Waiblingen

Supermarkt Hezel: Insolvenzverfahren läuft

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Briefe an der Scheibe von Lebensmittel Hezel. © Sarah Utz
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Briefe an der Scheibe von Lebensmittel Hezel. © Sarah Utz
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Briefe an der Scheibe von Lebensmittel Hezel. © Sarah Utz
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Gitter vor dem Eingang – der Laden hat geschlossen. © Ramona Adolf

Waiblingen-Beinstein. Das Rollgitter ist heruntergelassen, ein Blick in den dunklen Laden zeigt leere Regale. Seit November ist der Lebensmittelmarkt Hezel geschlossen. Das Aus kam, nachdem die Bank einen für den Fortbestand nötigen Kredit verwehrt hatte, weil das Risiko zu hoch und der Laden zu klein sei. Ob an dieser Stelle wieder ein Lebensmittelmarkt nach Beinstein kommt, steht in den Sternen. Auch die persönliche Zukunft von Eberhard Hezel sieht düster aus: Das Insolvenzverfahren läuft.

„Wir trauern um Hezel“, „Danke“ und „Gibt uns unser Hezel zurück“, steht auf handgeschriebenen und rührend bemalten Zetteln, die an die Ladentüre geklebt sind. Sie zeigen: Für Beinstein ist das Aus des Lebensmittlers in der Ortsmitte ein herber Verlust. Mit dem Bäcker, dem Metzger, der Post, der Apotheke und der Ortsbücherei hatte Hezel ein kleines feines Zentrum gebildet. Ob es in den knapp 400 Quadratmeter großen Ladenräumen je wieder einen Lebensmittelmarkt geben wird, ist ungewiss. Der Insolvenzverwalter hat einen Immobilienmakler mit der Suche nach einem Investor für den Laden nebst Anbau und Wohnung beauftragt. Auch die Stadt ist auf der Suche, das Verfahren läuft.

Braucht Beinstein einen Lebensmittelmarkt am Ortsrand?

Ob sich ein neuer Ladenbetreiber leichter tun wird? Thomas Hezel, der den Laden im Januar von seinem Vater Eberhard übernehmen wollte, bezweifelt das. „Die Lebensmittelbranche ist ein Risiko, die Banken sagen, unsere Fläche ist zu klein.“ Er könne das schon nachvollziehen, räumt Thomas Hezel ein. Andererseits brauche eine Ortschaft wie Beinstein keinen 1 000 Quadratmeter großen Supermarkt. Und der Wettbewerb sei groß.

"Viele wollten, dass wir in Beinstein bleiben"

Den hat sein Vater Eberhard Hezel schon in den 90er Jahren schmerzhaft zu spüren bekommen. Ende der 80 Jahre hatte Hezel für viel Geld sein damals 200 Quadratmeter großes Geschäft in Beinstein erweitert. Dann aber war der Umsatz schmerzlich eingebrochen, nachdem Edeka und der Drogeriemarkt DM im nahen Gewerbegebiet Kalkofen eröffneten und zusätzlich zu Mack viele Beinsteiner nach Endersbach zogen. Ein Auf und Ab sei es bis 2009 gewesen. Dann hätten sich die Umsatzzahlen erfreulicher entwickelt. Warum? „Das Bewusstsein der Kunden hatte sich verändert“, glaubt Thomas Hezel. „Viele wollten uns unterstützen. Sie wollten, dass wir in Beinstein bleiben.“

Gereicht hat das nicht. 2016 kam das Aus mit Zulieferer Rewe, ein Herzinfarkt des Inhabers und die Riesenbaustelle vor der Haustür schnürten die Luft ab. Obwohl ihnen die Stammkunden auch in schwierigen Zeiten die Treue gehalten hätten. „Für die Kunden war es frustrierend, wenn ich die gewünschten Waren nicht mehr im Regal hatte“, sagt Eberhard Hezel. Trotzdem hätten manche Stammkunden zuerst bei ihm reingeschaut und woanders nur das gekauft, was bei Hezel nicht mehr zu bekommen war.

Bis zuletzt auf eine Lösung gehofft

Sein ganzes Leben habe er 60, 70 Stunden in der Woche für den Laden gearbeitet und darauf gesetzt, dass er ihn eines Tages seinem Sohn übergeben könne. Doch der Generationswechsel scheiterte letztlich an der Bank, die einen mittleren fünfstelligen Betrag für Steuerzahlungen und Wareneinkauf verweigerte. „In Beinstein war man stolz auf die Infrastruktur“, sagt der 61-Jährige. Er selbst habe seinen Laden auch für Beinstein geführt, betont er: „Ich bin ein Beinsteiner. Ich wollte mitwirken und mithelfen im Bereich des Möglichen.“ Bis zuletzt hatte Eberhard Hezel auf eine Lösung gehofft. Und ein kleines Fünkchen Hoffnung, das es irgendwie weitergeht, hat er noch immer, bekennt er mit einem kleinen Lächeln.

Derzeit wird das Geschäft abgewickelt, Sohn Thomas, der vorher in Stuttgart einen kleinen Lebensmittelmarkt geführt hatte, ist arbeitssuchend. „Wir hatten Pläne, um den Laden zu verbessern und die Kundschaft mehr an Beinstein zu binden“, erzählt Eberhard Hezel wehmütig beim Gang vorbei an den abgeräumten Regalen, den leeren Kühltruhen und den stillgelegten Ladenkassen.

Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Die Suche läuft

Die Sanierung des Beinsteiner Ortskerns liegt im ersten Bauabschnitt in den letzten Zügen. Sie soll nicht zuletzt das Parken attraktiver machen und damit den Einzelhandel unterstützen.

Auch der Beinsteiner Ortsvorsteher Thilo Schramm und der Waiblinger Wirtschaftsförderer Marc Funk suchen eine Lösung für den Beinsteiner Ortskern. Ein neuer Betreiber ist allerdings noch nicht gefunden.

Einen Plan B hat die Stadt zwar in der Tasche, aber der ist aus ihrer Sicht höchstens die zweitbeste Lösung. Theoretisch stünde im Gewerbegebiet ein Grundstück für einen Neubau eines großen Lebensmittelmarktes zur Verfügung.