Waiblingen

Stadt wächst, Handel schrumpft: Ist das Ladensterben in Waiblingen noch aufzuhalten?

Einkaufen Innenstadt
Im Herzen der Altstadt: Blick in die Lange Straße. Hier ist die Fußgängerzone noch einigermaßen intakt. © Gabriel Habermann

Ob Blumen Winkler oder „No Tabu“: Jeder neue Leerstand, jede Geschäftsaufgabe verstärkt die Sorge, dass die Innenstadt in Waiblingen auszubluten droht. „Bereits heute ist erkennbar, dass weder Teile der Kurzen Straße – vor allem Bereich Rathaus bis Kreuzung Lange Straße - noch die Schmidener Straße jemals wieder einen durchgehenden Einzelhandelsbesatz aufweisen werden und auch die Lange Straße mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat.“ Das ist die nüchterne Analyse der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Das Gremium und die Stadt wollen indes nicht tatenlos zusehen. Bei einer großangelegten Studie sollen örtliche Akteure und externe Berater systematisch ermitteln, was die Ursachen sind und vor allem: was man dagegen unternehmen kann. Dies unter maßgeblicher Einbeziehung der WTM-GmbH und aller betroffenen Fachbereiche der Stadtverwaltung.

Immer mehr Einwohner, aber weniger Einzelhandel

Dank einer florierenden Wirtschaft, die der Stadt 2022 aus der Gewerbesteuer die Rekordeinnahme von rund 95 Millionen Euro beschert hat, und dank einer guten Infrastruktur ist Waiblingen in den vergangenen Jahren auf mehr als 57.000 Einwohner gewachsen. Doch die Innenstadt und der dortige Einzelhandel scheinen davon nicht zu profitieren. Die Einzelhandelszentralität, also das Verhältnis von Kaufkraftzufluss und -abfluss, nimmt kontinuierlich ab. 2005 lag der Wert noch bei 100,0. Im Jahr 2012 bei 98,0 und im vergangenen Jahr 2021 nur noch bei 96,0. Oder anders gesagt: Immer mehr Waiblinger kaufen auswärts ein. Einerseits mag dabei die Situation im Remspark eine Rolle spielen, doch der Verdacht liegt nahe, dass auch die Innenstadt ihren Anteil an der Entwicklung hat.

Viele zu kleine Ladenflächen

Die CDU, deren Antrag, für die Erstellung der Studie 100.000 Euro zur Verfügung zu stellen, vom Gemeinderat angenommen wurde, zählt als schwierige Rahmenbedingungen den Online-Handel und die Dominanz des Oberzentrums Stuttgart auf, nennt aber auch betriebswirtschaftliche Gründe wie Nachfolgeprobleme und Investitionsstau. Dazu könnten die kleinstrukturierten Ladeneinheiten in der Innenstadt, und ganz besonders der Altstadt, verantwortlich sein. So komme es immer öfter zu anderen Nutzungen – und im schlimmsten Fall zu Leerständen. In der Untersuchung sollen auch künftige ökonomische und städtebauliche Veränderungen wie Neubauprojekte mit ihren möglichen Auswirkungen analysiert werden. Insbesondere in der Fronackerstraße ist einiges im Fluss. Als Fragen aufgeworfen werden zum Beispiel: Welche Rolle spielt zukünftig das Wohnen und moderne Arbeitsformen (Manufakturen, Handwerksbetriebe, Arbeiten auf Zeit)? Wo gibt es Spielräume für städtebauliche Entwicklungen, etwa durch das Zusammenlegen von Flächen oder die Umnutzung von Bestandsimmobilien?

Stadträte zwischen Skepsis und Hoffnung

100.000 Euro für das Ei des Kolumbus in Sachen Rettung des Einzelhandels? Im Gemeinderat herrscht trotz der Zustimmung durchaus Skepsis. So kann es laut Roland Wied (SPD) durchaus passieren, dass die Studie Antworten bietet, die die Akteure vor Ort schon kennen, nicht wollen oder schlicht nicht umsetzen können. Auch Julia Goll (FDP) warnte vor zu hohen Erwartungen, zumal der städtische Einfluss begrenzt sei. Über die Zukunft der Innenstadt würden Kunden und Vermieter entscheiden. „Wir teilen die Sorgen“, bekräftigt Silke Hernadi die Initiative der CDU - „den Kopf in den Sand zu stecken, ist nicht der Weg.“ Auch Alfonso Fazio (ALi) sprach sich für die Studie aus: „Wir brauchen Hoffnung.“ Gute Ideen würden zudem nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt. Tobias Märtterer („Grünt“) regte an, auch die Ortschaften einzubeziehen. Dort biete sich teils ein „katastrophales Bild“, sagte der Neustädter. Das Thema Parken soll mit beleuchtet werden. Auch dies ein Wunsch des Gremiums, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngst wieder aufgeflammten Debatte um Parkgebühren und die Brötchentaste.

Die Wirtschaftsförderung WTM zeigt sich erfreut über die zusätzlichen Finanzmittel, um gezielt Transformationsprozesse zu untersuchen und zu bewerten – und daraus Perspektiven für Innenstadt als Ganzes abzuleiten. Es gehe um bauliche Gestaltung, um Erreichbarkeit, Wünsche der Nutzer sowie ökonomische Aussichten. „Das ist eine spannende Herausforderung, die wir gerne mit anderen Akteuren angehen“, meint WTM-Geschäftsführer Dr. Marc Funk.

Ob Blumen Winkler oder „No Tabu“: Jeder neue Leerstand, jede Geschäftsaufgabe verstärkt die Sorge, dass die Innenstadt in Waiblingen auszubluten droht. „Bereits heute ist erkennbar, dass weder Teile der Kurzen Straße – vor allem Bereich Rathaus bis Kreuzung Lange Straße - noch die Schmidener Straße jemals wieder einen durchgehenden Einzelhandelsbesatz aufweisen werden und auch die Lange Straße mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat.“ Das ist die nüchterne Analyse der CDU-Fraktion im

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