Waiblingen

Stadtwerke: Jeder kann bald Kunde sein

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Das Team der Weinstädter Stadtwerke (von links): Geschäftsführer Thomas Meier, Petra Lisowski (Vertrieb/Marketing), Birgit Lorenz (Sachbearbeitung Technik/Sekretariat Betriebsstellenleiter), Dijana Curic (Verbrauchsabrechnung), Daniela Ahls (Buchhaltung), Hans Naujocks (Projektleitung Energieberatung/Energieservice), Heiko Fischer (kaufmännischer Abteilungsleiter), Claudia Vivaldi-Kaiser (Sachbearbeitung Technik), Stefan Unrath (Leiter Betriebsstelle), Frank Knochen (Netzplanung Wasser/Wärme), Klaus Walter, Kevin Barth, Tobias Stadelmaier, Daniel Steiner (sind alle Teil des Monteursteams), Ralf Hübl (Sachbearbeitung Technik) und Henning Wendler (technischer Abteilungsleiter). © Ramona Adolf

Weinstadt. „100 Prozent Weinstadt, 100 Prozent ökologisch – und die Tarife werden 100 Prozent einfach sein“: Das verspricht Oberbürgermeister Michael Scharmann all jenen, die Kunden bei den Stadtwerken werden. Diese bieten nämlich vom 1. Januar an erstmals Strom und Gas für Endkunden in Weinstadt und Umgebung an.

Direkt zur Grafik: Fünf Ökostromtarife im Vergleich

Wer bei Preisvergleichsportalen wie Check24 nach einem neuen Stromanbieter sucht, wird von vielen Firmen mit einem dicken Neukunden-Rabatt gelockt. „Im Moment geht der Trend zu ganz hohen Boni“, weiß Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Meier. Meist sei der Tarif dann aber schon vom zweiten Jahr an wesentlich teurer – und wer dann nicht abspringt, zahlt am Ende drauf. Selbst wer rechtzeitig kündigt, kann das Pech haben, dass die Firma das einfach ignoriert. Thomas Meier und sein Team wollen gar nicht erst versuchen, bei dieser Rabattschlacht mitzuhalten, weder bei Check24 noch bei einem anderen Vergleichsportal. „Bei diesen Maschinen wollen wir nicht mitmachen.“

Stadtwerke versprechen Kundennähe, Verlässlichkeit und Transparenz

Die Kunden, auf die die Stadtwerke spekulieren, sind ganz durchschnittliche Bürger in Weinstadt und Umgebung. Leute, die seit vielen Jahren den Grundversorgungstarif eines großen Energiekonzerns nutzen und bisher einen Wechsel gescheut haben. Thomas Meier und seine Mitstreiter wollen diese Menschen von den Stadtwerken überzeugen – und versprechen daher unter anderem Kundennähe, Verlässlichkeit und Transparenz. Auch wollen sie gerade den Weinstädtern klarmachen, dass diese als Kunden der Stadtwerke letztlich ihre Heimat stärken – denn der Gewinn fließt nicht in die Hände von privaten Eigentümern. „Es wird alles wieder vor Ort investiert.“

Nicht nur Weinstädter können Kunde werden

Vom 1. Januar an werden die Stadtwerke auch Endkunden, also Privatbürger und Firmen, mit Strom sowie Gas beliefern. Oberbürgermeister Michael Scharmann ist überzeugt, auf dem Markt bestehen zu können. „Ich denke, wir haben alle Trümpfe in der Hand.“ Der Weinstädter OB kündigte zugleich an, auch selbst privat (er wohnt in Strümpfelbach) zu den Stadtwerken zu wechseln. Allerdings können nicht nur Leute aus Weinstadt Kunde werden, sondern zum Beispiel auch Menschen aus umliegenden Kommunen wie etwa Aichwald. Ob ein Wechsel in einem bestimmten Postleitzahlengebiet möglich ist, erfahren Interessierte von den Stadtwerken.

Preise geltzen bis 31. Dezember 2018

Wichtig war den Verantwortlichen, einen Tarifdschungel zu vermeiden. Gekündigt werden kann der Vertrag jeweils zum Jahresende, mit einer Vorlaufzeit von mindestens einem Monat. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls zum Ende eines Jahres. Die Stadtwerke garantieren dabei die jetzigen Preise laut eigenen Angaben bis zum 31. Dezember 2018. Wer mehr als 100 000 Kilowattstunden Strom beziehungsweise Gas verbraucht, für den gelten allerdings andere Tarife als jene, die wir in unserer Grafik aufgeführt haben. Geschäftsführer Thomas Meier rechnet bereits damit, dass die Wettbewerber in den nächsten Wochen ihre Tarife anheben werden. Er begründet diese Einschätzung mit den gestiegenen Netzentgelten für die Stromversorger sowie den allgemein höheren Beschaffungspreisen für Energie.

 

Zum Start gibt es nur Ökostrom-Tarife

Überzeugen will Thomas Meier die Kunden zunächst mit reinen Ökostromtarifen. In einem zweiten Schritt sollen dann noch sogenannte Effizienztarife dazukommen, bei denen der Strom von den Weinstädter Stadtwerken selbst hergestellt wird – und zwar durch Blockheizkraftwerke. Einen Vorteil für den Kunden sieht Meier auch darin, dass die Stadtwerke transparent arbeiten müssen. Der Gemeinderat entscheidet schließlich in öffentlichen Sitzungen über die Wirtschaftspläne der Stadtwerke. Die Ansprechpartner seien zudem vor Ort erreichbar, ganz anders als bei anderen Unternehmen, die ihre Kundenbetreuung an Call-Center ausgelagert haben.

Verträge können ab sofort unterzeichnet werden

Dass die Stadtwerke nun auch die Bürger direkt mit Strom und Gas versorgen, kommt nicht von ungefähr. Es ist letztlich das Ergebnis einer langfristigen Strategie der Stadtverwaltung und des Gemeinderats, die 2012 formuliert wurde. Damals verärgerte Weinstadt ja seine Nachbarkommunen damit, dass es in Sachen Strom und Gas erst mit Winterbach, Kernen, Urbach und Remshalden zusammenarbeiten wollte, aber dann wieder absprang. In den Folgejahren tat die Stadt allerdings alles, um ihre eigenen Stadtwerke zu stärken. Sie ging in Sachen Stromnetz eine lukrative Partnerschaft mit der EnBW ein, baute die Nahwärmeversorgung aus und versorgt seit einem Jahr alle städtischen Abnahmestellen mit Strom und Gas. Zum 1. Januar nun können auch Privatleute und Firmen Kunden werden, wobei die Verträge dafür ab sofort unterzeichnet werden können. Geschäftsführer Thomas Meier glaubt jedenfalls an den Erfolg, gerade weil Kommunen mit dem Geld rein rechtlich gar nicht spekulieren dürfen – und somit die Gewinne garantiert im Ort bleiben. „Wir sind ein Bürgerstadtwerk.“


Direkte Durchwahl

Wer sich überlegt, bei den Weinstädter Stadtwerken vom 1. Januar an Strom- oder Gaskunde zu werden, hat dort ab sofort zwei Ansprechpartnerinnen: Petra Lisowski (0 71 51/20 53 58 53, p.lisowski@stadtwerke-weinstadt.de) und Vanessa Brandt (0 71 51/20 53 58 54, v.brandt@stadtwerke-weinstadt.de).

Unter www.stadtwerke-weinstadt.de haben die Stadtwerke jetzt auch einen eigenen Internetauftritt.


Weinstädter Stadtwerkechef: Nicht vergleichbar

Thomas Meier, Geschäftsführer der Weinstädter Stadtwerke, findet den Preisvergleich unserer Zeitung nicht zutreffend, weil die in Weinstadt wohnenden Kunden ja gar nicht die Chance hätten, die Tarife der vier anderen Unternehmen zu diesen Konditionen in Weinstadt zu erhalten. Er erklärt das so: In jedem Netzgebiet würden die Netzentgelte vom Netzbetreiber, also nicht dem Lieferanten, spezifisch ermittelt und vom Lieferanten in diesem Gebiet an die Endkunden entsprechend weiterberechnet. So liegen laut Meier die Stadtwerke Waiblingen, Fellbach und Schorndorf sowie das Remstalwerk in ihrem je eigenen Netzgebiet mit unterschiedlichen Netzentgelten – bis auf die Stadtwerke Weinstadt. „Wir befinden uns im Netze-BW-Gebiet. Jeder Versorger, der in das entsprechende Netzgebiet des anderen liefert, muss die dort anfallenden Netzentgelte vom Endkunden erheben und an den Netzbetreiber abführen.“ Aufgrund dieser unterschiedlichen Netzentgelte können nach Meiers Angaben Tarife der Stadtwerke Waiblingen für das Netzgebiet Waiblingen nicht mit den Tarifen im Netze-BW-Gebiet für die Weinstädter Kunden verglichen werden, weil diese Tarife meist so gar nicht in Weinstadt angeboten würden. Selbiges gilt laut Meier für Tarife der anderen Anbieter. „Ein Weinstädter Kunde kann diese Tarife so niemals abschließen.“

Viel besser wäre es daher aus Thomas Meiers Sicht zum Beispiel, den Tarif „Weinstadt-Strom Öko Privat“ mit einem Ökostromangebot des Energiekonzerns EnBW zu vergleichen. Ein Vier-Personen-Haushalt mit 5000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt in Weinstadt 1479,96 Euro, beim nach Meiers Angaben vergleichbaren Tarif „EnBW Privatstrom Natur Max 12“ sind dagegen 1482,07 Euro fällig – also etwas mehr. In Kernen zahlen Kunden laut Geschäftsführer Thomas Meier bei den Weinstädter Stadtwerken 1341,96 Euro (bei den Remstalwerken im „Remstalstrom Natur fix 12“ 1340 Euro), in Korb 1354,04 Euro (1449,18 Euro bei Süwag im Tarif „Naturstrom 2020“), in Waiblingen 1370 Euro (1310 Euro bei den Stadtwerken Waiblingen im „toptarif Klima“), in Fellbach 1306,04 Euro (1336,79 Euro bei den Stadtwerken Fellbach im Tarif „TreuePlus Aqua Eintarif“) und 1336,96 Euro in Schorndorf (1347,90 Euro bei den Stadtwerken Schorndorf im Tarif „Strom Pur 2018“). „Da liegen wir doch ganz gut im Vergleich.“