Waiblingen

Streit im Festzelt eskaliert

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Die allermeisten Festzelt-Besucher machten es wie diese hier: Sie feierten die Römer Kirbe 2015 friedlich und ausgelassen. © Habermann / ZVW

Kernen-Rommelshausen. Am Wochenende ist Kirbe in Rommelshausen. Für viele heißt das: Musik, Feiern, Alkohol. Doch mit den Promille im Blut steigen oft auch die Aggressionen. So wie vor einem Jahr, als ein Streit zu einer Massenschlägerei ausartete. Einer der Beteiligten musste sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten: Er soll einem Besucher das Jochbein gebrochen haben.

„Ich war als Ordner eingeteilt und stand am Zelteingang“, berichtet der Angeklagte Matthias H. (alle Namen geändert). Nach dem Ende der Veranstaltung habe ein Besucher, der schon mehrmals während des Abends aufgefallen war, wieder Zutritt zum Zelt gewollt. Dieser sei betrunken gewesen und ausfällig geworden, deshalb habe er ihn von sich gestoßen. „Danach erinnere ich mich nur, dass ich ihn in den Schwitzkasten genommen habe und wir auf dem Boden gelandet sind“, so H. Dann habe ihn jemand zur Seite gezogen. Der Rest des Handgemenges liege im Dunkeln.

Zur Schlägerei kann auch der als Zeuge geladene Polizeikommissar nichts sagen. „Als wir zum Zelt kamen, stolperte uns der Geschädigte entgegen“, berichtet er. „Er stand merklich unter Alkoholeinfluss und war phasenweise aggressiv.“ Er habe wechselnde Angaben zum Vorfall gemacht und sich trotz Schwellung im Gesicht nicht vom Rettungsdienst behandeln lassen wollen.

„Das war wie im Film – alle sind auf mich drauf“

Der Geschädigte, Tom S., schildert die Angelegenheit anders: Betrunken sei er nicht gewesen. Wie der Angeklagte auch, will er lediglich zwei Gläser Wein getrunken haben. Wegen seines Nebenjobs als DJ habe er die Nacht zuvor durchgemacht. „Deshalb wollte ich nicht ins Krankenhaus, ich wollte einfach nur schlafen“, so der Rommelshausener. Seine schweren Verletzungen seien ihm erst am folgenden Morgen bewusstgeworden. Die Ärzte im Krankenhaus stellten einen Jochbeinbruch fest, sein Oberkiefer musste mit einer Platte verstärkt werden.

An die Schlägerei selbst hat der junge Mann nur bruchstückhafte Erinnerungen. Er erinnere sich, dass der Angeklagte ihn zu Boden gebracht habe. „Dann ist es komplett eskaliert.“ Wer da genau getreten und geschlagen habe, das wisse er nicht. „Das war wie ein Film, um mich herum hat sich ein Kreis gebildet und alle sind auf mich drauf“, schildert er. Den Angeklagten habe er später online auf einem Foto als einen der Schläger erkannt und daraufhin angezeigt.

Detailliert schildert anschließend Stefan R., an dem Abend ebenfalls als Ordner tätig, was vorgefallen ist. Er spricht gleich von drei Rangeleien innerhalb von Minuten, an denen der Geschädigte beteiligt gewesen sei. Die dritte sei dann eskaliert. „Ich habe meinen Vereinskollegen Matthias nach dem ersten Streit von Tom S. weggezogen und festgehalten“, so Stefan R. „Kurz darauf hat der Geschädigte am Zelteingang eine abbekommen.“ Der Fausthieb ins Gesicht sei so laut gewesen, dass er Matthias H. losgelassen habe, um einzugreifen. Aber der habe sich sofort auf den auf dem Boden liegenden Tom S. gestürzt und zum Tritt ausgeholt. „Ob er dann getreten hat, konnte ich nicht beobachten. Da waren so viele Leute. Gezielt hat er aber auf den Körper, nicht auf den Kopf“, versichert der Zeuge.

1500 Euro muss der Angeklagte an den Weißen Ring zahlen

Ebenfalls als Zeugen geladen sind drei weitere Vereinsmitglieder sowie ein Freund des Geschädigten. Sie alle schildern die Vorfälle des Abends – und jeder ein wenig anders. Am Ende weiß keiner im Gerichtssaal genau, was sich an besagtem Abend im Herbst 2015 abgespielt hat. Klar ist: Ein Streit im Festzelt ist eskaliert, bei der folgenden Schlägerei wurde zumindest einer der Beteiligten schwer verletzt.

Auf Antrag des Verteidigers wird das Verfahren eingestellt – mit Auflage: 1500 Euro muss der Angeklagte an den Weißen Ring zahlen, einen Verein, der Opfern von Gewalttaten hilft. „Ich stimme der Einstellung nur zu, weil nicht eindeutig ermittelt werden kann, wer die Verletzungen verursacht hat. Aber sehr vieles spricht gegen Sie“, ermahnt Richterin Bayer den Angeklagten. „Sie haben zum Tritt ausgeholt und Sie lagen über dem Geschädigten. Ich denke nicht, dass Sie sich da freundschaftlich umarmt haben.“ Zudem sei bereits die Beteiligung an einer Schlägerei strafbar.

Verantwortung

Die Aussage des Polizisten wirft kein gutes Licht auf den Betreiber des Festzelts, einen ortsansässigen Verein. Die Ordner seien offensichtlich nicht richtig eingewiesen worden: Sie wussten weder, wie man in so einer Situation richtig deeskaliert, noch hatten sie Regeln, was den eigenen Alkoholkonsum angeht. „Da wurde schon ordentlich getrunken.“

Auch der Zeuge Stefan R. wirft der Vereinsführung Versäumnisse vor: Als er am Tag nach dem Vorfall mit einem Verantwortlichen darüber habe sprechen wollen, habe dieser die Sache mit den Worten abgetan: „Wir hatten früher viel schlimmere Schlägereien.“