Waiblingen

Tanz als Brücke zwischen Stuttgart und Mumbai in der Corona-Krise: Catarina Mora aus Waiblingen führt Regie bei drei Filmen

Stuttgart meets Mumbai
Saiyette Varadkar tanzt den traditionellen indischen Tanz Odissi in Mumbai. © Kiframe Media

Der Stuttgarter Schlossplatz von oben strahlt im Sonnenlicht. Szenenwechsel im Film: Ein junger Mann steht vor der Grabkapelle am Rotenberg mit einer lilafarbenen Wollmütze auf dem Kopf. Hinter ihm die schneebedeckten Stufen vor dem Eingang. Er stellt sich als der 22-jährige Vincent Travnicek vor, ein Balletttänzer des Stuttgarter Balletts. Dann sieht der Zuschauer, wie Travnicek in einem Ballettsaal der John-Cranko-Schule in Stuttgart seine Übungen an der Stange ausführt. Allein für sich in all der Isoliertheit, welche die Corona-Krise prägt. Und wieder Szenenwechsel: Mumbai in Indien. Mitali Varadkar (23) tanzt alleine für sich vor dem Gateway of India, ein bekannter Triumphbogen, den klassischen indischen Tanz Odissi. Sie wirkt in sich gekehrt, sonst tanzt sie vor Publikum, dennoch lächelt sie.

„Tanz in Zeiten von Corona – Building Bridges“ ist der Titel des Projekts, das die Waiblingerin Catarina Mora im Rahmen der Städtepartnerschaft Mumbai - Stuttgart geleitet hat. Drei Filme sind hierzu unter ihrer Regie entstanden. Auch in der Corona-Krise, in der alles stillsteht, darf der Tanz als Sprache des Ausdrucks nicht verstummen, lautet die Botschaft. Normalerweise reist eine Delegation aus Stuttgart im Frühjahr für ein Partnerschaftstreffen nach Indien. Das war in diesem Jahr nicht möglich, weshalb der indische Honorarkonsul Andreas Lapp mit dieser Idee an Catarina Mora herangetreten war. Die Filme wurden im Rahmen des virtuellen Freundschaftstreffens im Februar präsentiert.

Auf die Tänzer ist Catarina Mora durch ihre eigenen Bekanntschaften in Mumbai gestoßen. 2018 war sie mit ihrem Mann Miguel Ángel dort. Beide sind in der Welt des Tanzes – insbesondere Flamenco – bedeutend. Catarina Mora unterrichtet unter anderem an der Stuttgarter John-Cranko-Schule und an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, außerdem organisiert sie das Flamenco-Festival. Ihr Mann ist ein Flamenco-Star und in vielen Ländern aufgetreten. Vor kurzem hat er eine Tanzschule in Schorndorf eröffnet. Bei ihrem Besuch in Mumbai hatten sie mit Indern zusammen getanzt. Außerdem begleitet Mora das Stipendiaten-Programm „Flamenquitos go Europe“, wobei jedes Jahr eine andere Kinder-Gruppe mit ihren Betreuern zum Flamenco-Festival eingeladen wird, um sich auf der Bühne vor Publikum zu präsentieren.

Tänzer vier Wochen lang begleitet

Für das Film-Projekt „Building Bridges“ wurden die Tänzer vier Wochen lang an unterschiedliche Orte begleitet. In Indien machte dies der Choreograf Shubhada Varadkar, in Stuttgart die Choreografin Catarina Mora. Dass alle Filme wie aus einem Guss erscheinen, liege an engen Absprachen, so Catarina Mora, die auch jeweils die Kameramänner getroffen hätten.

Einen Unterschied gibt es allerdings: In Indien wurde nicht mit einem Ansteckmikro gearbeitet. So sind in den Interviews sämtliche Nebengeräusche wie das tropische Vogelgezwitscher hörbar – „wir wollten bewusst eine räumliche Distanz schaffen“, sagt Catarina Mora.

Grabkapelle und Mercedes-Benz-Museum

Die Filme transportieren nicht nur, wie es den Tänzern ohne Bühnenauftritte und ohne das Tanzen in der Gruppe ergeht, sondern sie zeigen gleichzeitig, wie viele verschiedene Tanzstile es gibt. Neben Ballett wird der Flamenco-Tanz und Breakdance gezeigt. In Indien wählte Mora dagegen Tänzer unterschiedlicher Altersgruppen.

Und sie haben noch eine Botschaft: Egal ob im indischen Mumbai oder im schwäbischen Stuttgart: Die Tänzer genießen es, sich endlich mal wieder in der Öffentlichkeit zu präsentieren, ganz getreu dem Motto „Bretter, die die Welt bedeuten“. Im Film sind es bedeutende Orte in Stuttgart und Mumbai. Denn neben der weltberühmten John-Cranko-Schule für heranwachsende Balletttänzer sind außerdem noch die Grab-Kapelle auf dem Rotenberg zu sehen, das Mercedes-Benz-Museum, der Karlsplatz und der Pavillon auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Breakdancer: "Was uns fehlt, ist die Zuversicht!"

In den eingebauten Interviewszenen berichten Tänzer von ihrem Alltag, wie schwierig es ist, auf Distanz zu gehen, nicht mehr tanzen zu dürfen, wobei sich normalerweise ihr kompletter Alltag, ihre komplette Welt rund um die des Tanzes dreht. „Tanzen bedeutet Freiheit“, sagt der 18-jährige Breakdancer Aaron Petersen. Wenn er mal nicht mehr wisse, wie es weitergeht, fange er einfach an zu tanzen. Doch es gibt etwas, das noch viel schlimmer ist, als nicht tanzen zu können, erzählt er. Seine Schwester ist aufgrund ihrer Behinderung eine Risikopatientin. Die soll sich auf keinen Fall mit dem Coronavirus anstecken. „Was uns allen fehlt, ist die Zuversicht“, sagt er. Irgendwann wird es wieder anders werden. Spuren werden bleiben.

Der Stuttgarter Schlossplatz von oben strahlt im Sonnenlicht. Szenenwechsel im Film: Ein junger Mann steht vor der Grabkapelle am Rotenberg mit einer lilafarbenen Wollmütze auf dem Kopf. Hinter ihm die schneebedeckten Stufen vor dem Eingang. Er stellt sich als der 22-jährige Vincent Travnicek vor, ein Balletttänzer des Stuttgarter Balletts. Dann sieht der Zuschauer, wie Travnicek in einem Ballettsaal der John-Cranko-Schule in Stuttgart seine Übungen an der Stange ausführt. Allein für sich in

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