Waiblingen

Täter hält Dorfladen-Verkäuferin Messer an die Kehle

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Der Dorfladen in Schnait wurde am 24.Juni überfallen. © Ramona Adolf
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Nach dem Überfall war der Dorfladen erstmal zu. Eingekauft wurde trotzdem.

Weinstadt. Am Montagvormittag hat ein bewaffneter Mann den Dorfladen in Schnait überfallen. Eine Mitarbeiterin wurde dabei mit einem Messer bedroht. Wir haben mit ihr gesprochen.

Eine ältere Dame sitzt am Montagmittag vor dem Dorfladen in Schnait in der Sonne. Sie wirkt gefasst. Was erstaunlich ist. Nur wenige Stunden zuvor hat ihr im Laden ein junger Mann ein Messer an die Kehle gehalten. „Das ist heftig gewesen, sowas wünsche ich keinem.“ Sie zeigt auf die Kirche gegenüber. „Und sowas passiert im Beisein vom lieben Gott.“

Das ist am Montagvormittag passiert

Am Vormittag hatte die Dame, die ehrenamtlich in dem Laden arbeitet, zusammen mit einer Kollegin Dienst, als der Täter zur Tür hereinkam. „Erst hat er so getan, als hätte er schrecklichen Durst, dann zog er aber relativ schnell ein Küchenmesser.“ Sie hält ihre beiden Hände auseinander, die Zeigefinger ausgestreckt. Zwanzig, fünfundzwanzig Zentimeter lang sei es gewesen. Diese Angaben sind von der Polizei noch nicht bestätigt, die Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden. „Wir haben geschrien, dann ist meine Kollegin hinten zur Tür rausgerannt. Ich wollte mich ins Büro einschließen, habe aber die Tür nicht schnell genug zumachen können.“

In diesem Moment habe sie die meiste Angst gehabt.

Mit dem Messer bedroht - wegen 200 Euro

„Irgendwann wurde mir klar: Es bringt nichts, der kann mit dem Messer um die Ecke stechen – ich mach‘ auf.“ Ganz aggressiv sei der Täter gewesen, sein Gesicht völlig verzerr. Auch mit Worten habe er sie eingeschüchtert. Erst als sie ihm versichert habe, er würde Geld bekommen, sei er ruhiger geworden. Und schließlich mit seiner Beute abgezogen.

Viel war es nicht, was sich in der Kasse des kleinen Ladens befunden hatte. „Um die 200 Euro“, sagt Geschäftsführerin Simone Mannarino. „Als ich von dem Überfall gehört habe, habe ich alles stehen und liegen lassen, um zu schauen, ob es meinen Beiden gut geht“, sagt sie. „Sie verdienen eine Tapferkeitsmedaille.“

Überfall ist Stadtgespräch: "Weinstadt ist jetzt Manhattan"

Der Überfall auf den Dorfladen ist längst Stadtgespräch. Schulen und Kindergärten sind informiert worden, vor allem weil der Täter noch frei herum läuft. Die Polizei fahndet nach dem Mann, der etwa 20 Jahre alt sein soll, dunkelhäutig, groß und schlank, mit schulterlangem, lockigen Haar und Brille. Auch ein Hubschrauber ist im Einsatz, was eine Fußgängerin mit den Worten kommentiert: „Weinstadt ist jetzt Manhattan.“ Immer wieder halten Menschen kurz am Dorfladen an, um ihr Mitgefühl auszudrücken – oder einfach nur ihrem Erstaunen Luft zu machen. Dass so etwas ausgerechnet diesem kleinen, gemeinnützigen Laden passiert, in dem es absolut nichts zu holen gibt.

Noch haben nicht alle von dem Überfall erfahren. Auch wenn ein handgeschriebener Zettel neben der Tür prangt, auf dem „Vorübergehend geschlossen“ steht, kommen immer wieder Leute vorbei, um Lebensmittel einzukaufen. Nicht jeder hat das mit dem Überfall schon gehört. Einige reagieren schockiert, aber ihr Gemüse fürs Mittagessen hätten sie dann doch gerne. Simone Mannarino regelt das dann ganz freundlich und locker. „Wir können einen Straßenverkauf machen.“ Während drinnen noch die Kriminalpolizei ihre Mitarbeiterin befragt, holt sie beispielsweise eine Stange Lauch aus dem Laden. „Kassenzettel gibt es heute aber keinen.“

Kriminalpolizei hat erste Hinweise

Derweil läuft die Suche nach dem Täter weiter. "Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Es sind erste Hinweise eingegangen, denen nun nachgegangen wird", teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen gegen 15.45 Uhr auf Nachfrage mit. Ein Hubschrauber sei aber nicht mehr im Einsatz. Hinweise nimmt die Polizei in Waiblingen unter der Telefonnummer 07151/950422 entgegen.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass der Dorfladen in Schnait überfallen wurde: Bereits im Februar 2018 hat einer Gruppe von Jugendlichen sich an der Kasse bedient. Simone Mannarino erinnert sich: "Damals war aber noch weniger in der Kasse."


Der Dorfladen

Den kleinen Laden in der Silcherstraße 40 gibt es nun seit 15 Jahren. Getragen wird er vom Engagement Ehrenamtlicher, Mini-Jobbern und den über 180 Haushalten, die im Dorfladen-Verein Mitglied sind und monatlich fünf Euro Unterstützung zahlen. Um bestehen zu können, ist der Dorfladen aber auch auf Verkäufe angewiesen. Alles weitere erfahren Sie in unserem Vereins-Porträt.