Waiblingen

Tankstellenraub: Nur sieben Wochen nach dem letzten Fall im Kreis

Polizei Blaulicht Sreifenwagen Dach
© Sarah Utz

Oppenweiler/Waiblingen. Einen lächerlichen Betrag „im dreistelligen Bereich“ hat er erbeutet – und dafür einen bewaffneten Raubüberfall begangen. Wieder war eine Tankstelle Ziel eines Räubers, diesmal in Oppenweiler. Nur sieben Wochen liegt ein Überfall auf eine Tankstelle in Waiblingen zurück. Damals erbeuteten drei Räuber ebenfalls lediglich eine dreistellige Summe. Bei einem weiteren Überfall in Bettringen (Schwäbisch Gmünd) entkam der Täter, allerdings ohne Beute.

Die drei Waiblinger Täter laufen noch frei herum; die Polizei hat Fotos aus Überwachungskameras veröffentlicht im Zuge der Fahndung. Auch der Oppenweiler Täter ist bislang nicht gefunden.

„Die Polizei fahndet derzeit mit starken Kräften nach einem Räuber, der eine Tankstelle in der Hauptstraße überfiel“, teilte die Polizeidirektion Aalen am Dienstagmorgen um 7 Uhr mit. Gegen 6.30 Uhr habe ein Mann die Tankstelle betreten. Er war mit einer Pistole bewaffnet und forderte Geld. Eine Angestellte händigte dem Mann einen Betrag aus in einer Höhe, der sich „im dreistelligen Bereich“ bewegte, wie Polizeisprecher Holger Bienert sagt. Der Mann flüchtete Richtung Gartenstraße. Unklar ist, ob es sich um einen der drei Männer handeln könnte, die am 24. Januar gegen 22.30 Uhr eine Tankstelle in der Mayenner Straße in Waiblingen überfallen haben. Außer ein bisschen Geld nahmen die drei damals eine größere Anzahl Zigarettenpackungen mit – und transportierten diese – reichlich dreist – in einem Bettüberzug.

Mehr als 500 Euro sind meist nicht in der Kasse

Ein gut informierter Krimineller wählt für einen Raub keine Tankstelle, sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes. Mehr als 500 Euro seien in der Kasse nicht vorrätig; das restliche Geld verschwindet im Tresor, und an den kommt in der Regel keiner ran. Manche Tankstellen regeln den Bezahlvorgang bereits über Automaten; „die oberste Form der Sicherung“, wie Jürgen Ziegner sagt. Einem Drogensüchtigen ist das egal. Ein Räuber, den der Suchtdruck in die Tankstelle treibt, wird vermutlich nicht erst außen an der Tür nachschauen, welches Sicherungssystem die Tankstelle besitzt.

Die besseren Sicherungen sieht der Verbandsgeschäftsführer als Hauptgrund, weshalb die Zahl der Überfälle auf Tankstellen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. In Baden-Württemberg gab es demnach im Jahr 2015 genau 62 Überfälle auf Tankstellen. Im Jahr 2009 waren es mit 113 fast doppelt so viele.

Jede 23. Tankstelle ist 2015 überfallen worden

Trotz des Rückgangs bleibt das Risiko hoch, so die Einschätzung des Verbands. Jede 23. Tankstelle in Deutschland ist – rein statistisch – im Jahr 2015 überfallen worden.

„Hände hoch“ – so beschreibt Jürgen Ziegner Verhaltenstipp Nummer eins im Falle eines Überfalls. „Völliger Blödsinn“ sei’s und viel zu gefährlich, den Held spielen zu wollen. Stattdessen: „Gib ihm das Geld.“ Den Tankstellenbetreibern legt Ziegner dringend ans Herz, nach einem Überfall die Berufsgenossenschaft einzuschalten, damit betroffene Mitarbeiter schnell Hilfe erhalten. Niemand kann voraussehen, wie er eine solche Ausnahmesituation verarbeitet. Ziegner hat schon gestandene, absolut gefestigte Beschäftigte erlebt, die nach einem Überfall nicht mehr nachts arbeiten konnten.

Nachts arbeitet ein Angestellter oder eine Angestellte allein

Nachts arbeitet oft nur ein einzelner Mensch in einer Tankstelle. Unheimlich. Die Bude abschließen und nur noch über den Nachtschalter bedienen, das legt der Verbandsgeschäftsführer jedem Nachtarbeiter ans Herz.

Wobei seiner Erfahrung nach nicht die Tageszeit in erster Linie den Ausschlag gibt, wann ein Räuber seine Tat begeht. Er wird darauf achten, dass sich möglichst niemand außer dem Angestellten im Verkaufsraum befindet.

Ein besonders aufsehenerregender Fall eines Tankstellenraubs liegt etwas mehr als drei Jahre zurück. Zu vier Jahren Haft wurde ein junger Polizist verurteilt, der im Herbst 2013 zusammen mit seinem Halbbruder eine Tankstelle in Rudersberg überfallen hatte.

Täterbeschreibung

Etwa 1,70 Meter groß ist der Mann, der am Dienstagmorgen eine Tankstelle in der Hauptstraße in Oppenweiler überfallen hat. Er trug ein schwarzes Sweatshirt und eine graue Jogginghose. Der Mann hatte eine weiße Tasche oder Tüte dabei.

Die Polizei warnt davor, an den Verdächtigen heranzutreten oder ihn anzusprechen.

Vielmehr sollen sich Bürger bei Verdacht direkt ans Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen unter der Telefonnummer 0 71 51/9 50-2 90 wenden oder die Notrufnummer 110 wählen.