Waiblingen

Stihl: Dreifacher Rekord im Geschäftsjahr 2017

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Vorstandsvorsitzender Dr. Bertram Kandziora bei der Presseonferenz am Mittwoch (18.4.). © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Die Stihl-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2017 mal wieder die Rekorde purzeln lassen. Der Motorsägen-Weltchampion steht satt im Saft und tüftelt schon daran, dass es auch in Zukunft so bleibt.

Zu vermelden ist die Abschaffung eines „Running Gags“, eines stetig wiederkehrenden Witzes – Jahr um Jahr hat der Stihl-Vorstandsvorsitzende Bertram Kandziora, wenn es bei einer Bilanzpressekonferenz mal wieder Bestmarken hinsichtlich Umsatz oder Beschäftigtenzahl zu vermelden galt, mit einem die Grenze zur Unsichtbarkeit streifenden Minimal-Lächeln kommentiert: Die Lage sei „zufriedenstellend“. Historisches Ereignis im April 2018: Kandziora formuliert das neuerdings etwas anders – Näheres dazu später. Jedenfalls: Im Geschäftsjahr 2017 hat Stihl einen Dreifach-Rekord aufgestellt:

Umsatz: Die Stihlgruppe generierte einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro – so viel wie noch nie und fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Voran ging es sowohl bei den klassischen benzinbetriebenen Geräten als auch bei den neueren Akku-Produkten.

Absatz: „Im vergangenen Jahr haben wir erstmals weltweit mehr als zehn Millionen Motoreinheiten verkauft“, sagt Kandziora und spricht von Wachstumsraten im zweistelligen Bereich „auf allen Kontinenten“. Offenbar wird der Mann langsam übermütig – denn hier dürfen wir ihm eine Übertreibung ankreiden. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: In der Antarktis geht für Stihl nach wie vor gar nichts. Als mildernder Umstand ist allerdings in Rechnung zu stellen, dass es dort außer Pinguinen nur ein paar hundert Menschen – Forscher und Touristen – gibt und weder Wälder noch Gärten. Den paar Flechten, die in der Nähe des Südpols gedeihen, mit der Motorsäge zu Leibe zu rücken, lohnt sich nicht.

Beschäftigte: Zum Stichtag 31. Dezember 2017 arbeiteten bei Stihl weltweit 15 875 Leute – ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders erfreulich aus Waiblinger Sicht: Dieser Trend schlägt auch aufs Stammhaus durch. Im Jahr 2017 wurden hier 120 Mitarbeiter in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen, zwischen Januar und April 2018 kamen schon wieder 80 weitere hinzu – und „in nächster Zeit“ würden „mehr als 200 offene Stellen besetzt“.

Das Standbein für Stihl sind nach wie vor die benzinbetriebenen Sägen – die Akkugeräte aber sind zukunftsträchtig. Ihr Anteil am Gesamt-Umsatz beträgt etwas mehr als sechs, der am Absatz gut zehn Prozent – „mit stark steigender Tendenz“, wie Vorstandsmitglied Norbert Pick betont. Vor allem in Nordamerika und Westeuropa ist das Akku-Prinzip auf dem Vormarsch, während es „in den Schwellenmärkten noch unbedeutend“ sei.
Stihl ist seit eh und je bekannt für langfristige Planung – kurzatmig maximalem Shareholder-Value hinterdrein zu hecheln, wie es börsennotierte Player tun, ist dem unabhängigen Familienunternehmen traditionell fremd. Beleg: Im Jahr 2017 hat Stihl weltweit 248 Millionen Euro in Erweiterungsbauten investiert und will dafür auch in den nächsten vier Jahren etwa eine Viertelmilliarde per anno ausgeben; etwa ein Drittel dieser Summe wird in Deutschland eingesetzt. Dank einer Eigenkapitalquote von mehr als 70 Prozent „können wir alle Investitionen aus eigenen liquiden Mitteln finanzieren“, sagt Kandziora. Das erinnert an die Verhältnisse bei Bayern München, wo Uli Hoeneß neue Spieler gerne aus dem Festgeldkonto bezahlt.
Kann es so weitergehen? Durchaus, deutet Kandziora an: Vor allem die Digitalisierung hält er für eine „Wachstumslokomotive“ in den kommenden Jahren.

Veranschaulichen lassen sich diese Potenziale beispielhaft anhand zweier Produktneuheiten im Segment „Smart Solutions“ (zu deutsch: kluge Lösungen).

- Das Bewässerungssystem GCI 100 steuert auf der Basis aktueller Wetterdaten die Besprinkelung von Gärten, Parkanlagen, Sportplätzen, wird per App, Smartphone oder Tablet bedient und lässt sich obendrein mit einem Robotermäher vernetzen, sodass Mäh- und Bewässerungs-Intervalle aufeinander abgestimmt sind. Zeitungsauftrag an die Entwicklungsabteilung: Das Nachfolgemodell sollte dem Gärtner nebenher noch einen Kaffee aufbrühen können.

- Der Viking-Robotermäher MI 422 PC lässt sich per App von überall her aktivieren – der Gartenbesitzer kann das Gras trimmen, indem er die Maschine zum Beispiel vom fernen Urlaubsstrand aus anwirft.

Aber auch im klassischen Geschäft will Stihl „richtig Gas“ geben, verspricht Kandziora: Nächstes Jahr kommt die erste Benzin-Motorsäge mit elektronisch gesteuerter Kraftstoffeinspritzung und ohne Vergaser auf den Markt – eine Weltneuheit. Die Maschine liege leicht in der Hand, die Sägekette beschleunige von null auf hundert km/h „im Bruchteil einer Sekunde“.
Wie also ist unterm Strich die Lage, Herr Kandziora? Der Stihl-Chef antwortet: „sehr zufriedenstellend“.

Stihl im Überblick

Die Stihl-Gruppe entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für Forst- und Landwirtschaft, Landschaftspflege, Bauwirtschaft und für private Gartenbesitzer. Hinzu kommt ein Gartengeräte-Sortiment, das bisher unter der Marke Viking und ab 2019 unter der Marke Stihl vertrieben wird.

Die Produkte werden grundsätzlich über den Service bietenden Fachhandel verkauft, mit 38 eigenen Vertriebs- und Marketinggesellschaften, etwa 120 Importeuren und gut 45 000 Fachhändlern in mehr als 160 Ländern.

Stihl produziert weltweit in sieben Ländern: Deutschland, USA, Brasilien, Schweiz, Österreich, China, Philippinen. Das Unternehmen wurde 1926 gegründet; seit 1971 ist Stihl die weltweit meistverkaufte Motorsägenmarke.