Waiblingen

Stand-up-Paddling: Verblüffend einfach

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Näher kann man der Rems nur beim Schwimmen kommen. © Schneider / ZVW
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Beim Schwanen-Biergarten geht’s los. © Gaby Schneider
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Kleine Stadtbesichtigung auf dem Fluss. © Gaby Schneider

Waiblingen. „Einfach in die Knie gehen, das gibt Stabilität“, macht Norbert Friedel mit den Kniffen beim Stand-up-Paddeln vertraut. An diesen heißen und trockenen Sommer-Wochenenden schweben die Paddler wieder aufrecht und ganz wackelfrei die Rems hinab.

Surfen ohne Wind und ohne Wellen, nur über die eigene Armkraft: So funktioniert Stand-up-Paddeln. Ein meditatives Bild, wenn wie jetzt am Wochenende wieder mehrere Paddler zugleich stehend und nahezu geräuschlos über die Rems gleiten. „Um das Gleichgewicht zu trainieren und zur Ruhe zu kommen, ist es perfekt“, sagt Benedicte Thibault aus Kernen. Mit speziellen Barfußschuhen klettert sie auf das stabile Brett. „Mit diesen kann ich ins Wasser stehen, und wenn ich es schaffe, auch ein Stück über das Wehr laufen“, sagt sie über ihre ambitionierten Pläne. Auch die verschärfte Variante hat sie bereits am eigenen Leib erfahren: Pilates auf dem Brett. „Durch den wackligen Untergrund ist es muskulär spannend, die ganze Feinmuskulatur wird trainiert.“

An manchen Tagen sind die Bretter nonstop ausgebucht

Bevor sie mit dem speziellen Floß auf Reisen geht, übt sie mit Norbert Friedel den Aufsteh-Trick. „Die Hände vom querliegendem Paddel abdrücken und aus der Hocke langsam nach oben“, weist er sie ein. Norbert Friedel ist Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung Epia aus Schwäbisch Gmünd, die an den Wochenenden zuständig ist für den Stehpaddel-Verkehr auf der Rems und hauptberuflich das Paddeln in der Arbeit mit Jugendlichen einsetzt. Die Tourismussparte habe sich zufällig ergeben, werde aber immer mehr nachgefragt. 30 Interessierte haben an diesem Samstag reserviert. Ein eher ruhiger Tag. „Es gab Tage, da waren nonstop alle Boards unterwegs“, bestätigt Mitarbeiterin Antonia Renz die Nachfrage.

Anfänger wagen sich kniend über den Fluss

Die Aussicht darauf, stehend über den Fluss zu gondeln und Kreise auf der Wasseroberfläche zu ziehen, hat auch Sonja und Steffi Kysela angelockt. Sie sind aus Rudersberg hergeradelt: „Wir wollten es schon lange ausprobieren, das ist die Gelegenheit“, sagen sie. „Wir haben heute unseren Schwesternausflug, das ist doch ein ideales Ziel.“ Als erste findet sich Steffi in die Materie ein. Gut eingecremt mit Sonnenschutz nähert sie sich noch etwas zaghaft dem Ufer. „Ach jemine, das sieht wacklig aus“, sagt sie. „Das wird schon klappen, Schwesterherz“, motiviert Sonja. Steffi kniet auf das Brett, wie es Norbert Friedel jedem Anfänger empfiehlt. „Die Füße leicht auseinander, so stehen Sie sicher“, meint er. „Okay, wenn es jetzt einen Platscher macht, dann war’s ich“, macht Steffi Scherze. Der Platscher bleibt aus, sie schwebt wackelfrei über die Rems - sogar die Sonnenbrille in den Haaren sitzt.

Schwester Sonja stößt sich behutsam mit dem Paddel vom Steg ab, die Schwester schaut dem Startmanöver zu. „Bis auf nasse Füße kein Wasserkontakt, einfach nur schön“, rufen beide vergnügt plaudernd. Die Kniehaltung lassen sie schnell hinter sich, den Rückweg bewältigen sie stehend. Auch Heiko Zickerow aus Schorndorf hat sich für die Brett-Reise entschieden. „Ich bin gerne an Badeseen und mit Wasser in Berührung“, meint er. Reinfallen müsse allerdings nicht sein, vorsichtshalber bringt er seinen Schlüsselbund am Ufer in Sicherheit. „Wobei, vielleicht gar nicht dumm, dann lernt man das Aufsteigen gut“, wägt er humorvoll ab. Nach den ersten Steh- und vorwärtsschiebenden Paddelversuche ist alle Furcht vor dem Kentern verflogen. „Es ist gar nicht so schwer wie gedacht, es kann jeder lernen.“

„Die Leute sind oft verblüfft, wie einfach es geht“, weiß Epia-Mitarbeiterin Antonia Renz. „Man hat schnell ein Erfolgserlebnis“, sagt Norbert Friedel, der diese Erfahrung beruflich auch mit Jugendlichen macht, die aufgrund von Schicksalsschlägen, Drogen oder einer psychischen Erkrankung aus der Bahn geworfen wurden. „Sie lernen, ihren Körper wieder zu spüren und machen die Erfahrung, etwas zu schaffen“, sagt Friedel.


Selbst ausprobieren

Den ganzen Sommer lang kann auf der Rems gepaddelt werden. An der Anlegestelle am Biergarten auf der Schwaneninsel bietet die Firma Epia jedes Wochenende von 11 Uhr an Kanus und Boards für das Stand-Up-Paddling zum Verleih an.

Das Kanu kostet acht Euro für eine halbe Stunde und 14 für eine Stunde. Die Leihgebühr für das Stand-Up-Paddling beträgt sechs Euro je Brett für eine halbe Stunde und zehn für eine Stunde. Bei unsicherer Wetterlage gibt’s Hinweise unter Telefon 0 71 71/ 8 05 35 50 oder 0160/ 96 26 39 13 (von 9.30 Uhr an).

Gruppen, Vereine, Schulklassen buchen die Bretter. „Wir hatten schon Junggesellenabschiede und Kindergeburtstage“, nennt Friedel weitere Beispiele. Die nächsten Möglichkeiten für Pilates auf dem Brett bestehen am 1. und 9. September, je ab 11 Uhr. Der Kurs kommt ab einer Teilnehmerzahl von fünf zustande.