Waiblingen

Streit um Umzug in Flüchtlingsunterkunft eskaliert

Feature Amtsgericht Gericht Waiblingen
Symbolbild. © Gabriel Habermann

Sozialarbeiter rufen Beamte: Streit um Umzug eines Syrers in eine andere Unterkunft eskaliert

Waiblingen (last).

Von einem Einzelzimmer in einen geteilten Raum mit einem „verrückten“ Iraker – das kam für einen jungen Flüchtling aus Syrien nicht infrage. Ein Streit um den Umzug eskalierte. Vor dem Amtsgericht Waiblingen muss er sich für Sachbeschädigung, Körperverletzung und den Angriff auf einen Polizisten verantworten.

Vor rund drei Jahren war der Angeklagte von Syrien nach Deutschland geflohen. In Waiblingen lebte er zunächst in einem der Wohncontainer am Inneren Weidach, welche die Stadt Waiblingen im Juni an den Kreis zurückgab (wir berichteten). Die Bewohner, unter ihnen der Angeklagte, wurden auf drei Unterkünfte verteilt. Genau dieser Umzug bereitete dem Angeklagten Probleme.

In einer anderen Flüchtlingsunterkunft sollte sich der 25-Jährige das Zimmer mit einem Iraker teilen. Dieser habe ihm gesagt, er wolle nicht mit ihm zusammenleben. Der Angeklagte habe das auch nicht gewollt. „Er ist verrückt“, sagt der Angeklagte, für den ein Dolmetscher von Arabisch auf Deutsch übersetzt. Richterin Christel Dotzauer entgegnet: „Flüchtlingsunterkünfte sind keine Fünf-Sterne-Hotels. Da können Sie sich die Mitbewohner nicht aussuchen.“

Bis zum vorgeschriebenen Auszugsdatum Anfang Mai machte der Angeklagte keine Anstalten, aus seinem Einzelzimmer in der Unterkunft auszuziehen. Drei Tage nach der Frist, war er noch immer da. Doch hinein kam er nicht mehr. Die Schlösser wurden bereits ausgetauscht. Das machte den jungen Syrer so wütend, berichtet er, dass er versuchte, mit einer Bierbank sein Fenster, das gekippt war, aufzuhebeln, um in sein Zimmer zu gelangen.

Durch das laute Geräusch wurden die Sozialarbeiter aufmerksam, berichten beide vor Gericht. Sie hätten versucht, ihn zu beruhigen. Doch der 25-Jährige dachte nicht ans Aufhören. Er brach sein Fenster auf und schmiss die Bank auf den Boden. Die Sozialarbeiter gaben bei der Polizei an, dass der Angeklagte die Bank in ihre Richtung geworfen habe. Versuchte Körperverletzung, lautet der Vorwurf. Das sei nicht seine Absicht gewesen, sagt der Angeklagte vor Gericht. Und auch Richterin Dotzauer sieht diese Absicht nicht als bewiesen. Dieser Punkt der Anklage wird eingestellt.

Nachdem die Bank auf dem Boden landete, riefen die Sozialarbeiter die Polizei. Als die Polizei eintraf, kam ihnen der Angeklagte entgegen. „Hände hoch, Hände an den Zaun!“, riefen die Beamten. Immer wieder hätten sie ihm gesagt, er solle die Hände hochnehmen. Ob der Angeklagte sie verstanden hatte, klärt sich während der Verhandlung nicht.

Ein Polizist habe ihn geschubst, sagt der Angeklagte. Daraufhin habe er ihn zurückgeschubst – schließlich sei er unschuldig. Der Polizist habe ihm dann ins Gesicht geschlagen. „Sie kommen hierher und halten sich nicht an die Regeln“, sagt Richterin Dotzauer. „Das ist ziemlich dumm.“ Ob er das auch in Syrien so machen würde? „Ja, wenn ich nichts gemacht habe“, antwortet der 25-Jährige. Nach dem Schlag ins Gesicht habe die Polizei sich auf ihn geworfen. Davongetragen hat er eine Verletzung am Bein und eine Platzwunde im Gesicht, wie Bilder zeigen.

Die Polizisten erzählen eine andere Version der Geschichte: Der Angeklagte sei zuerst auf einen Polizisten losgegangen. Er habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dieser habe daraufhin „drei Abwehrschläge ausgeführt“. Davongetragen hat der Beamte eine Verletzung am Kiefer und eine Prellung am Mittelfinger. Das Gericht glaubt den Polizisten.

Für die Sachbeschädigung am Fenster und den Angriff auf den Polizisten wird der Angeklagte mit sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 30 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, in der Unterkunft, in der er nun lebt – in einer Wohnung mit Männern aus Gambia.

Sozialarbeiter rufen Beamte: Streit um Umzug eines Syrers in eine andere Unterkunft eskaliert

Waiblingen (last).

Von einem Einzelzimmer in einen geteilten Raum mit einem „verrückten“ Iraker – das kam für einen jungen Flüchtling aus Syrien nicht infrage. Ein Streit um den Umzug eskalierte. Vor dem Amtsgericht Waiblingen muss er sich für Sachbeschädigung, Körperverletzung und den Angriff auf einen Polizisten verantworten.

Vor rund drei Jahren war der

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