Waiblingen

Stihl-Vorstandschef Bertram Kandziora geht bald in Ruhestand

Kandziora
Verabschiedet sich am 1. Februar 2022 in den Ruhestand: Der Stihl-Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora. © Stihl

Noch flotter könnte Stihl wachsen, doch Lieferengpässe bei diversen Komponenten stehen dem entgegen. Die Produktion läuft selbst an Sonntagen, die Belegschaft fährt Sonderschichten, und dennoch muss eine lange Reihe von Kunden aktuell auf Lieferungen warten: Der Laden brummt. Nicht mehr sehr lange wird unterdessen Dr. Bertram Kandziora die Geschicke des Unternehmens leiten: Der Vorstandsvorsitzende verabschiedet sich zum 1. Februar 2022 kurz vor seinem 66. Geburtstag in den Ruhestand. Seit rund 20 Jahren gehört er dem Vorstand des Unternehmens an.

Auf höchstmöglichem Niveau läuft die Produktion aktuell, sagte Martin Schwarz, Vorstand Produktion und Materialwirtschaft, bei der virtuellen Pressekonferenz am Mittwoch. Das Problem: Stihl hat mit weltweit gestörten Lieferketten und erheblichen Versorgungsengpässen bei Rohstoffen und Bauteilen zu kämpfen. Es klemmt bei der Zulieferung etwa von Stahl, Kunststoffgranulat und Elektronikkomponenten, weshalb sich „enorme Rückstände“ aufgebaut hätten, so Martin Schwarz: Bis zum Ende des ersten Quartals 2022 will Stihl die Rückstände von 1,5 bis 1,6 Millionen Motoreinheiten, die bisher nicht ausgeliefert werden konnten, abgearbeitet haben.

Umsatzplus, Beschäftigungszuwachs

Unterdessen bleibt Stihl wie seit eh und je auf Wachstumskurs: Ein Umsatzplus von fast 16 Prozent verzeichnete das deutsche Stammhaus im Zeitraum Januar bis August 2021. Auf 1,03 Milliarden Euro belief sich der Umsatz Kandzioras Angaben zufolge in den ersten acht Monaten des Jahres 2021. Die Zahl der Beschäftigten wuchs im Stammhaus seit Ende Dezember 2020 um acht Prozent auf fast 5700 Personen.

Von einem „enormen Kampf um Talente“ sprach Dr. Michael Prochaska, Vorstand Personal und Recht, bei der virtuellen Pressekonferenz. Rund 100 Stellen sind aktuell im Stammhaus zu besetzen, davon ein großer Teil in den Bereichen Forschung und Entwicklung. Anke Kleinschmit, im Stihl-Vorstand für Entwicklung zuständig, bezeichnete es als „große Herausforderung“, gutes Personal zu gewinnen: „Wir arbeiten täglich dran.“ Laut Michael Prochaska handelt das Unternehmen aktuell mit dem Betriebsrat einen weiteren Beschäftigungs- und Standortsicherungsvertrag aus, der mit Beschäftigungsgarantien verbunden sei. Näheres dazu könne erst etwa Ende des Jahres bekanntgegeben werden.

Akku-Geräte: Der Umsatz wächst

Mehr als die Hälfte seines Umsatzes erzielt Stihl mit Produkten „im ambitionierten Privatkundenbereich“, wie Vorstandsmitglied Norbert Pick sagte. Der Anteil, den Akku-Geräte zum Umsatz beisteuern, wächst, wenngleich mit Benzinmotor betriebene Geräte nach wie vor den Löwenanteil im Produktsortiment ausmachen. Stihl profitiert davon, dass eine Vielzahl von Kund/-innen die Pandemie-Zeit nutzte und nutzt, um den Garten zu verschönern. Die stark wachsende Nachfrage nach E-Bikes wirkt sich ebenfalls positiv aufs Stihl-Geschäft aus: Im Magnesium-Druckguss-Werk in Weinsheim fertigt das Unternehmen Gehäuseteile für E-Bike-Antriebe und beliefert damit Unternehmen in der Fahrradindustrie. „Der Trend beim E-Bike geht weiterhin steil nach oben, so dass wir für die nächsten Jahre mit einer Steigerung des Auftragsvolumens rechnen“, kündigte Kandziora an.

"Markenwelt" öffnet Anfang 2023

Voraussichtlich Anfang 2023 wird Stihl seine neue „Markenwelt“ fürs Publikum öffnen. Beim Stihl-Werk 1 an der Rems in Waiblingen entsteht zurzeit ein Gebäudeensemble, in welchem Stihl Wissen über das Ökosystem Wald vermitteln, Produkte vorstellen und die Unternehmensgeschichte präsentieren möchte. Zwar liegt die neue „Markenwelt“ idyllisch an der Rems – die enge Zufahrt nur über die Badstraße könnte allerdings erhebliche Probleme bereiten, wurde bei der Pressekonferenz kritisch angemerkt. Laut Vorstandsmitglied Martin Schwarz steht man in Verhandlungen mit der Stadt Waiblingen, in welchen es um eine Neugestaltung des gesamten Bereiches der Badstraße gehe.

Offen blieb in der Pressekonferenz, wer Bertram Kandzioras Nachfolge antreten wird. Der 65-Jährige verabschiedete sich jetzt bei der Pressekonferenz schon mal von den Pressevertretern: „Möge Ihre Work-Life-Balance sich so darstellen, wie Sie sich das wünschen.“

Noch flotter könnte Stihl wachsen, doch Lieferengpässe bei diversen Komponenten stehen dem entgegen. Die Produktion läuft selbst an Sonntagen, die Belegschaft fährt Sonderschichten, und dennoch muss eine lange Reihe von Kunden aktuell auf Lieferungen warten: Der Laden brummt. Nicht mehr sehr lange wird unterdessen Dr. Bertram Kandziora die Geschicke des Unternehmens leiten: Der Vorstandsvorsitzende verabschiedet sich zum 1. Februar 2022 kurz vor seinem 66. Geburtstag in den Ruhestand. Seit

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