Waiblingen

Stihl-Personalchef glaubt nicht an Einigung am Montag

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Dr. Michael Prochaska auf der Jahrespressekonferenz des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. © Alexander Roth

Waiblingen. Die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie wollen den Tarifkonflikt am Verhandlungstisch lösen. Die IG Metall müsse jedoch „dringend aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannt“, warnte Dr. Michael Prochaska, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr in Waiblingen. Die Streiks kommen den Unternehmen ausgesprochen ungelegen. Die wirtschaftliche Lage der meisten Firmen ist hervorragend.

Michael Prochaska, Personalchef bei Stihl, nannte die 24-Stunden-Streiks umso unverständlicher, da die am vergangenen Wochenende abgebrochenen Verhandlungen bereits weit fortgeschritten waren. Am Mittwoch hatte die IG Metall auch den Motorsägen- und -gerätehersteller in Waiblingen-Neustadt bestreikt und die gesamte Produktion lahmgelegt. Knackpunkt bei den Tarifverhandlungen ist die Forderung der IG Metall, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit mit einem gewissen Lohnausgleich befristet verkürzen können.

Die Arbeitgeber boten eigenen Angaben zufolge „ein sattes Lohnplus“, das den Beschäftigten im Durchschnitt 4000 Euro mehr im Jahr gebracht hätte. Auch bei einem „zukunftsweisenden Tarifmodell zur Arbeitszeit“ sei eine Einigung zum Greifen nahe gewesen, sagte Prochaska, der zwar nicht selbst am Verhandlungstisch sitzt, aber auf der Arbeitgeberseite zum erweiterten Verhandlungskreis gehört.

Prochaska: „Eine gute Konjunktur noch nie ein Dauerzustand“

Dieses, aus Sicht der Arbeitgeber zukunftsweisende Arbeitszeitmodell umfasst einen Anspruch auf befristete Teilzeit, eine Wahloption Geld oder Zeit für besonders belastete Beschäftigte, mehr Flexibilität beim Arbeitszeitvolumen für die Betriebe, zusätzliche Verdienstchancen für mehr Mitarbeiter, die länger arbeiten wollen, sowie Regelungen zum mobilen Arbeiten. Gescheitert seien die Verhandlungen zuletzt an einem nicht mehr verhandelbaren Ultimatum der IG Metall mit einem Gesamtvolumen von acht Prozent für 27 Monate. 

„Diese Zahlen sind schon für sich genommen viel zu hoch und für sehr viele unserer Betriebe undenkbar.“ Als dauerhafte Belastung wären sie „aber völlig verantwortungslos“, so Prochaska. „Auch wenn wir durch den derzeitigen langen Aufschwung verwöhnt sind, war eine gute Konjunktur noch nie ein Dauerzustand und darf deshalb auch nicht zu dauerhaft unverantwortlichen Belastungen missbraucht werden.“

Der Arbeitskampf kommt zur Unzeit

Prochaska geht nicht davon aus, dass es schon bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag zu einer Einigung kommt. Er zeigte sich beim Pressegespräch jedoch zuversichtlich, dass eine Einigung am Verhandlungstisch möglich ist.

Für die Metall- und Elektrounternehmen kommt der Arbeitskampf zur Unzeit. Die Wirtschaft wächst mittlerweile im achten Jahr in Folge, zeigte sich Prochaska beinahe ungläubig und nervös, wie lange dieser Aufschwung wohl noch weitergeht. „Ein dynamischer Export, ein kräftiger Privatkonsum und anziehende private Investitionen werden in diesem Jahr für weiteres Wirtschaftswachstum in der Region sorgen.“ Anzeichen für eine konjunkturelle Trendwende seien nicht sichtbar.

Konjunktur spiegelt sich auf dem Arbeitsmarkt wider

Die Auftragsbücher in der Metall- und Elektroindustrie sind voll. Fast sechs von zehn Firmen (58 Prozent) nannten in einer Umfrage von Südwestmetall ihren Auftragsbestand gut. Weitere 36 Prozent bezeichneten den Bestand als zufriedenstellend, weist die Umfrage unter 83 Unternehmen aus, an der sich rund 40 Prozent beteiligt haben. Etwas verhaltener ist laut Umfrage der Ausblick auf 2018. Die Hälfte der Firmen erwartet eine ansteigende Geschäftsentwicklung. Am zuversichtlichsten zeigten sich die Unternehmen aus der Elektrobranche.

Die gute Konjunktur spiegelt sich auf dem Arbeitsmarkt wider. Angesichts einer Arbeitslosenquote zwischen Rems und Murr von 3,2 Prozent im Januar könne man fast von Vollbeschäftigung sprechen, sagte Michael Prochaska, Personalchef der Stihl-Gruppe. Entsprechend schwierig gestalte es sich für die Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen. Gut ein Viertel der Firmen wollen laut Umfrage neue Mitarbeiter einstellen, lediglich neun Prozent planen Personalabbau.


Scharfe Kritik an der "GroKo 3.0"

Die sich abzeichnende Große Koalition ist für die Arbeitgeber von Südwestmetall ein rotes Tuch. „Anstatt mehr Wirtschaft zu wagen, sind Union und Sozialdemokraten dabei, die Weichen erneut in Richtung mehr Staat und Umverteilung zu stellen“, sagte Dr. Michael Prochaska, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr, am Freitag bei einem Pressegespräch über die „GroKo 3.0“. „Die Schwerpunkte liegen auf Ausgabensteigerungen, vor allem auf dem Ausbau von Sozialleistungen.“

Der Arbeitgeberverband lehnt die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ebenso ab wie die Pläne, das Rentenniveau bis 2015 auf 48 Prozent festzuschreiben oder die sachgrundlose Befristung von Beschäftigungsverhältnissen abzuschaffen. „Staatliche Wohlfühlprogramme schaffen keine Jobs und auch keine Aufbruchstimmung in der Bevölkerung.“

Michael Prochaska, Personalchef bei Stihl, fordert die neue Regierung auf, das Arbeitszeitrecht zu flexibilisieren. „Modernen flexiblen Arbeitszeitmodellen werden heute etwa durch die tägliche Höchstarbeitszeitgrenze von acht beziehungsweise zehn Stunden zu enge Grenzen gezogen.“ Es geht nicht um längere Arbeitszeiten, betonte Prochaska: „Aber die vereinbarte Gesamtarbeitszeit muss künftig flexibler und bedarfsgerechter eingesetzt werden können. Das ist im Interesse der Unternehmen – und der Arbeitnehmer.“

Als Lichtblicke wertet der Arbeitgeberverband das geplante Einwanderungsgesetz zur Fachkräftesicherung, die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung, das Bekenntnis zum flächendeckenden Ausbau von Giga-Netzen oder die Beschleunigung von Planungsverfahren.