Waiblingen

Taschen und Schürzen für den Rosenmarkt

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Jeansringe, Taschen aus Jeans und viele weitere Dinge gibt es beim Rosenmarkt ... © Jamuna Siehler
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... genauso solche Einkaufstaschen. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Sie nähen Taschen, teils aus alten Jeanshosen, teils aus gespendeten Stoffresten, Nähkissen, Jeansringe, Schlüsselanhänger und Kochschürzen – die Frauen von der Gruppe Nähwerk im Marienheim sind fleißig am Werk. Die Ergebnisse verkaufen sie auf dem Waiblinger Rosenmarkt.

Jamileh schnappt sich eine flache Aufbewahrungsbox mit der Aufschrift Jeans. Darin sind Nähmaschinen-Nadeln enthalten, die von ihrer Beschaffenheit her speziell für den Jeansstoff geeignet sind. Dann will sie die Nadel in die Maschine stecken. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, bemerkt sie. Ihre Nebensitzerin Parigol hilft ihr. „Die Frauen sind wahnsinnig geschickt“, sagt Heiderose Pfander. Einige von ihnen haben bereits Näherfahrungen in ihrer Heimat gesammelt. Die eine oder andere war vielleicht sogar Näherin. Genau könne sie es nicht sagen, so Pfander, bisher haben sie noch Probleme bei der Verständigung. Dennoch: „Wir lachen viel gemeinsam“, sagt die Ehrenamtliche.

Ihre Heimat ist Afghanistan, Syrien oder ein ganz anderer Ort auf der Welt. Untergebracht sind die insgesamt 300 Flüchtlinge im Marienheim in Waiblingen. Dort hat Heiderose Pfander eine Nähgruppe eingerichtet. Sie trägt den Titel Nähwerk. Unterstützung erhält sie dabei von Siggi Wössner. Anfangs hatten die Frauen Schwierigkeiten mit den Nähmaschinen, erinnern sich die beiden Ehrenamtlichen. Dass Nähmaschinen mit Strom betrieben werden, kannten sie nicht. Zunächst haben die acht Teilnehmerinnen auf Papier genäht, bevor sie sich an den Stoff herangetraut haben. Und jetzt nach zwölf gemeinsamen Nähnachmittagen sind eine ganze Reihe an selbstgefertigten Dingen entstanden. Beim Waiblinger Rosenmarkt werden die Frauen an einem Stand die Sachen verkaufen. „Das muss sein“, sagt Heiderose Pfander. „Wir wollen eigenständig werden.“ Nadel, Faden, Stecknadeln, manchmal auch das eine oder andere Band oder Accessoire kosten Geld. Die Nähmaschinen sind hauptsächlich Spenden von Bürgern. Viele waren kaputt und mussten repariert werden. Vier Maschinen hat Heiderose Pfander gekauft, weil sie eine Geldspende erhalten hatte.

Bevor sich die Frauen an die Maschinen setzen, wird erst einmal eine Runde Deutsch gesprochen. Zettel mit den abgebildeten Gegenständen sowie dem deutschen Wort hängen an der Wand. Obwohl es bisher Schwierigkeiten bei der Verständigung gibt, „haben wir wahnsinnig viel Spaß miteinander“, sagt Heiderose Pfander.

Es wird sehr exakt gearbeitet

Siggi Wössner und Heiderose Pfander legen Wert darauf, dass die Frauen exakt arbeiten, gerade Linien nähen und dass sie das zum Stoff passende Nähgarn verwenden. Fehler müssen aufgetrennt werden. Schließlich will man Interessierten einwandfreie Ware beim Rosenmarkt anbieten. In jeder Tasche, welche die Frauen genäht haben, steckt ein kleiner Zettel mit dem Vornamen der Frau und einem Dankeschön drauf.

Wenn die Frauen mit ihrer Arbeit fürs Nähwerk fertig sind, beginnen sie Änderungen an Kleidern vorzunehmen. Parigol erwartet ein Baby und hat eine Maschine leihweise in ihrem Zimmer. Dort näht sie die Ausstattung für ihren Nachwuchs: Kissen und eine Decke sind schon entstanden.

Gesucht

Die Nähgruppe Nähwerk ist auf der Suche nach Stoffen, ausrangierten Jeanshosen von Erwachsenen oder Kindern und anderen Nähmaterialien. Außerdem kann die Gruppe weitere Nähmaschinen brauchen. Spender wenden sich an Heiderose Pfander Telefon 0 71 51/5 96 94 oder per E-Mail naehwerk-waiblingen@gmx.de.

Alle genähten Sachen werden auf dem Waiblinger Rosenmarkt am Sonntag, 5. Juni, vor der Galerie Stihl verkauft. Die Frauen werden von 11 bis 18 Uhr da sein.