Waiblingen

Start unter Corona-Bedingungen für Bittenfelder Ortsvorsteherin - und wie sieht's aus mit der Nachfolge für Hohenacker?

Ortsvorsteherin
Seit Anfang Juni an ihrer neuen Wirkungsstätte: Veronika Franco Olias. © ALEXANDRA PALMIZI

In normalen Zeiten gilt für Ortsvorsteherinnen, die ihr Amt neu antreten, vor allem eine Devise: unter Leute gehen. Steigt irgendwo ein Fest? Rein ins Getümmel. Hat ein Verein Hauptversammlung? Nichts wie hin. Insofern hat die 26-jährige Veronika Franco Olias in der Corona-Krise erschwerte Bedingungen - keine Veranstaltungen, keine Gruppentreffen. Dennoch hat sie erste Ideen für die Ortschaft - und einen Eindruck von der Arbeit ihrer tödlich verunglückten Vorgängerin Anja Wenninger.

Fast so, wie es vor der Pandemie gewesen wäre, verbringt Veronika Franco Olias einen Großteil ihres Arbeitstags damit, Leute kennenzulernen. Die Stadtverwaltung mit ihren Fachbereichen und Ansprechpartnern nimmt dabei einen gewissen Raum ein, mit den Ortschaftsräten kam sie ebenfalls zusammen. Ihr Ziel lautet zudem, aus jedem Verein zumindest die Vorsitzenden sobald wie möglich kennenzulernen, „aber mir fehlen noch einige“. Persönlich hat sie Bittenfeld „intensiv“ erkundet. Ihr erster Eindruck: Wohlgefühl. Wald und weite Felder - da fühlt sich die Verwaltungsfrau, die auf dem Land bei Göppingen aufgewachsen ist, gleich wie zu Hause. Aber auch innerorts habe Bittenfeld viele schöne Ecken mit viel Grün entlang des Zipfelbachs, Fachwerkhäusern und idyllischen Gärten.

Noch keine Lösung für Hohenacker

Zuletzt war sie Ortsvorsteherin in Nabern bei Kirchheim/Teck. Gewissermaßen hat sie dort mit einer Tradition gebrochen, denn alle ihre Vorgänger hörten ihren Job auf, um Bürgermeister zu werden. Der Wechsel von Veronika Franco Olias dagegen hat eher private Gründe: Ihr Mann Marcel ist stellvertretender Leiter des Rechnungsprüfungsamts der Stadt Winnenden. Beide wollen in der näheren Umgebung heimisch werden, in Backnang-Maubach haben sie eine Wohnung im gleichen Haus mit Freunden gefunden. Für später gibt’s zudem den Plan, selbst eine Immobilie zu erwerben. Zwar bezeichnen auch frühere Ortsvorsteher aus Waiblinger Ortschaften das Amt als „Schule des Bürgermeisters“: Doch zunächst gilt der Fokus der „Neuen“ voll und ganz Bittenfeld, und sie versichert: „Ich werde nicht in zwei Jahren gleich wieder gehen.“ Ihre Rolle sieht sie als die einer Vermittlerin zwischen Stadtverwaltung und Ortschaft. „Man darf sich dabei nicht als Bürgermeisterin sehen.“ Obwohl die Vielfalt der Themen und das Leiten einer Ratssitzung dem schon recht nahe kommen. Kommende Woche steht ihre erste Ortschaftsratssitzung an. Coronabedingt nicht im Rathaus, sondern in der Zehntscheune.

Aktuell die größten Projekte, die Anja Wenninger bis zu ihrem Reitunfall mit bearbeitete, sind das nun fast abgeschlossene Baugebiet Berg-Bürg, in dem es noch einige Grünflächen zu gestalten gilt, und die neue Kita bei der Schillerschule. Ein „Bildungshaus“, das wie jetzt in Bittenfeld Grundschule und Kindergarten einander näherbringt, hat Veronika Franco Olias schon in Nabern begleitet. Eine Aufgabe für die Zukunft wäre aus ihrer Sicht die Gestaltung des Ortskerns. Um das Haus Elim herum hat die Schillerstraße durch den Umbau an Aufenthaltsqualität gewonnen. Ob sich das nach ähnlichem Muster fortsetzen lässt, sei eine Prüfung wert.

Die Aufwertung des Ortskerns sei auch eines der im Stadtentwicklungsplan festgelegten Ziele. Weil junge Leute nach ihrer Überzeugung nach Studium oder Ausbildung eher in ihren Heimatort zurückkehren, um sich mit Familie niederzulassen, wenn sie dort eine gute Kindheit und Jugend verbracht haben, möchte sie gerne den Kontakt zu jungen Bittenfeldern suchen und bei einem Workshop erarbeiten, was an Treffs oder Sportmöglichkeiten vielleicht noch fehlt. Natürlich erst dann, wenn derlei nach der Pandemie wieder stattfinden kann.

Leute zusammenbringen, bürgerschaftliches Engagement stärken - darin sieht Veronika Franco Olias Kernaufgaben einer Ortsvorsteherin. „Frau Wenninger habe dabei viel bewegt und ins Leben gerufen“, sagt sie anerkennend über die Vorgängerin. Als Beispiele nennt sie „Bittenfeld blüht auf“, das Pfingstferienprogramm und das Dorffest, um dessen Organisation sich künftig ein Verein kümmern will.

In Hohenacker befindet sich Kollege Fatih Ozan auf der Zielgeraden seiner Ortsvorsteher-Zeit: Zum 1. August wird er Stadtkämmerer. Die Nachfolge ist weiter ungeklärt. Die Stelle wurde bereits zum zweiten Mal ausgeschrieben, mehrere Bewerbungen gingen ein. Die nächsten Tage sollen zeigen, ob tatsächlich qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber dabei sind.

In normalen Zeiten gilt für Ortsvorsteherinnen, die ihr Amt neu antreten, vor allem eine Devise: unter Leute gehen. Steigt irgendwo ein Fest? Rein ins Getümmel. Hat ein Verein Hauptversammlung? Nichts wie hin. Insofern hat die 26-jährige Veronika Franco Olias in der Corona-Krise erschwerte Bedingungen - keine Veranstaltungen, keine Gruppentreffen. Dennoch hat sie erste Ideen für die Ortschaft - und einen Eindruck von der Arbeit ihrer tödlich verunglückten Vorgängerin Anja

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