Waiblingen

Studenten gewinnen Designaward

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Bereits 2015 gewannen die drei Studierenden Li Shao, Michelle Gerullis und Julia Regnath (v. l. n. r.) von der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd den „iF Award“, einen Designpreis für Studentenprojekte. © Hochschule für Gestaltung Schwäb
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So sieht der Sauerstoffkonzentrator „Neo“ aus. Er soll Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen helfen. © Hochschule für Gestaltung Schwäb

Waiblingen/Winterbach. Kann ein Medizinprodukt sexy sein? Es kann. Oder zumindest schön – das haben die Waiblingerin Michelle Gerullis und Julia Regnath aus Winterbach gezeigt. Die Produktgestalterinnen haben mit ihrem Sauerstoffkonzentrator „Neo“ jüngst den begehrten Designpreis „A Design Award“ eingeheimst.

Wer auf medizinische Hilfsmittel angewiesen ist, kann sich selten den Luxus erlauben, viel Wert auf ein gutes Design zu legen. Dass Medizinprodukte aber nicht nur hilfreich, sondern auch schick und praktikabel zugleich sein können, sollten die Studenten der Hochschule für Gestaltung in dem Kurs „Gestaltung von medizinischen Geräten“ zeigen. Drei von ihnen lösten ihre Aufgabe offenbar besonders gut: Bereits vor zwei Jahren gewannen Li Shao, Michelle Gerullis und Julia Regnath mit dem von ihnen entworfenen Sauerstoffkonzentrator „Neo“ den studentischen Designpreis „iF Award“. Nun sind sie in der Kategorie „Scientific Instruments, Medical Devices and Research Equipment Design“ mit dem „A Design Award“ (siehe Infobox) in Bronze ausgezeichnet worden.

Mit Patienten in Kontakt treten

Dass ihr Produkt einmal so hohe Wellen schlagen würde, hätten die drei Studenten wohl nicht gedacht, als sie sich vor gut zweieinhalb Jahren an die Planung machten. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir mit Patienten in Kontakt treten wollten und nicht nur auf dem Papier etwas entwickeln“, berichtet Julia Regnath. Sie hätten sich also auf die Suche nach Selbsthilfegruppen in der Umgebung ihrer Hochschule gemacht und seien so auf eine COPD-Gruppe (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, Anmerkung der Redaktion) in Aalen aufmerksam geworden.

Sauerstoffkonzentrator "Neo" 

Aus Gesprächen mit den Betroffenen definierten die Studenten Anforderungen, die ihr Produkt erfüllen müsste, und entwarfen es. Schließlich wurde mittels 3-D-Drucker ein Modell hergestellt. Herausgekommen ist „Neo“, ein sogenannter Sauerstoffkonzentrator. So etwas benutzen Menschen, die an chronischen Lungenerkrankungen leiden und die eine zusätzliche Sauerstoffversorgung benötigen, um atmen zu können.

Konzentrator nicht neu, aber benutzerfreundlicher 

„Natürlich haben wir den Konzentrator nicht komplett neu entwickelt. Aber wir haben das Aussehen angepasst und ihn, basierend auf bereits bestehenden Produkten, benutzerfreundlicher gemacht“, erläutert Regnath. So wurde „Neo“ beispielsweise mit einer Fernbedienung und ansteckbaren Akkus ausgestattet. Den Entwicklern sei es wichtig gewesen, die Stigmatisierung der Patienten möglichst gering und deren Mobilität hoch zu halten, so Regnath weiter. In Produktion gehen soll der Sauerstoffkonzentrator übrigens trotz der Auszeichnungen nicht. Inzwischen gibt es Produkte großer Hersteller mit ähnlicher Funktionalität auf dem Markt.

Auch in Zukunft mit Design beschäftigen

Mit dem Design medizinischer Produkte beschäftigen wollen sich zumindest die weiblichen Mitglieder des Entwicklerteams auch in Zukunft – Li Shao ist inzwischen in seine Heimat China zurückgekehrt und arbeitet dort als Produktentwickler für Kärcher. Michelle Gerullis studiert derzeit im Masterprogramm „Medical Design“ in Kiel. „Ich habe bemerkt, dass mich medizinische Zusammenhänge interessieren. Zudem ist es eine starke Motivation für mich, Menschen Lebensqualität für ihren Alltag zurückbringen zu können“, sagt die ehemalige Staufer-Gymnasiastin.

Auch Julia Regnath möchte sich künftig der Entwicklung von Medizinprodukten widmen, allerdings mit mehr strategischer Ausrichtung. Dazu nimmt sie gerade an einer akademischen Zusatzausbildung mit dem Titel „Design Thinking“ in Berlin teil. Dort lerne sie, in interdisziplinären Teams an Fragestellungen des Alltags zu arbeiten, erklärt sie. In der Medizinbranche sehen beide viel Potenzial. „Dort hat man erst vor kurzem gemerkt, dass nutzerfreundliches Design wichtig ist“, sagt Regnath. Das biete Möglichkeiten für junge Gestalter.

Der A Design Award

Der „A Design Award“ ist der weltgrößte Design-Wettbewerb. Er wird jährlich in 110 Kategorien ausgetragen.

In diesem Jahr wurden mehr als 35 000 Design-Projekte aus 180 Ländern eingereicht.

Eine 173-köpfige internationale Jury kürt die Preisträger.

Der Fokus liegt dabei nicht nur auf dem Aussehen, sondern insbesondere auf Innovation, Funktionalität und Technologie.