Waiblingen

Street Art aus New York in Waiblingen

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Street Art aus New York im Eisental_0
Shiro vor dem noch unfertigen Werk mit Mainzelmännchen bei Büro Hess. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Shiro vor einem ihrer Werke in Brooklyn.

Waiblingen. New York ist das Epizentrum der weltweiten Street-Art-Szene – und genau von dort kommt die japanisch-amerikanische Künstlerin Shiro. Ausgerechnet im gediegenen Waiblinger Bürofachmarkt Hess hat sie jetzt eine Wand mit ihren coolen Motiven besprayt. Hintergrund des ungewöhnlichen Treffens ist eine persönliche Verbindung ins Remstal.

Shiro-Werke prangen an Wänden in Berlin, New York, Brasilien und Australien - und seit Montag im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental. Derzeit ist die gebürtige Japanerin auf Stuttgart-Tour. In der Galerie Strzelski am Rotebühlplatz sind bis 14. Juli ihre Bilder zu sehen. Zur Vernissage am Wochenende besprühte die 42-Jährige eine drei auf sechs Meter große Wand mit Stuttgart-Motiven wie Äffle und Pferdle, die nun versteigert werden soll.

Mit den Skillsisters trat eine der besten weiblichen Breakdance-Crews der Region auf, ein DJ sorgte für den passenden Hip-Hop-Sound. Für einen Tag machte die Sprayerin dann einen Abstecher, um in Waiblingen zu arbeiten.

Manager und Partner ist ein Ur-Waiblinger

Eingefädelt hat die Kunstaktion im Eisental ein alter Waiblinger, der nicht nur Shiros Manager, sondern auch ihr Partner ist: Uwe Seltmann. Vor gut zwei Jahren verkaufte er seine erfolgreiche Softwarefirma Icon und führt seitdem ein Leben, von dem viele träumen: mit zwei Wohnsitzen in Stuttgart und Manhattan und mit Reisen um die Welt. Als Investor widmet er sich Firmen, die ihm gefallen, etwa einem Intensivpflegedienst in Ansbach oder einem Unternehmen, das besonders effektive Solarzellen sowie einen Unterwasser-Kleber zur Reparatur von Korallen entwickelt. Mit Hess-Geschäftsführer Gerald Lust verbindet den 58-Jährigen eine mehr als 40-jährige Freundschaft.

Eigentlich wollte sie Spitzen-Judoka werden

Das Motiv an der Wand des Bürofachmarkts ist von seinen Wünschen inspiriert: Die Silhouette von Waiblingen ist verarbeitet und ein aus dem ZDF bekannter Zwerg. „Ich bin Mainzelmännchen-Fan“, verrät Gerald Lust. Aus einem Monitor guckt „Mimi“, ein in vielen Shiro-Werken auftauchender, wandelbarer weiblicher Charakter, der per Fernbedienung einen Hess-Lieferwagen steuert. Das Männchen am Rechner kehrt ebenfalls in zahlreichen Bildern wieder, einen festen Namen hat er nicht. „That’s Gerald“, sagt die Künstlerin augenzwinkernd.

Obwohl sie heute zu den angesagten „Street Art“-Künstlerinnen New Yorks gehört, war Shiros Weg zur Kunst mitnichten vorgezeichnet. Als Mädchen war sie Leistungssportlerin im Judo, Trägerin des schwarzen Gürtels und trainierte sogar mit dem Olympiakader. Ein schwerer Motorradunfall beendete jäh die sportlichen Karriereträume. Sie wurde Krankenschwester. Ein Beruf, der ihr heute noch am Herzen liegt und in dem sie immer wieder für einige Zeit arbeitet. Als sie jedoch den Film „Wild Style“ über die Hip-Hop-Szene sah, packte sie mit 22 Jahren das Fernweh. Ohne ein Wort Englisch zu können, zog sie nach New York und versuchte ihr Glück. Als Frau war es alles andere als einfach, sich in der männlich dominierten Szene zu behaupten. Gezielt holte sie immer wieder Kolleginnen, Rapperinnen und Breakdancerinnen an ihre Seite, um der Vorherrschaft der Männer Paroli zu bieten.

Der Bürofachmarkt ist nach Worten des Geschäftsführers Gerald Lust eigentlich ein „seriöses, zurückhaltendes“ Haus. Da wirke ein Knaller wie das Shiro-Bild am Eingang besonders gut, zumal sich darin auch ein Trend widerspiegele. Im Wettkampf um gutes Personal genüge es längst nicht mehr, nur einen Arbeitsplatz bereitzustellen. Büros böten besonders in den Bereichen für Besprechungen und Pausen Dinge, die sich früher dort niemand vorstellen konnte - vom Tischkicker bis zur Schaukel. Und Farbe ist gefragt: „Moderne Büros sind alles andere als grau.“


Shiro-Werke

Das Bild für den Hess-Bürofachmarkt ist im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental, Schänzle 9, zu sehen.

Die Ausstellung „Shiro & Jeroo Street Art – Tokio/New York meets Stuttgart“ ist bis 14. Juli in der Galerie Strzelski in Stuttgart zu sehen.