Waiblingen

Stihl vermeldet einen Mitarbeiter-Rekord

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Kleine Demo am Rande der Bilanzpressekonferenz: Markus Wick vom Forstlichen Bildungszentrum Königsbronn schneidet mal eben schnell mit der handlichen Akku-Säge einen Baum in Scheiben. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Bei Stihl brummt der Laden, brummt und brummt – Vorstandschef Bertram Kandziora, ganz gewiss nicht bekannt als notorisch enthemmter Dampfplauderer, gibt zu: „Wir sind nicht unzufrieden.“ Notizen zur Bilanzpressekonferenz mit den 2018er-Zahlen.

Es ist jedes Mal dasselbe: Alljährlich im Frühling verkündet Stihl in aller Gelassenheit Spektakuläres. Die wichtigsten Ergebnisse von 2018 im Schnelldurchlauf:

Jahresumsatz: 3,78 Milliarden Euro. Das minimale Minus von 0,3 Prozent gegenüber 2017 liegt vor allem an ungünstigen Wechselkursen: Der starke Euro führte dazu, dass die in ausländischer Währung erzielten Einnahmen beim Umrechnen schrumpften. Wären 2018 die Wechselkurse geblieben wie 2017, dann hätte sich ein Umsatzplus von 4,2 Prozent ergeben.

Personal: 17 122 Beschäftigte weltweit zum 31. Dezember 2018 – neuer Stihl-Rekord, fast acht Prozent mehr als 2017.

Eigenkapitalquote: 69,9 Prozent. Ins Laiendeutsche übersetzt: Stihl hat einen Haufen Geld auf der hohen Kante. Es gab Zeiten, da wurde das Unternehmen für seine fette Eigenkapitalquote als altmodisch und gar zu schwäbisch belächelt – schon lange grinst keiner mehr. Denn wer flüssig ist, ist handlungsfähig: Bei Stihl, sagt Chef Kandziora, „werden alle Investitionen grundsätzlich mit eigenen liquiden Mitteln finanziert“.

Investitionen in Forschung, Entwicklung und Ausbau des weltweiten Fertigungs- und Vertriebsnetzes: 324 Millionen Euro – 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese Zahlen verraten viel über die wichtigsten Geschäftsprinzipien von Stihl.

Drei Prinzipien

Prinzip eins: Innovation hört nie auf. Was bei Stihl passiert, hätte Leo Trotzki wohl als „Permanente Revolution“ bezeichnet. Oder mit den Worten Oliver Kahns: „Weiter, immer weiter!“ Als 1959 die Ein-Mann-Motorsäge Stihl Contra auf den Markt kam, war das „für die Waldarbeit eine Sensation“, sagt Entwicklungschef Wolfgang Zahn. Die Maschine war nicht nur stark, sondern mit zwölf Kilo auch ein Fliegengewicht für damalige Verhältnisse. Folge: Bald musste Stihl Flugzeuge chartern, die in die USA flogen, um dort die Contra-Nachfrage zu stillen. 60 Jahre später folgt nun die Stihl MS 500i: die weltweit erste Benzin-Motorsäge mit elektronischer Einspritzung, ohne Vergaser, ohne Zündmodul. Die 500i hat mehr PS als die Contra, höhere Drehzahl – und wiegt nur etwa halb so viel.

Prinzip zwei: Langfristiger Erfolg beruht auf langfristigem Denken. Wäre Stihl an der Börse, gälte es, Quartal für Quartal die Gewinnmaximierungswünsche der Aktionäre zu bedienen. Stattdessen pumpt das Unternehmen heute Geld in Forschung und Entwicklung, um die „Grundlage für künftiges strategisches Wachstum“ zu legen, sagt Kandziora. Anderes Beispiel: Der „Zukunftsmarkt“ Afrika bildet „einen Schwerpunkt in der Entwicklung unseres Händlernetzes“. Es werde sicher nicht in „ein, zwei Jahren“ gelingen, die Potenziale auf diesem Kontinent auszuschöpfen, das sei eine „Generationengeschichte. Aber dafür ist Stihl bekannt, dass wir über Generationen denken.“ Und weil es zum dauerhaften Erfolg motivierter und treuer Fachkräfte bedarf, gibt es bei Stihl nicht nur Erfolgsprämien und Mitarbeiterkapitalbeteiligungen – neuerdings erhält auch jeder, der ein VVS-Abo hat, 120 Euro im Jahr Zuschuss und oben drauf noch 10 Prozent Rabatt auf den Ticketpreis.

Prinzip drei: Globales Agieren stärkt den deutschen Standort. Standard-Argument von Globalisierungsgegnern: Wenn ein Unternehmen Produktionen im Ausland aufbaue, komme die deutsche Arbeitnehmerschaft unter die Räder. Bei Stihl ist das Gegenteil richtig: Ja, das Unternehmen produziert unter anderem in den USA, Brasilien, China, auf den Philippinen und generiert fast 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland – aber gerade diese globale Dynamik ermöglicht es, auch am Stammsitz zu wachsen. Mittlerweile arbeiten für Stihl etwa 5000 Leute allein in Waiblingen, Fellbach, Ludwigsburg, Weinsheim und Wiechs – 7,4 Prozent mehr als 2017.

Den Akku-Geräten gehört die Zukunft

Für die Zukunft immer wichtiger werden Akku-Geräte. Als Markus Wick, Ausbilder am Forstlichen Bildungszentrum Königsbronn, zum ersten Mal eine Akku-Säge in Händen hielt, war er skeptisch: Na sowas, man zieht nicht am Anwerfseil, sondern „drückt einfach einen Knopf“, und wenn die Maschine anspringt, „fehlt was – die macht keinen Lärm!“ Wick war gewohnt, einen Löwen zu reiten, der sich brüllend aufbäumte – und jetzt schnurrte in seinen Händen dieses Kätzchen . . . Und heute? „Ich bin daheim zu 100 Prozent auf Akku umgestiegen.“ Im Garten hinterm Stihl-Konferenzraum führt Wick den Journalisten so eine Akku-Säge vor: Gerade war da noch ein Baum – schon ist er entastet, und eine Minute später liegen Stücke rum, die locker in den Wohnzimmer-Ofen passen. Wick, mit dem Lächeln des Bekehrten im Gesicht: „Das macht einfach Spaß.“

Benzin-Geräte sind immer noch die Nummer eins bei Stihl. Aber der Akku-Anteil am Gesamtumsatz liegt bereits bei 12 bis 13 Prozent: Akku-Rasenmäher, Akku-Motorhacken, Akku-Heckenschneider, Akku-Sägen. Und im Herbst, sagt Bertram Kandziora, bringt Stihl „erste Akkus aus eigener Fertigung auf den Markt“.


Wachstum in Zahlen

Stihl produziert an Standorten in Deutschland, USA, Brasilien, Schweiz, Österreich, China und auf den Philippinen motorbetriebene Geräte für Forst- und Landwirtschaft, Landschaftspflege, Bauwirtschaft und private Gartenbesitzer. Mehr als 50 000 Fachhändler in etwa 160 Ländern verkaufen die Maschinen. Seit 1971 ist Stihl die meistverkaufte Motorsägenmarke weltweit.

Ein Zehn-Jahres-Vergleich offenbart, wie stark Stihl gewachsen ist. Umsatz 2008: 2,14 Milliarden Euro – Umsatz 2018: 3,78 Milliarden Euro. Mitarbeiter 2008: knapp 11 500 – Mitarbeiter 2018: gut 17 100. Investitionen 2008: 190 Millionen Euro – Investitionen 2018: 324 Millionen Euro.