Waiblingen

Stihl: Escape Game zum Teambuilding

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Rätseln und tüfteln in der Gruppe im „Escape Game“ von Stihl. © Gabriel Habermann

Waiblingen. Genmutierte Killerpflanzen haben sich in einem rasanten Tempo ausgebreitet. Es laufen die größten Evakuierungsmaßnahmen der Geschichte. Ein Mittel gegen die Ausbreitung der Pflanzen wurde jedoch nicht gefunden. Glücklicherweise konnten wir uns Zugang zu dem „geheimen Forschungslabor“ verschaffen. Ein Selbstversuch im „Escape Room“ von Stihl in Neustadt.

Im Labor haben Wissenschaftler nach einer Lösung des Problems gesucht. Diese mussten jedoch frühzeitig fliehen. Nun liegt es an uns, die Arbeit an dem Mittel zu vervollständigen. Es bleiben noch 60 Minuten. Nein, glücklicherweise befinden wir uns nicht in einem dystopischen Roman, auch nicht in einem Computerspiel. Und, um Himmels Willen, das ist auch keine Nachricht.

Am Freitag lud Stihl in sein Entwicklungszentrum in Waiblingen-Neustadt ein, um eine besondere Innovation zu präsentieren. Die Einstiegsgeschichte führte zu dem „Escape Game“, das Stihl in Zusammenarbeit mit der Firma Individual Escape entwickelt hat.

Die Marke Stihl erleben und als Team zusammenwachsen

„Escape Games“ sind eine Erfindung aus Japan, die es seit 2013 auch in Deutschland gibt. Hierbei wird eine Gruppe freiwillig in einen Raum eingesperrt, um dann den Weg hinaus zu finden. Dafür müssen Hinweise richtig interpretiert und Rätsel gelöst werden, um an Codes oder Passwörter zu gelangen. Dies fordert Geduld, Geschicklichkeit und logisches Denken. Es fördert aber vor allem den kollektiven Zusammenhalt.

„Das Escape Game wurde insbesondere für Studierende technischer Studiengänge konzipiert, diese erleben die Marke Stihl und wachsen als Team zusammen“, sagt Carolin Buchmaier vom Personalmarketing. Wir finden uns also nicht in einem verschlossenen Raum, sondern in einem umgebauten Besprechungszimmer wieder. Meine Partner bei der Lösungsfindung: Studierende und Mitarbeiter von Stihl.

Killerpflanzen und virtuelle Realität

Zurück zu den Killerpflanzen. Zunächst scheinen wir uns wirklich in einem Labor aufzuhalten, das schlagartig evakuiert werden musste. Weiße Kittel sind auf den Tischen hinterlassen, ein Laptop ist noch angeschaltet und an den Wänden hängen eine Landkarte und Ausschnitte von Zeitungsartikeln über die Pflanzen. Den Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, gilt es also aufzuhalten.

Auf dem Tisch der erste Hinweis: Ein Smartphone, das in der Nähe eines Virtual-Reality-Aufsatzes liegt. Diese beiden Gegenstände kann man zusammenfügen, um dann eine Virtual-Reality-Brille zu erhalten. Mit dieser sieht man in einen virtuellen Raum, in dem man die Stihl-Unternehmensgeschichte nachsehen und daraus ein Passwort ableiten kann, das zum nächsten Rätsel führt.

Digitale Elemente werden immer wichtiger

Man muss dafür kreativ sein, aber wir hangeln uns erfolgreich von Hinweis zu Hinweis, von Zahlencode zu Zahlencode. Die Rätsel drehen sich um Stihl-Produkte, Virtual Reality, Connected Products und Ultraschall. So wird etwa ein Laubbläser als Waage benutzt oder wir hören ein Rätsel aus einem Gehörschutz, wenn damit eine Motorsäge verbunden wurde. Am Ende setzen wir diese Motorsäge mit einem Ultraschallsender zusammen.

„Anfänglich haben wir das Spiel vor allem bei Hochschulmessen aufgebaut“, so Buchmaier weiter. Eine interaktive Weise das Unternehmen und dessen Produkte vorzustellen, sei auf gute Resonanz gestoßen. Schließlich sei das Ziel ebenfalls, die neue Ausrichtung des Unternehmens darzustellen, in dem digitale Elemente immer wichtiger würden. Das Konzept des Spiels erlaubt es außerdem, dieses in jedem beliebigen Raum aufzubauen. Deshalb habe man daraufhin auch unternehmensintern Versuche gestartet.

Option für die Stihl-Bewerbertage

„Escape Games“ sind jedoch bisher vor allem als Freizeitaktivität bekannt. „Stihl ist auch von unseren Kunden der erste, der in diesem Umfang ein Spiel mitentwickelt hat“, erklärt David Maurer von der Firma Individual Escape. Dass Firmen ihre eigenen „Escape Games“ anböten sei nicht unüblich. Jedoch meist als reines Teambuilding Instrument. Diesbezüglich diskutiere man anschließend über die einzelnen Schritte und könne die Strategie analysieren.

Wie die Integration der Spiele auch weitreichender funktionieren kann, erklärt Maurer ebenfalls. „Fachliche Aufgaben in gestellten Situationen lösen zu müssen, das lässt sich beispielsweise auch in Assessment Center einbringen.“

Dies könne ebenfalls eine Option für die Stihl-Bewerbertage werden, meint Carolin Buchmaier. Wer als Bewerber auf einen Ausbildungsplatz gleichzeitig seine fachlichen Kenntnisse und die eigene Teamfähigkeit unter Beweis stellen muss, könne dies sehr unbeschwert und spielerisch in einem „Escape Game“.

„Doch bisher setzten wir das nicht ein“, sagt Buchmaier. „Hier geht es an erster Stelle um Spaß.“


Gruppen-Abenteuer

„Escape Rooms“ bedeutet übersetzt in etwa: „Räume, aus denen man entkommen muss“. Mit dem Namen ist auch schon das ursprüngliche Spielkonzept beschrieben. Die Spieler werden in Räumen eingeschlossen und müssen Mittel und Wege finden, wieder herauszukommen.

Der neue Freizeit-Trend stammt aus Asien. Eine Traditionslinie geht von Computer-Abenteuerspielen (Adventures) aus, hier insbesondere dem 2004 auf den Markt gebrachten „Crimson Room“ des Japaners Toshimitsu Takagi. Das erste Echtzeit-Abenteuerspiel mit „Raum, aus dem man entkommen muss“ (das sogenannte Real Escape Game, REG), wurde denn auch 2007 im japanischen Kyoto inszeniert.