Waiblingen

Staufer-Kastell hat wieder geöffnet

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Serviceleiter Alex Zaypullaev, Inhaber Roman Chernousov, Servicekraft Katja Renz und Koch Avni Smarjli (von links). © Büttner / ZVW

Waiblingen. Wenige Wochen nach dem Abschied von Charly und Brigitte Herrmann hat das beliebte Restaurant Staufer-Kastell in Roman Chernousov einen neuen Pächter. Mit Hilfe seines Teams will der 39-jährige gebürtige Ukrainer die Waiblinger weiter mit schwäbischer Küche wie selbstgemachten Maultaschen und Spätzle versorgen.

Fast im Minutentakt bleiben derzeit Passsanten im Mikrozentrum vor dem wiedereröffneten Lokal stehen und wagen einen Blick nach drinnen. Draußen werben Stelltafeln für Rostbraten mit Spätzle oder Tafelspitz mit Salzkartoffeln – und eine ältere Dame sagt fröhlich zum neuen Inhaber: „Ich find’s toll, dass sie auch Schwäbisches auf der Karte haben.“ Tatsächlich liegt der Schwerpunkt, vielleicht von Tiramisu abgesehen, glasklar auf schwäbisch-deutscher Küche. Das Team um Roman Chernousov versucht, an die Tradition der Vorgänger anzuknüpfen, ohne sie kopieren zu wollen. Keine Kopie zu machen, so lautete auch die Empfehlung von Charly Hermann selbst, der bei der Übergabe immer für einen guten Rat zu haben war. „Er ist ein Spitzenkoch, diesen Ruf muss man sich erst erarbeiten - aber wir wollen diese Energie mitnehmen.“ Die Speisenauswahl wurde bewusst verschlankt, die Richtung bleibt jedoch die altbewährte, bürgerlich-bodenständige. Auch an der Einrichtung hat sich nichts geändert: „Das Rustikale passt zu uns“, sagt der neue Chef.

Jahrelange Erfahrung in der Gastronomie

Die vierköpfige Mannschaft bringt jahrelange Erfahrung aus der Gastronomie in Stuttgart mit und kennt sich seit Jahren. Avni Smarjli ist im Schwäbischen aufgewachsen, gelernter Koch. Roman Chernousov, der seit 17 Jahren in Deutschland lebt, arbeitete unter anderem als Kellner im „Terrazza“ im Friedrichsbau und im Catering des Hauses der Wirtschaft. Dort waren Veranstaltungen mit bis zu 1000 Gästen zu bewirten. Mit dem eigenen Restaurant verwirklicht er sich einen lang gehegten Traum. Gleichzeitig bleibt der Familienvater vorerst seinem Job als Saalbauer im Haus der Wirtschaft treu, kommt aber jeden Tag auf die Korber Höhe, um mit anzupacken.

„Wir wurden als junges Team gut aufgenommen“, freut sich der Wirt über die ersten Gäste. Die Nachricht von der Wiedereröffnung hat sich längst noch nicht überall herumgesprochen, doch einige der zuletzt 50 festen Gruppen, Stammtische, und Vereine, die bis zum Jahreswechsel das Staufer-Kastell als Treff nutzten, haben sich bereits zurückgemeldet: Die Handballer waren schon da, Tischtennis-Spieler, Chöre und andere. Die Reservierungen für Geburtstage und Konfirmationen ziehen jetzt wieder an.

"Wir können alle Gäste brauchen"

Überrascht war das Personal, als auf einen Schlag 30 bis 40 Jugendliche vom Salier-Schulzentrum zum Mittagessen auftauchten. Ebenfalls eine Tradition des Staufer-Kastells. „Die Schüler waren glücklich“, erzählt Roman Chernousov, „und wir können alle Gäste brauchen.“ Das soll unabhängig von Alter, Stand, Nationalität und Religion gelten. Ähnlich hält’s der 39-Jährige bei seinem Hobby: Als russisch-orthodoxer Christ spielt er im jüdischen Verein TSV Maccabi Stuttgart Fußball. Das habe noch nie jemanden gestört. »Wir sind Juden, Christen, Muslime, wir wollen trainieren, neue Freunde kennenlernen und Spaß haben«, sagte er kürzlich der Zeitung „Jüdische Allgemeine“.

Und noch eine Tradition des Staufer-Kastells bleibt: das VfB-Mannschafts-Foto an der Wand. „Ich bin VfB-Fan, zu 100 Prozent.“


Die Vorgänger

37 Jahre lang führten Charly und Brigitte Herrmann das Restaurant Staufer-Kastell auf der Korber Höhe. Er kochte und sie backte und leitete den Service.

Der bisherige Chef hatte die 60 Jahre erreicht – und für eben diesen Zeitpunkt hatte das Paar den Abschied schon länger geplant. Den 14-Stunden-Arbeitstag wollten die beiden ihrer Gesundheit nicht mehr antun. Deshalb der Abschied zum Jahreswechsel.