärten zwingend Pflanzen gehören sollen. Schottergärten mit einer einzigen Buchskugel oder einsamem Pampasgras sind damit tabu.

Dass es immer weniger summt und brummt, hat viele Ursachen. Flächenverbrauch, Klimaveränderungen, Lichtverschmutzung und Landwirtschaft: All das trägt bei zum dramatischen Sterben auf Wiesen und Feldern. Bienen fühlen sich aber auch in den Städten wohl. Auf blühenden Verkehrsinseln und Grünstreifen summen Hummeln und flattern Schmetterlinge, und blühende Gärten gibt es zuhauf: in Deutschland immerhin 6800 Quadratkilometer Gärten und 13 376 Quadratkilometer Naturschutzfläche. Viel Platz also für Bienen und Käfer, wenn, ja wenn die Vorgärten nicht geschottert und bestenfalls mit einer artfremden Kiefer oder Pampasgras geschmückt werden.

"Mindestens 70 Prozent Pflanzen sind das Ziel"

Diesem Trend will die Stadt Waiblingen mit ihren Bebauungsplänen einen Riegel vorschieben. Schon bisher galt, dass Vorgärten „gärtnerisch“ angelegt werden sollen. Nun soll in einer neuen Fassung klargestellt werden, dass Schottergärten dieses Kriterium nicht erfüllen. Zwar soll die Verwendung von Schotter oder anderen kleinen Steinchen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Flächen müssen allerdings so bepflanzt werden, dass sie eine geschlossene Fläche bilden. „Mindestens 70 Prozent Pflanzen sind das Ziel“, erklärte der Waiblinger Fachbereichsleiter Stadtplanung, Patrik Henschel, im Planungsausschuss.

Ein Flyer soll Gartenbesitzern helfen

Doch nicht nur mit der neuen Vorgabe will die Stadt Einfluss nehmen: Ergänzend zur neu gefassten Festsetzung in zukünftigen Bebauungsplänen soll ein Flyer erstellt werden mit Beispielen für pflegeleichte und naturnahe Vorgärten und dafür geeignete Pflanzen.

Das begrüßt auch Sabine Wörner (SPD). Immer mehr Gärten verschwinden ihrer Beobachtung nach auch deshalb, weil die Menschen immer älter würden und Mühe mit der Gartenpflege haben. „Man sollte ihnen Wege zeigen, wie Gärten pflegeleicht werden“, sagte sie im Planungsausschuss. ALi-Chef Alfonso Fazio lobte die Initiative der Stadtverwaltung ausdrücklich. Seine Fraktionskollegin Iris Förster erinnerte an ihren Vorschlag, einen Wettbewerb für umweltfreundliche Vorgärten auszuloben: „Ich würde das sehr begrüßen“, sagte Förster.


Unversiegelter Zier- oder Nutzgarten

In zukünftigen Bebauungsplänen soll folgende Festsetzung verwendet werden: „Freiflächen zwischen der Straßenbegrenzungslinie und der Baugrenze, die nicht als Stellplätze, Zufahrten oder Wege benötigt werden, sind unversiegelt zu belassen und gärtnerisch als Zier- oder Nutzgarten anzulegen.

Großflächig mit Steinen bedeckte Flächen, auf denen hauptsächlich Steine zur Gestaltung verwendet werden und Pflanzen nicht oder nur in geringer Zahl vorkommen (Schottergärten), sind im Bereich dieser Freiflächen nicht zulässig.“