Waiblingen

Streit im Internet-Café: Mit Zange bedroht

Justitia gerichtsverhandlung urteil symbol symbolbild
Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen.
Nach gefühlten 1001 Geschichten über ein und denselben Vorfall hätten sich die Anwesenden wohl eines sehnlichst herbeigewünscht: eine Kameraaufzeichnung. Weil die aber nicht existierte, musste anhand von Zeugenaussagen der Tathergang wieder und wieder durchgekaut werden. Nach viereinhalb Stunden Gerichtsverhandlung wusste wohl niemand mehr so genau, was eigentlich passiert war – außer den Beteiligten selbst.

Drei Männer mussten sich am Mittwoch wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. In einem Internet-Café sollen die drei im März des vergangenen Jahres einen vierten Mann in einem Streit verletzt haben. Dabei sollen eine Zange und ein Messer gezückt worden sein. Dem Ganzen vorausgegangen war offenbar ein Vorfall in einem Dönerladen, bei dem ein Freund des Geschädigten die Frau des Inhabers „ekelhaft“ angeschaut haben soll. Aber von vorne.

"Schau nicht die Frau an"

Auch wenn am Ende der viereinhalbstündigen Gerichtsverhandlung immer noch dichter Nebel über den Geschehnissen waberte, in etwa so muss es sich zugetragen haben: Zwei Männer betreten nach einem geschäftlichen Termin einen Dönerladen in Waiblingen. Sie wollen dort frühstücken. Einer von ihnen ist derjenige, der später vor Gericht als Geschädigter auftreten wird. Doch bereits kurz nachdem sie Platz genommen haben, kommt ein Mitarbeiter zu ihnen an den Tisch. „Schau nicht die Frau an, die in dem Laden steht“, so seine Worte – zumindest laut Zeugenaussage der beiden Männer. Es kommt zu einem Wortgefecht, in dessen Folge die beiden bezahlen und den Laden verlassen. Der Inhaber erteilt ihnen Hausverbot.

Ob sie nun geguckt haben, oder nicht, blieb in der Verhandlung unklar. Die Frau aus dem Dönerladen, ihres Zeichens Ehefrau des Besitzers, zumindest, hatte es so empfunden. „Die haben mich ganz ekelhaft angeschaut“, schilderte sie vor Gericht. Die Männer bestritten es: „Das ist nicht in unserem Glauben und unserer Kultur verankert, dass wir fremde Frauen so anschauen“, sagt einer vor Gericht aus.

Klar ist: Etwa zwei Wochen nach dem ersten Vorfall kommt es zu einer Begegnung in dem Internet-Café, das neben der Dönerbude liegt. Das Dönerbuden-Ehepaar möchte dort etwas erledigen – und trifft auf einen der beiden Männer. Es kommt zur Diskussion zwischen Ehemann und Eventuell-Gaffer. Und hier trennen sich nun die Geschichten und jede Version des Vorfalls geht ihren ganz eigenen Weg.

Beleidigung folgt auf Beleidigung

Zunächst schilderten die drei Angeklagten die Geschehnisse aus ihrer Sicht. Ihre Aussagen decken sich in den meisten Punkten. Der Ehemann macht den Anfang: Er habe mit dem jungen Mann reden, ihn vor falschen Freunden warnen und den Vorfall in der Dönerbude nochmals klären wollen. Dieser sei aber laut geworden, er selbst dann auch, und als der andere ihn beleidigt habe, habe er ihn zurückbeleidigt. Dann habe der junge Mann eine Zange gegriffen und ihn damit bedroht. Seine Frau habe vor Angst geschrien, woraufhin sein Bruder, ebenfalls im Dönerladen tätig, und kurz darauf ein weiterer Angestellter in das Internet-Café gekommen seien. In der folgenden Rangelei soll eine Kaffeemaschine zu Bruch gegangen sein. Geschlagen habe niemand, angefangen habe der Mann, der im Dönerladen Hausverbot hat, und am Ende hätten sie ihm die Zange abnehmen können, darin stimmten die drei Angeklagten überein.

Wer angefangen hat, bleibt unklar

Dass möglicherweise er selbst den anderen zuerst geschubst habe, gab auch der Geschädigte vor Gericht zu. In seinen Antworten auf Nachfragen der drei Verteidiger widersprach er sich dann aber mehrfach darin, welcher der Angeklagten ihn nun wie häufig und wann geschlagen habe. Auch von einem Messer, das er in seiner polizeilichen Vernehmung erwähnt hatte und das einer der Angeklagten in der Hand gehabt haben soll, wollte er nichts mehr wissen. Sein Freund, mit dem er das Dönerladen-Hausverbot teilt, war ebenfalls als Zeuge geladen und schilderte, größtenteils aus dem Hörensagen, einen Vorfall, in dem ein Drucker, keine Kaffeemaschine, zu Bruch ging und die Ehefrau besagte Zange aus dem Dönerladen holte und ihrem Mann gab.

Immerhin etwas erhellend war die Aussage des Internet-Café-Betreibers, der das Geschehen beobachtet hatte. Doch auch er hatte manches nicht richtig sehen können, anderes schien ihm nicht mehr im Detail im Gedächtnis.

Nach vier mehr oder weniger zähen Zeugenaussagen – auch ein Polizeibeamter sagte aus – wurde das Verfahren eines der Angeklagten auf Vorschlag der Staatsanwältin wegen Geringfügigkeit der Schuld eingestellt. Die anderen beiden Angeklagten sprach der Vorsitzende Richter Dustin Dautel frei. Eine Körperverletzung habe wohl keiner der beiden begangen, sondern eher in Notwehr gehandelt, sagte er zur Begründung.