Waiblingen

Streit ums Sorgerecht für den Sohn: Waiblinger schlägt Ex-Partnerin mit Faust ins Gesicht - und muss sich dafür vor Gericht verantworten

Faust
Mit der Faust soll der Angeklagte seiner Ex-Partnerin im Frühsommer 2020 mehrmals ins Gesicht geschlagen haben. Die Verletzungen sind durch Akten des Klinikums in Ludwigsburg belegt. © Pixabay CCO

„Nach jedem Streit hat sie gesagt: Schlag mich doch, schlag mich doch“: Orhan A. aus Waiblingen hat mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin Martina F. (beide Namen geändert) seit langem nur noch Auseinandersetzungen. Im September 2019 trennte sich das Paar, im November 2019 warf die heute 42-Jährige den heute 49-Jährigen aus der Wohnung.

Die Konflikte drehen sich seither fast immer um den gemeinsamen Sohn, der derzeit vier Jahre alt ist. Als Orhan A. an jenem 3. Juni 2020 plötzlich ankündigt, seiner Ex-Partnerin das von ihr gewünschte alleinige Sorgerecht zu erteilen, ist Martina F. zunächst skeptisch – sucht ihn aber dann doch abends bei seiner Wohnung auf. Dort eskaliert die Lage dann völlig – und endet in Gewalt.

Sechs Monate Kontaktverbot

Die Staatsanwaltschaft wirft Orhan A. vor, seiner Ex-Partnerin erst Finger in den Mund gesteckt und sie danach mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Außerdem hat er danach gegen einen Beschluss des Amtsgerichts Ludwigsburg vom 9. Juni 2020 verstoßen. Dieser untersagt mit Bezug auf das Gewaltschutzgesetz dem Waiblinger für insgesamt sechs Monate, mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin in irgendeiner Weise Kontakt aufzunehmen.

Wirksam ist der Beschluss bis zum 9. Dezember 2020. Heißt: Auch Nachrichten per Mail, Whatsapp, Facebook oder SMS sind nicht erlaubt. Doch Orhan A. verstieß bereits am 27. Juni 2020 dagegen und sendete eine SMS.

Laut Strafbefehl hätte er 2275 Euro Geldstrafe zahlen sollen

Am 6. Oktober 2020 wurde deshalb ein Strafbefehl gegen Orhan A. erlassen. Laut diesem hätte der 49-Jährige eine Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu je 35 Euro zahlen müssen – also in Höhe von insgesamt 2275 Euro. Strafbefehle werden in solchen Fällen erlassen, wenn die Tatvorwürfe vom Angeklagten weitestgehend eingeräumt wurden. Doch Orhan A. erhob wider Erwarten Einspruch, weshalb der Fall nun im Dezember 2020 vor dem Waiblinger Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Johannes Weigel verhandelt wurde.

Angeklagter besteht aber auf einer Gerichtsverhandlung

Der 49-Jährige erschien ohne Anwalt und schilderte, dass er bereits zweimal verheiratet gewesen sei. Martina F. ist zwar nicht seine dritte Ehefrau geworden, allerdings lebten beide rund acht Jahre zusammen. Die Konflikte in der Beziehung, erzählt Orhan A., hätten 2019 zugenommen, nachdem er für längere Zeit krank geworden sei. Martina F. habe ihn dabei oft auf übelste Art beleidigt. „Sie hat gesagt, dass ich ein Asylant wäre.“ Einmal habe sie gewollt, dass er im Keller schlafe – und später habe sie sogar gesagt, dass sie sich wünsche, dass er Deutschland verlässt. Auch habe sie gedroht, den Namen des gemeinsamen Sohnes zu ändern und das alleinige Sorgerecht zu beantragen.

„Einen Moment habe ich mich verloren“

Martina F. und Orhan A. haben sich bis dahin das Sorgerecht geteilt. Allerdings gab es immer wieder Streit darüber, wer sich wann um das Kind kümmert. Später dann, als im Mai 2020 die Lage weiter eskalierte, hat der 49-Jährige nach eigenen Angaben drei Wochen am Stück seinen Sohn nicht mehr sehen können. Als seine Frau am 3. Juni 2020 schließlich zu ihm fuhr, um ihn dazu zu bewegen, schriftlich dem alleinigen Sorgerecht für sie zuzustimmen, fühlte sich Orhan A. nach eigener Darstellung überrumpelt. Er habe dann gesagt, dass er das nicht unterschreibe – mit der Folge, dass er erneut beleidigt worden sei. „Einen Moment habe ich mich verloren“, sagt der 49-Jährige.

„Ich habe noch nie eine Frau geschlagen“

Es habe dann ein Gerangel gegeben, sie habe ihn gebissen und er sei dann unter Adrenalin gewesen. Dass Martina F. ein blaues Auge von ihm verpasst bekommen habe, sei ihm erst klar geworden, als er die Fotos bei der Verhandlung am Amtsgericht Ludwigsburg gesehen habe. „Ich habe noch nie eine Frau geschlagen.“

„Es gab keine SMS ohne Beleidigungen“

Martina F. sagte danach aus, dass Orhan A. ihr damals mitgeteilt habe, ihr das alleinige Sorgerecht zu gewähren. Nur deshalb sei sie überhaupt an jenem 3. Juni 2020 zu ihm gefahren. Als es zum Streit gekommen sei, habe er ihr plötzlich Finger in den Mund gesteckt. „Ich habe dann natürlich zugebissen.“ Daraufhin habe er sie an ihren Haaren gezogen und sie geschlagen. „Ich habe dann geschrien.“ Eine andere Person habe ihr daraufhin geholfen. Es sei das erste Mal gewesen, dass Orhan A. sie geschlagen habe – allerdings habe er sie zuvor oft beleidigt. „Es gab keine SMS ohne Beleidigungen.“ Die Verletzungen im Gesicht sind zudem durch die Akten des Klinikums Ludwigsburg belegt.

49-jähriger Angeklagter: „Ich wurde halt provoziert“

Nach Aussage der Ex-Partnerin fragte Richter Johannes Weigel den Angeklagten, ob er seinen Einspruch gegen den Strafbefehl nicht zurückziehen wolle. Schließlich sei die Geldstrafe in einem Strafbefehl in solch einem Fall niedriger, da dieser die Funktion eines Geständnisses des Angeklagten erfüllt. Orhan A. wollte darauf jedoch nicht eingehen. „Ich hatte nie die Ansicht, ihr wehzutun. Ich wurde halt provoziert“, sagte er nach dem Plädoyer des Staatsanwalts, als ihm das bei Gericht übliche letzte Wort erteilt wurde.

Wie urteilt der Richter?

Amtsrichter Johannes Weigel verurteilte den 49-jährigen Waiblinger schließlich zu 70 Tagessätzen zu je 40 Euro – also zu einer Geldstrafe von 2800 Euro. Wenn Orhan A. den Strafbefehl doch noch akzeptiert hätte, wären es 525 Euro weniger gewesen. Zudem muss er die Kosten des Gerichtsverfahrens zahlen.

„Nach jedem Streit hat sie gesagt: Schlag mich doch, schlag mich doch“: Orhan A. aus Waiblingen hat mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin Martina F. (beide Namen geändert) seit langem nur noch Auseinandersetzungen. Im September 2019 trennte sich das Paar, im November 2019 warf die heute 42-Jährige den heute 49-Jährigen aus der Wohnung.

Die Konflikte drehen sich seither fast immer um den gemeinsamen Sohn, der derzeit vier Jahre alt ist. Als Orhan A. an jenem 3. Juni 2020 plötzlich

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper