Waiblingen

Sybille Mack ist die SPD-Kandidatin

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Frau mit rotem Hintergrund: Sybille Mack, SPD. © Ralph Steinemann

Waiblingen. Sybille Mack, Jahrgang 1964, Leiterin der Volkshochschule Winnenden, wird wohl für die SPD im Wahlkreis Waiblingen bei der Bundestagswahl 2017 kandidieren. Die Personalie ist ebenso überraschend wie einleuchtend.

Noch ist Sybille Mack nur die Wunschkandidatin des Kreisvorstands, noch steht das Basis-Votum bei der Nominierungsversammlung am 10. Februar aus. Theoretisch. Praktisch erfüllt die Frau das Anforderungsprofil für diesen nicht unbedingt dankbaren Job in zweifacher Hinsicht so gut, dass der Rest Formsache sein dürfte.

Sozialdemokratische Grundwerte ins Bewusstsein heben

Pluspunkt eins: Idealismus. Sybille Macks Chancen, den Kampf ums Direktmandat gegen CDU-Platzhirsch Joachim Pfeiffer zu gewinnen, sind so gering wie die Aussichten, im März beim Landesparteitag der SPD einen vorderen Listenplatz zu ergattern. Man muss kein Nostradamus sein, um zu prophezeien: In den Bundestag wird sie eher nicht einziehen. Manche haben deshalb die Aufgabe, im Wahlkreis Waiblingen für die Sozis in die Bütt zu steigen, als „Himmelfahrtskommando“ oder „Opfergang“ bezeichnet. Mack nimmt solche martialischen Vokabeln seelenruhig lächelnd zur Kenntnis und sagt: Das Jahr 2016 – Wahltriumphe der AfD, der Durchmarsch des unverhohlen rassistisch argumentierenden Donald Trump, die erfolgreich auf Nationalismus setzende Brexit-Kampagne – habe gelehrt, „dass man Haltung zeigen und sozialdemokratische Grundwerte ins Bewusstsein heben muss“: Chancengleichheit, Weltoffenheit, Verteilungsgerechtigkeit. „Das ist mir Motivation genug.“

Eine Biografie, die von Mut zu Umbrüchen zeugt

Pluspunkt zwei: Lebenserfahrung. Die politische Klasse sei abgehoben, bestehe aus lauter Parteisoldaten, Karrieristen, Intriganten, stromlinienförmigen Klüngelvirtuosen, die vom wahren Leben nichts wüssten, weil sei seit ihrer Jugend bloß in Hinterzimmern um Posten schacherten – viele sagen das. Auch wenn der Vorwurf in dieser Pauschalität grob ungerecht ist: Sybille Mack hat tatsächlich eine echte Biografie, die von Mut zu Umbrüchen und Bereitschaft zu Neuanfängen zeugt.

Von "Kaschmirjacken" zum Kreisjugendring

Nach dem Abi absolvierte die Fellbacherin zunächst eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau – auf ihrer Urkunde stand damals, in weniger emanzipierten Zeiten, noch, sie sei jetzt „Kaufmann“. Bereits mit 26 Jahren leitete sie die Filiale eines Modehauses. Von 1992 bis 1997 aber pausierte sie im Job, kümmerte sich um die beiden kleinen Töchter und machte nebenbei die Buchhaltung für ihren Mann, einen selbstständigen Steinmetz. Danach stieg sie fulminant wieder ein, als Chefin einer Filiale des Modehauses Mey & Edlich – und nahm 2001, mit 37 Jahren, ein Studium der Betriebswirtschaftslehre auf, Schwerpunkt Dienstleistungsmanagement Nonprofit.

Es folgten Jahre als Projektleiterin beim Kreisjugendring: Mack half, sozial benachteiligten Schülern den Übergang in Ausbildung und Beruf zu ebnen. Es war eine „sehr prägende Erfahrung, ich habe da eine Erdung gespürt, die ich nicht missen möchte“: Früher hatte sie „mit Kaschmirjacken und Seidenblüschen“ zu tun gehabt, nun stand sie für Menschen ein, die ganz andere Sorgen haben als die Wahl der Abendrobe.

Seit 2010 ist sie Leiterin der Winnender VHS

2010 wechselte sie zur Winnender VHS. Eine der wichtigsten Aufgaben in jüngerer Zeit: Kurse für Flüchtlinge zu organisieren und so mitzuhelfen, dass Integration und Spracherwerb gelingen.

In die SPD trat Sybille Mack erst 2009 ein, seit 2011 sitzt sie im Fellbacher Gemeinderat, sonst hat sie kein Partei-Amt. Aber ihre ganze Lebensgeschichte spiegelt sozialdemokratische Ideen: Ob es um gleiche Chancen für Frauen im Beruf geht oder um die Mühen, die es kostet, Job und Familie unter einen Hut zu bringen – Mack weiß aus privater Erfahrung, wovon sie redet. Ob sie dafür wirbt, dass Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten gleichen Zugang zu Bildung verdient haben, oder dafür plädiert, dass eine solidarische Gesellschaft Schwächere, Ärmere, Heimatlose, Entwurzelte nicht vergessen darf – Mack weiß aus beruflicher Erfahrung, wovon sie redet.

Gabriel "macht's uns sicherlich nicht immer ganz einfach"

So. Bevor das hier zu schnuckelig wird beim Pressegespräch im Fellbacher Café Entree, quälen wir sie mal ein bisschen: Frau Mack, nun werden Sie also monatelang dem Wahlvolk erklären müssen, dass Sigmar Gabriel ein guter Kanzlerkandidat sei – tut das weh? Sie lächelt so herzlich, als gebe es nichts Erfrischenderes, als von einem Journalisten einen Tritt gegen das Knie zu bekommen: „Ich finde, er macht’s uns sicherlich nicht immer ganz einfach.“ Aber Gabriel habe auch „viele Pfosten eingehauen“. Zum Beispiel machte er der CDU Steinmeier als Bundespräsident schmackhaft. Also: „Ich könnte durchaus mit einem Kanzlerkandidaten Gabriel gut leben.“

Eine gestandene Frau

Die SPD hat lange gebraucht, um eine Kandidatin für den Wahlkreis Waiblingen zu finden, andere Parteien waren Monate früher dran mit ihren Nominierungen. Zwischenzeitlich höhnten manche schon: Die Sozis sind solche Tränen, dass sie am Ende gar niemanden an den Start bringen.

Gemessen an dieser rumpeligen Vorgeschichte ist die Personalie Sybille Mack ein Coup: keine Politstreberin, ein sozial engagierter Mensch; keine Spitzenfunktionärin, eine gestandene Frau.

Hestler im Glück

Er hat’s nun doch noch geschafft, nicht nur eine Kandidatin zu finden, sondern auch noch eine, die, wenngleich sie kaum Chancen hat, in den Bundestag einzuziehen, doch kraft Persönlichkeit deutlich mehr darstellt als eine bloße Zählkandidatin; obendrein ist es ihm gelungen, die Suche fast lautlos abzuwickeln, nichts sickerte vor der Zeit nach außen: Für den Kreisvorsitzenden Jürgen Hestler ist die Personalie Mack sowas wie ein Happy End.