Waiblingen

Statt Jugendkirche - evangelische Kirche will Kitas verkaufen

Dietrich-Bonhoeffer-Haus
Eingangsbereich des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses in der Waiblinger Talstraße. © Benjamin Büttner

Die evangelische Kirchengemeinde Waiblingen wird sich von einem oder zwei ihrer Kindergärten trennen. Das als Jugendkirche genutzte Dietrich-Bonhoeffer-Haus hingegen bleibt weiter in ihrem Besitz. So hat es der Kirchengemeinderat am Montagabend beschlossen. Vorausgegangen war eine Petition der jungen Leute, die sich gegen einen möglichen Verkauf des Jugendkirchen-Gebäudes in der Talstraße wehrten. Sie wird von inzwischen mehr als 400 Menschen unterstützt.

Hintergrund für die Verkaufsabsichten der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen sind deren anhaltender Mitgliederschwund und die fällige Sanierung des Jakob-Andreä-Hauses. Diese wird circa drei Millionen Euro kosten. Durch den Verkauf von einer oder zwei Immobilien soll ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung erbracht werden. Als Ziel für den Erlös stehen etwa 790 000 Euro im Raum.

Eine bis zwei Kitas zum Verkauf

In letzter Zeit hatte sich der mögliche Verkauf des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses zum Stadtgespräch entwickelt. In pandemiefreier Zeit wäre es wohl zu einer hitzigen Debatte mit viel Publikum im Jakob-Andreä-Haus gekommen. Doch auch bei der öffentlichen Kirchengemeinderatssitzung im Online-Modus wurde kontrovers und leidenschaftlich diskutiert. Sowohl die Kita-Leitungen als auch die an der Jugendkirche beteiligten Verbände kamen dabei zu Wort. Am Ende stand der Beschluss: Die evangelische Kirchengemeinde wird versuchen, eine oder zwei ihrer sechs Kindertagesstätten zu veräußern. Die Stadt Waiblingen sei zwar über die Überlegungen informiert, sagt Dekan Timmo Hertneck. Absprachen gebe es aber weder mit ihr noch mit anderen potenziellen Abnehmern wie Unternehmen oder Trägervereinen. Theoretisch bestünden in den evangelischen Kitas Möglichkeiten zur Erweiterung, was die Gemeinde aber überfordern würde.

Kitas wollen kirchlich bleiben

Welche Kindergärten tatsächlich zum Verkauf kommen, steht noch nicht fest. Derzeit betreibt die evangelische Kirche in Waiblingen sechs Kitas: „Bärenland“ in der Marienstraße, „Sternschnuppe“ am Danziger Platz, Silcherstraße, „Schatztruhe“ Talstraße, Röte und „Pusteblume“ Holzweg. Die „Bärenland“-Immobile gehört bereits der Stadt, die „Sternschnuppe“ zu einem Drittel. Grundsätzlich steht die Option im Raum, dass die Kirche die Trägerschaft der zu verkaufenden Einrichtung angibt - das muss aber nicht sein. Vielmehr appellierten die Kita-Leitungen an den Kirchengemeinderat, um den Erhalt der kirchlichen Trägerschaft zu kämpfen. „Wir wollen Teil der Kirche bleiben.“ Nur so könne die gute Arbeit mit den Kindern weiter sicher gewährleistet werden.

Kitas und Jugendarbeit gleich wichtig

In den vergangenen anderthalb Jahren habe der Kirchengemeinderat viele Lösungen geprüft, sagt Vorsitzender Daniel Tröndle. Doch bis auf die letzten beiden Alternativen - Verkauf des als Jugendkirche genutzten Dietrich-Bonhoeffer-Hauses oder eben von Kindergärten - hätten sich alle zerschlagen. So darf die Kirche zum Beispiel für die Sanierung nicht mehr als 20 Prozent aus ihrem Kapitalstock entnehmen. Ein Verkauf - ob Kita oder Jugendkirche - sei ein „schmerzlicher Vorgang“, sagte der Dekan. Zumal beide Bereiche als wichtige Anliegen der kirchlichen Arbeit erachtet werden. Unter anderem Pfarrerin Antje Fetzer erinnerte an die Verantwortung für die Gesamtheit, das Denken in Gruppen-Interessen gelte es zu überwinden.

Erfolgsgeschichte "Lighthouse"

Schon dem vor fünf Jahren angelaufenen Immobilienprozess lag der anhaltende Mitgliederschwund der Kirche zugrunde. Damals stand zur Debatte, mindestens eins der Gemeindehäuser abzustoßen. Ein Kompromiss wurde insofern gefunden, dass das Dietrich-Bonhoeffer-Haus als Gemeindehaus aufgegeben, aber zumindest für zehn Jahre als Jugendkirche weiter genutzt wurde – mit dem Evangelischen Jugendwerk, den Christlichen Pfadfindern und dem CVJM als Partnern. Die mit dem Namen „Lighthouse“ getaufte Jugendkirche wird inzwischen als Erfolgsgeschichte gewertet, umso ernüchternder wäre für die Jugendlichen die Aussicht auf ein baldiges Ende gewesen. Die Jugendkirche oder eine Kita abzureißen stand aber nicht zur Debatte, wie Daniel Tröndle betonte.

Die Michaelskirche und das Jakob-Andreä-Haus sind aus Sicht des Kirchengemeinderats die wichtigsten Gebäude und sollen gut in Schuss gehalten werden. Die Sanierung des Jakob-Andreä-Hauses soll Anfang 2022 beginnen und wird zwischen einem und anderthalb Jahren dauern. Die Gemeinde hofft, während der Sanierung in andere Räume ausweichen zu können, etwa zu Katholiken, Methodisten – und in die Jugendkirche.

Die evangelische Kirchengemeinde Waiblingen wird sich von einem oder zwei ihrer Kindergärten trennen. Das als Jugendkirche genutzte Dietrich-Bonhoeffer-Haus hingegen bleibt weiter in ihrem Besitz. So hat es der Kirchengemeinderat am Montagabend beschlossen. Vorausgegangen war eine Petition der jungen Leute, die sich gegen einen möglichen Verkauf des Jugendkirchen-Gebäudes in der Talstraße wehrten. Sie wird von inzwischen mehr als 400 Menschen unterstützt.

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