Waiblingen

Streuobstwiesen-Börse in Waiblingen: Hilft sie potenziellen Pächtern, ein neues Stückle zu finden?

Streuobstwiesen
Roland Zink (links) von der städtischen Grün- und Baumpflege und Klaus Läpple (Abteilungsleiter Umwelt) auf einer Streuobstwiese am Waiblinger Talauensee. Die Bäume sind im Eigentum der Stadt, das Obst darf aber jeder Bürger in haushaltsüblichen Mengen auflesen. © Benjamin Büttner

„Palmischbirnen, ideal zum Schnapsen, kostenlos abzugeben in Waiblingen-Beinstein“: Das ist einer von derzeit drei Einträgen in der Waiblinger Streuobstwiesen-Börse. Ein weiterer Nutzer will eine Streuobstwiese in der Nähe von Bittenfeld pachten, der Dritte sucht Äpfel, Birnen, Quitten und gegebenenfalls Nüsse zum Pflücken, idealerweise in der Nähe von Hegnach. Solche Anzeigen in der kostenlosen Plattform sind ganz im Sinne von Klaus Läpple, dem Abteilungsleiter Umwelt bei der Stadt Waiblingen.

65 Inserate allein im Jahr 2020

Neben dem Landkreis und der kleinen Gemeinde Berglen unterhält Waiblingen eine Börse, in der in diesem Jahr nach Läpples Angaben bislang 65 Inserate aufgegeben wurden. „Insgesamt sind die Zahlen hochgegangen – über 200 Prozent.“ Das klingt auf den ersten Blick gut. Wie erfolgreich die Streuobstwiesenbörse bei der Vermittlung ist, das wissen Klaus Läpple und Roland Zink von der städtischen Grün- und Baumpflege aber gar nicht.

Manche Bürger rufen auch direkt bei der Stadt an

Denn wenn eine Anzeige aus dem elektronischen System herausgenommen wird, dann bedeutet das nicht, dass jemand wirklich eine Streuobstwiese zum Pachten erhalten hat. Oder dass die Person jemanden gefunden hat, der die Äpfel auf ihrem Stückle aufliest. Es kann genauso gut sein, dass der Betreffende aufgegeben hat. Und dann gibt es noch jene Bürger, die direkt bei der Stadt anrufen – zum Beispiel bei Roland Zink.

Das ist eigentlich nur noch in Ausnahmefällen erlaubt, schließlich gibt es ja die Streuobstwiesen-Börse. Und doch passiert es – allerdings hält sich der Aufwand laut Läpple in Grenzen. An acht Anrufe kann er sich in diesem Jahr erinnern. „Bei mir waren es bislang nur fünf“, sagt Roland Zink.

Weiße Bänder sollten zeigen, dass die Äpfel jeder essen darf

Gescheitert ist nach Klaus Läpples Auskunft in Waiblingen dagegen die Idee der weißen Bänder. Die werden an städtischen oder privaten Bäumen angebracht, bei denen es erwünscht ist, dass Spaziergänger die Früchte ernten. Auf Antrag der SPD-Fraktion versuchte die Stadt 2019, dem Beispiel von Nachbarkommunen zu folgen und die weißen Bänder einzuführen. Klingt in der Theorie gut – doch in Waiblingen, erzählt Läpple, hätten das die Leute bei den Obstbäumen auf städtischen Flächen kaum genutzt. Und Privateigentümer hätten an ihren Bäumen erst gar keine weißen Bänder angebracht.

Alles bio - aber nicht offiziell zertifiziert

Die Äpfel, die an den Bäumen auf städtischen Grundstücken hängen, sind nach Angaben von Roland Zink und Klaus Läpple alle bio. Sie sind zwar nicht offiziell zertifiziert, aber da der Einsatz von künstlichen Pflanzenschutzmitteln auch privaten Pächtern untersagt ist, könnte jeder Spaziergänger ohne Bedenken zugreifen. Zwischen 50 und 100 Obstbäume pflanzt die Stadt Waiblingen jedes Jahr neu auf ihren eigenen Flächen. Und wer als Privatperson selbst einen Obstbaum pflanzt, erhält laut Klaus Läpple einen kleinen Förderbetrag pro Baum.


Waiblinger Apfelsaft - ein Erfolgsmodell

Wer Äpfel in seinem Garten hat, kann diese nach derzeitigem Stand noch bis 27. Oktober immer dienstags von 14 bis 18 Uhr bei der Firma Bittenfelder Fruchtsäfte Petershans in der Schillerstraße 166 in Bittenfeld abgeben. Diese produziert den Waiblinger Apfelsaft, den es seit rund 25 Jahren gibt.

Für Äpfel für den Waiblinger Apfelsaft erhalten die Stücklesbesitzer nach Angaben der Stadt in der Regel einen Aufpreis, der bei etwa 2,50 Euro bis 3,50 Euro für 100 Kilo liegt. Dafür muss derjenige, der abliefert, jedoch einen Anbauvertrag unterzeichnen. „Der Waiblinger Apfelsaft war ein Modell für viele andere“, sagt Klaus Läpple nicht ohne Stolz.

Totholz - ein wertvoller Lebensraum für Insekten

Zum Waiblinger Konzept gehört, dass längst nicht alle Streuobstbäume auf städtischen Flächen gepflegt aussehen müssen. Manche sind gar schon abgestorben. Doch genau solch ein Totholz, sagt Roland Zink, sei wertvoll, da es von Insekten und Vögeln bewohnt werde. Was die Zukunft der Streuobstwiesen angeht, würden sich Klaus Läpple und Roland Zink freuen, wenn mehr Menschen die Äpfel auflesen, statt sie am Boden verfaulen zu lassen. Mangel herrscht 2020 jedenfalls nicht. „Dieses Jahr gibt es ja viel Obst“, sagt Klaus Läpple.

Fragen zum Apfelsaft beantwortet die Firma Bittenfelder Fruchtsäfte

Wer Äpfel oder sonstiges heimisches Obst haben will, für den ist eigentlich jetzt der richtige Zeitpunkt, um einmal die Streuobstwiesenbörse der Stadt auszuprobieren. Eine Anzeige kann unter www.waiblinger.streuobstwiesen-boerse.de im Internet aufgegeben werden. Und Fragen zum Waiblinger Apfelsaft beantworten die städtische Abteilung Umwelt unter 0 71 51/50 01 32 60 sowie die Firma Bittenfelder Fruchtsäfte Petershans GmbH unter 0 71 46/8 75 10.

Auf der Suche nach einem Stückle in Bittenfeld

Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht. Eduard Firus aus Bittenfeld wartet derzeit immer noch darauf, dass sich nach seinem Eintrag in der Streuobstwiesen-Börse jemand bei ihm meldet. Er hat am 3. September geschrieben, dass er eine Streuobstwiese in Bittenfeld pachten will. Klaus Läpple von der Stadt habe ihm dazu geraten, nachdem er erzählte, dass er auf anderen Wegen in Bittenfeld bisher kein Angebot erhalten habe. Dabei, erzählt Eduard Firus, habe er als Hundebesitzer bei Spaziergängen viele Leute direkt angesprochen – allerdings ohne Ergebnis.

Zu weit weg vom Wohnort

Eduard Firus hat neben der Waiblinger Streuobstwiesen-Börse auch noch in der Börse des Landkreises Ludwigsburg ein Inserat aufgegeben, da er auch im benachbarten Remseck ein Stückle sucht. Die Rückmeldungen seien allerdings übersichtlich gewesen. „Bis dato habe ich nur eine Info bekommen – ein Angebot für ein Stückle in Stetten.“ Das sei ihm allerdings von seinem Wohnort Bittenfeld aus zu weit weg. Eduard Firus hofft, dass sich über die Börse vielleicht doch noch jemand bei ihm meldet. „Die Einrichtung finde ich gut.“

Bei seinen vielen Gesprächen in Bittenfeld hat er schon gehört, dass mancher gar nicht weiß, wo genau er eine Streuobstwiese besitzt – weil sich darum immer der Opa gekümmert hat. So gesehen gibt es vielleicht doch Potenzial für neue Pächter, das bislang brachliegt.

„Palmischbirnen, ideal zum Schnapsen, kostenlos abzugeben in Waiblingen-Beinstein“: Das ist einer von derzeit drei Einträgen in der Waiblinger Streuobstwiesen-Börse. Ein weiterer Nutzer will eine Streuobstwiese in der Nähe von Bittenfeld pachten, der Dritte sucht Äpfel, Birnen, Quitten und gegebenenfalls Nüsse zum Pflücken, idealerweise in der Nähe von Hegnach. Solche Anzeigen in der kostenlosen Plattform sind ganz im Sinne von Klaus Läpple, dem Abteilungsleiter Umwelt bei der Stadt

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