Waiblingen

Stetten-Beinstein: Weiterhin hohe Sturzgefahr am Bahnsteig

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Seit Jahren eine Gefahrenstelle: Der Spalt zwischen den S-Bahnen und dem Bahnsteig ist an der Haltestelle Stetten-Beinstein zwischen 15 und 27 Zentimeter breit. Zudem müssen die Fahrgäste einen Höhenunterschied von 25 bis zu 35 Zentimetern überwinden. © Habermann / ZVW

Weinstadt-Endersbach. Die S-Bahnhaltestelle Stetten-Beinstein bleibt gefährlich: Mit Klaus Raif ist wieder ein Bahnkunde beim Aussteigen in den bis zu 27 Zentimeter breiten Spalt zwischen S-Bahn und Bahnsteig gefallen. Der 84-jährige Weinstädter verletzte sich und hatte Glück, dass ihn drei junge Leute schnell befreiten.

„Achten Sie auf den Höhenunterschied“: Klaus Raif hat diese automatische Ansage in der S-Bahn schon oft gehört, immer kurz vorm Aussteigen an der S-Bahnhaltestelle Stetten-Beinstein in Endersbach. Es war gegen 23.30 Uhr, der 84-Jährige kam von einem Theaterbesuch in Stuttgart. Als er aus dem hell beleuchteten S-Bahn-Abteil nach draußen gehen wollte, blickte er laut eigenem Bekunden erst mal ins Schwarze des schwach beleuchteten Bahnsteigs. Klaus Raif hielt sich zur Sicherheit an der Stange bei der Tür fest, tat einen Schritt – und landete in dem Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante. Der 84-Jährige ist fit und hat keinerlei körperliche Beeinträchtigung, doch er hatte keine Chance sich selbst zu befreien. „Meine Frau war dabei, die hat auch versucht mich hochzubringen.“ Doch auch das gelang nicht. Erst durch die Unterstützung von drei jungen Leuten konnte Klaus Raif dem Spalt entkommen. Dafür ist der 84-Jährige unheimlich dankbar. Wie das Ganze ohne das Eingreifen der Helfer ausgegangen wäre, daran möchte Klaus Raif gar nicht denken. „Man weiß ja nie, ob der Zugführer das bemerkt und gewartet hätte.“

Rommelshausen hat höhere Priorität

Klaus Raif ist kein Einzelfall. Unsere Zeitung hat mehrfach über Menschen berichtet, die in den vergangenen Jahren an den Stetten-Beinstein in den Spalt gestürzt sind und sich dabei verletzt haben. „Ich hatte eine starke Zerrung am Fuß“, sagt der Weinstädter. Er ist froh, dass er sich nichts gebrochen hat. Zu wenig Protest gegen die Zustände kann den Lokalpolitikern nicht vorgeworfen werden. Der Weinstädter Gemeinderat und auch die Stadtverwaltung hakten regelmäßig nach. Dazu machte die Nachbarkommune Kernen Dampf, allen voran Gemeinderat Ebbe Kögel und der Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann, die immer wieder Druck ausübten. Anfang Juni erst machte Haußmann seinem Ärger Luft, als er erfuhr, dass der barrierefreie Bahnsteig in Rommelshausen erst im Jahr 2022 kommen soll.

Für Stetten-Beinstein bedeutet das, dass es hier noch länger dauert, denn Rommelshausen hat eine höhere Priorität zugesprochen bekommen.

Bahn-Sprecher geht nicht auf Fragen ein

Unsere Zeitung wollte deshalb von der Bahn wissen, unter welchen Voraussetzungen sich an der Ein- und Ausstiegsituation an der Haltestelle Stetten-Beinstein etwas ändert, was die Bahn zur Verbesserung von Ein- und Ausstieg tut und ob die Bahn für Verletzungen und Unfälle an der Haltestelle Stetten-Beinstein eigentlich Entschädigungen zahlt.

Statt gezielt auf die Fragen zu antworten teilte ein Sprecher der Bahn mit, dass es Ziel der Bahn sei, mobilitätseingeschränkten Reisenden einen unabhängigen und barrierefreien Zugang zum Eisenbahnsystem zu ermöglichen. „Dazu hat die DB seit 2017 bundesweit einheitliche Regeln entwickelt.“ Diese seien mit den Bundesländern und Aufgabenträgern sowie mit den Vertretern der Behindertenverbände in der Programmbegleitenden Arbeitsgruppe zum „Programm der DB AG zur Barrierefreiheit“ beraten worden und würden jetzt mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur abgestimmt.


Chance für Aufzug

Ein weiteres Problem in Sachen Barrierefreiheit sind an der Bahnhaltestelle Stetten-Beinstein die fehlenden Aufzüge. Immerhin steht seit 2015 fest, dass 2018 zwei Aufzüge gebaut werden sollen. Laut dem Landtagsabgeordneten Haußmann fehlt für Stetten-Beinstein noch das Planrecht. Dieses vorausgesetzt könnte der Bau im August beginnen – und bis zum Beginn der Remstal-Gartenschau im Mai 2019 könnte alles fertig sein.