Waiblingen

Stettener jobbt und boardet in Laax

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Der Stettener Joscha Maier mit seinem Board gleich neben seinem Arbeitsplatz auf über 2000 Metern Höhe in Laax. © Hirsch
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Abfahrt auf dem Snowboard: Joscha in Aktion. © Hirsch
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© Hirsch

Kernen/Laax. Wer träumt nicht davon, Spaß und Geldverdienen in einem der hippsten Wintersportorte in den Schweizer Alpen miteinander zu verquicken. Der Stettener Joscha Maier hat es geschafft. Er wohnt in Laax in Graubünden auf 2228 Metern Höhe direkt neben der längsten Halfpipe der Welt. Für den Snowboarder ein paradiesischer Ort. Aber auch sehr praktisch. Joscha bedient nebenan im Restaurant „Calapari“.

Bergscout-Chalenge in Oberstdorf 2012/2013.

Wer Initiative zeigt, wird belohnt. Der 22-jährige Snowboarder Joscha Maier bestätigt mit seinem Unternehmungsgeist diese eherne Grundregel. Der junge Mann, dem sein Vater Uli mit vier Jahren das Skifahren beibrachte, und der mit zehn, angeleitet von seinen zwei älteren Schwestern, auf Snowboard umstieg, gewann im Winter 2012/2013 bei der Bergscout-Challenge in Oberstdorf/Kleinwalsertal mit dem Board und sehr viel Kreativität einen Ford B-Max. Er wurde damals unter zehn Wettbewerbern zum Bergscout gekürt. Ein Jahr später, in der Wintersaison 2013/2014, kombinierte er Sport und Jobben in Serfaus-Fiss-Ladis, einem namhaften Skigebiet in Tirol. Er kellnerte und stand in der Freizeit circa 700 Kilometer auf dem Brett. „Und ungefähr so viel wird es bestimmt auch diese Saison wieder werden“, ist sich der leidenschaftliche Snowboarder sicher. Seit dem 13. Dezember lebt er in Laax in Graubünden, wo er auf dem Crap Sogn Gion im Restaurant „Calapari“ als Kellner jobbt.

Ein Gasthaus für Wintersportler mit moderner Bündner Küche und italienischem Touch: Hier verdient er sein Geld. An freien Tagen steht Joscha Maier immer gleich auf der Piste. Und, schwärmt er: „Auch das Wetter und die Sonnenauf- und untergänge kann man – so wie bei uns – drunten im Tal niemals erleben.“ Dass er gleich neben der größten Halfpipe weltweit wohnen darf, war für den Jobsucher entscheidend. Dieser Tage finden die „Laax Open“ statt: Snowboarder der Weltelite wie Stale Sandbech, Shaun White, Mark McMorris surfen in Laax über die Piste. „Es gibt kaum andere Berufe, bei denen ich meinem liebsten Hobby so viel und so günstig beziehungsweise umsonst wie hier direkt in einem der besten Skigebiete Europas nachgehen kann“, sagt er. „Und ich verdiene noch gut.“ Er lobt seine Chefs und die Kollegen mit großem Wohlwollen. „Die sind alle super. Ich habe mich schnell eingearbeitet und es macht viel Spaß.“

An freien Tagen meist die ganze Zeit auf dem Board

Auf dem Berg zu wohnen ist für den 22-Jährigen ein Traum. Die Arbeitspläne ändern sich hier wöchentlich. Die Arbeitszeiten beginnen je nach Wetter und Saisonabschnitt mal früh um acht, mal erst um 11.30 Uhr. Dafür muss Joscha Maier dann abends die Gäste des Mountain Hostels auf dem Crap Sogn Gion bedienen. „Von der Arbeit her reicht es manchmal noch für Frühsport“, erzählt er. „An freien Tagen stehe ich aber meist die ganze Zeit auf dem Board. Allein ist man selten.“ Denn es finden sich immer Kollegen und Freunde zum „Shredden“, vor allem jetzt, wo es täglich schneit.

Das Skigebiet hatte anfangs Mühe wegen der niedrigen Temperaturen mit der Unterlage. Die Pisten mussten im Dezember künstlich beschneit werden. Doch aktuell fällt immer mehr Naturschnee, „der beste Schnee überhaupt“, wie Joscha weiß. Deshalb öffnen immer mehr Skiabfahrten und Liftanlagen in der Wintersportarena, die über 235 Pistenkilometer verfügt.

Packt ihn nicht auch die Lust, sich mit dem eigenen Board an der „Laax Open“ zu beteiligen? Der 22-Jährige winkt ab. Auch wenn er in Oberstdorf als Bergscout einen Ford gewann, werde Snowboarden „immer nur mein Hobby bleiben. Für mich bedeutet Snowboarden Spaß auf der Piste, im Park oder im Powder und eine gute Zeit mit Freunden in den Bergen zu haben. Und dabei soll es auch bleiben.“

Je nach Schneelage wird die Saison in Laax noch bis zum 11. April dauern. Bis dahin erwartet Joscha Maier noch einigen Besuch aus dem Flachland in seinem Bergdomizil. Derzeit ist eine Schwester mit ihrem Partner da. Kommende Woche erwartet der Stettener seine Mutter. „Auch Freunde haben sich schon angemeldet.“ Langweilig wird es ihm da oben sicher nicht.

Après-Ski in Laax

Snowboarden und Skifahren ist nicht alles beim Wintersport. Auch abends wollen die Gäste in Laax etwas erleben. Joscha Maier hat seine Schneeschuhe eingepackt, um zur Abwechslung mal eine Schneeschuhtour zu machen, natürlich immer das Board auf dem Rucksack. Abends sitze er mit Kollegen zusammen. „Wir spielen Karten oder auch mal Tischkicker in der Hostelbar. Es sind hier viele interessante Menschen aus den verschiedensten Nationen, mit denen ich eine sehr gute Zeit habe.“

Auch im Mitarbeiterhaus seines Arbeitgebers im Tal kann man ein Zimmer mieten. „Abends finden am Wochenende gute Konzerte und Partys im Riders Palace statt, aber auch unter der Woche ist in Bars, Restaurants und Pubs im Tal immer etwas geboten.“

Oberhalb von Laax liegt das Skigebiet mit mehr als 235 Pistenkilometern und 29 Liftanlagen. Es erstreckt sich über die Gemeindegebiete von Flims und Falera und ist auch von diesen Gemeinden her zugänglich. Das Skigebiet wird von der Weissen Arena Gruppe betrieben. Der Crap Sogn Gion wurde 1962 touristisch erschlossen.