Waiblingen

Streit wegen Kneipe im Ameisenbühl

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Ein Schild weist drauf hin: Ruhe im Treppenhaus. © Pöschko-Kopp/ZVW
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Tagsüber aufgeräumt und sauber. Doch die Nachbarn fühlen sich nachts wegen der Kneipe überm Computerladen Prisma schwer gestört.

Waiblingen. Ein erbitterter Streit tobt seit Jahren wegen einer Gaststätte im Ameisenbühl. Die Eigentümergemeinschaft des Hauses in der Max-Eyth-Straße 25 fühlt sich massiv gestört vom Café Efsane im ersten Stock über dem Computerladen Prisma. Über Kippen auf dem Weg, Krach und Rauch im Treppenhaus klagen die Bewohner, weshalb sie nachts auch schon einige Male die Polizei alarmiert haben. Mit wenig Erfolg: „Die Polizei kommt und geht“, stellt Café-Inhaber Abdullahad Mersa fest. „Hier läuft keine Musik und es gibt keinen Lärm.“

Efsane heißt auf Türkisch Mythos oder Legende, und von außen ist das Café auch nicht zu erkennen. Café Balkon steht am Klingelschild gleich neben der Klingel der Musikschule Unteres Remstal, die hier ihre Popmusikausbildung ausgelagert hat. Nach dem Klingeldruck öffnet sich die Tür von selbst. Eine Treppe hoch steht der Gast vor zwei Türen: links die Tür zur Musikschule, rechts die Tür ins Café Efsane. „Raucherlokal: Zutritt unter 18 Jahren verboten“ steht auf einem Schild. Und darunter: „Bitte keinen Lärm im Treppenhaus!“

Lärm im Treppenhaus

Letzteres scheint definitiv nicht gut zu funktionieren. „Im Treppenhaus wird lautstark telefoniert und gesprochen“, ärgert sich Tamer Sen, der zusammen mit Frau und Kindern im Stockwerk drüber in einer Betriebswohnung wohnt. Die Metalltür im Treppenhaus werde zugeschlagen. Regelmäßig würden ihre Kinder wach und könnten nicht schlafen, ergänzt seine Frau, die die Situation unerträglich findet. Dass im – eigentlich rauchfreien – Treppenhaus immer wieder geraucht wird, beklagt auch Hausverwalterin Anneliese Fenger. Beschwerden über die unliebsame Kneipe beim Ordnungsamt und der Polizei liefen indes ins Leere. Mittlerweile hat die Eigentümergemeinschaft einen Anwalt eingeschaltet. Gemunkelt wird, dass sich hinter dem Café eine Zockerkneipe verbirgt.

Letzteres weist Kneipenbesitzer Abdullahad Mersa weit von sich. 2015 habe er die Gaststätte mitsamt der Konzession gekauft, doch das werde von der Eigentümergemeinschaft nicht akzeptiert. Anfangs habe er die Gaststätte vermietet, seit einem halben Jahr betreibe er sie selbst. Im Café laufe keine Musik, es gebe keinen Lärm. Das Treppenhaus sei hellhörig, räumt er ein. Ob die Familie eine Etage drüber seine Gäste beim Kommen und Gehen hört, könne er nicht sagen. Aber die Musikschule sei definitiv lauter.

Hinter der Tür zum Café Efsane tut sich dem Gast ein kleiner Vorraum auf, dann steht er vor einer langen Theke – gegenüber drei Automaten, ein Pokertisch in der Ecke. Außerdem gibt es viele Tische, an denen laut Mersa unter der Woche im Schnitt 15, am Wochenende 20 bis 25 Männer sitzen. „Man spielt Karten, Schach und Backgammon“, sagt Mersa, der in Stuttgart zwei weitere Gaststätten unterhält. Am Pokertisch, versichert er, werde nie um Geld gespielt. Ansonsten: „In jeder Gaststätte, in jeder Dönerbude, jedem Bistro stehen Automaten“, sagt er. „Hier ist keine Zockerhöhle, sondern eine öffentliche Gaststätte.“

Laufkundschaft verirrt sich allerdings selten in den ersten Stock, die meisten sind Stammgäste. Neben dem Hauseingang hatte er mal ein Gaststättenschild – „Ich musste es abmontieren“. Inzwischen fühlt sich Mersa seinerseits von den Nachbarn verfolgt – weichen will er nicht: Egal, was behauptet werde: Er dürfe die Gaststätte betreiben, auch wenn alles getan werde, ihn zu vertreiben. „Dies ist ein Gewerbegebiet“, erinnert er. „Hier wohnt niemand, nur diese Familie. Aber die macht so einen Wirbel.“

Stadtverwaltung: Ein Streit unter den Nachbarn

Dass seit längerer Zeit Beschwerden wegen Ruhestörungen in der Max-Eyth-Straße eingehen, bestätigt Polizeisprecher Ronald Krötz. Auch, dass seine Kollegen „teilweise die Ruhe wieder hergestellt“ hätten. Ansonsten gebe es aber keine Erkenntnisse, die das Einschreiten der Polizei erfordern würden. Auch fürs städtische Ordnungsamt gibt es keinen Anlass, tätig zu werden. „Wir haben die Gaststätte überprüft und keine Anhaltspunkte, dass es sich um eine Spielhalle handelt“, sagt Werner Nussbaum, Chef der Abteilung Bürgerdienste bei der Stadt. Der Betrieb der Gaststätte sei genehmigt, die Konzession liege vor. Für die Stadt gebe es deshalb keinen Grund, einzugreifen: „Das ist eine privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen Nachbarn.“

Das betont auch Oberbürgermeister Andreas Hesky. Die Familie wohne in einer Betriebswohnung in einem Gewerbegebiet und habe deshalb ein anderes Umfeld als in einem Wohngebiet, erinnert er. „Das bedeutet nicht, dass ich den Lärm im Treppenhaus gutheiße.“ Die Situation sei total verfahren, doch wenn nachbarschaftliche Verhältnisse schieflaufen, könne dies nicht die Stadt richten.

Gewerbegebiet

Das Gebäude an der Max-Eyth-Straße liegt in einem Gewerbegebiet.

Hier sind unter anderem Gewerbebetriebe aller Art, Tankstellen, Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude erlaubt. Dazu zählen auch Wirtschaften.

Nicht zulässig sind laut Bebauungsplan zentrenrelevanter Einzelhandel sowie Anlagen für kirchliche, kulturelle und gesundheitliche Zwecke sowie Vergnügungsstätten.

Dies beinhaltet auch Vergnügungsstätten in Form von Wettbüros, Automatenspielhallen, Videospielhallen, Computerspielhallen, Spielkasinos, Spielbanken, Diskotheken, Nachtlokalen, Nacht- und Tanzbars, Striptease-Lokalen, Swinger-Clubs, Peep-Shows und Sex-Kinos.