Waiblingen

Tausende Missbrauchsbilder gesammelt

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Waiblingen. Tausende kinder- und jugendpornografische Bilder hat ein 53-jähriger Waiblinger aus dem Netz heruntergeladen. Bei einer Hausdurchsuchung flog er auf. Nun wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Frau und seine Tochter wissen von alldem nichts.

Daran gebe „es nichts zu deuteln“, räumt der Verteidiger gleich zu Beginn des Verfahrens am Waiblinger Amtsgericht im Namen seines Angeklagten ein: „Mein Mandant hat sich die Dateien beschafft, er hat sie auf seinen Computer heruntergeladen.“ Die Dateien, das sind 1129 kinderpornografische und 2256 jugendpornografische Bilder, die Polizeibeamte bei einer Hausdurchsuchung im gelöschten Bereich und im Download-Cache auf einem Laptop, einem PC und einer externen Festplatte des 53-Jährigen festgestellt haben. Die Aufnahmen zeigen zwar zu einem großen Teil „nur“ nackt posierende Kinder und Jugendliche, teilweise aber auch extreme sexuelle Misshandlungen.

„Sehr unangenehm“ sei seinem Mandanten sein Vergehen, sagt der Verteidiger: „Er weiß, dass hinter jedem Bild ein Missbrauch steht. Er bedauert das sehr.“ Zumal der Mann mit seiner Ehefrau eine elfjährige Tochter hat. „Die Sache ist doch sicher auch vor Ihrer Frau nicht verborgen geblieben?“, fragt Richterin Christel Dotzauer den Angeklagten. „Sie weiß von nichts“, antwortet dieser sichtlich beschämt. Er zittert, kann seine Tränen kaum zurückhalten.

„Das ist eine brandgefährliche Sache, auch in Bezug auf Ihre Tochter“, entgegnet Dotzauer. „Man weiß von Fällen, wo das Herunterladen von Dateien nicht mehr ausreichend ist.“ Natürlich sei es schwierig, sich in einem solchen Fall der Ehefrau zu offenbaren. Aber: „Mir wäre es lieber, Ihre Ehefrau würde da hinten im Publikum sitzen.“ Wiederholt versucht die Richterin den Angeklagten während der nicht einmal halbstündigen Verhandlung dazu zu bringen, sich seiner Frau zu öffnen. Und sich in psychologische Behandlung zu begeben. „Sie müssen das tun. Um sich und Ihre Tochter und Außenstehende zu schützen“, sagt die Richterin.

Er soll sich behandeln lassen

Am Ende wird sie die Weisung, der Mann solle eine Beratungsstelle aufsuchen, in ihr Urteil einfließen lassen. Dazu gezwungen, sich beraten oder behandeln zu lassen, ist der 53-Jährige freilich nicht. Er muss dem Gericht zwar zwei Jahre lang jedes halbe Jahr über seine Bemühungen Bericht erstatten. Dieser Bericht kann aber theoretisch auch lauten: „Ich habe es noch nicht geschafft, mich in Behandlung zu begeben.“

Auch die Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird, fällt mild aus. Statt einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, wie vom jungen Staatsanwalt gefordert, verhängt Dotzauer nur zehn Monate Freiheitsstrafe bei einer Bewährungszeit von zwei Jahren.

Das hat wohl auch damit zu tun, dass die Richterin den Anwesenden zu Beginn der Verhandlung die explizite Beschreibung der verstörenden Kinderpornobilder ersparen wollte. Darauf könne man verzichten, hatte sie gesagt. Der Referendar, der die Staatsanwaltschaft vertrat, hatte nicht widersprochen und die Beschreibung ausgelassen. Zwar sprach er später in seinem Plädoyer von „extremen Aufnahmen“, bei der Richterin blieb jedoch die Einlassung des Verteidigers haften, der von „Kinderpornografie am unteren Rand“ sprach. Sonst hätte sie in ihrer Urteilsbegründung sicherlich nicht behauptet, es handle sich bei den Bildern um „keine Hardcore-Bilder“.

Ob nun mild ausgefallen oder nicht – das Urteil wird dem Waiblinger jedenfalls auch per Post zugehen. Und er wird hoffen, dass das Schreiben nicht seiner Familie in die Hände fällt. „Wir versuchen da nichts zu verheimlichen“ sagt Dotzauer. Die Frau direkt zu informieren, das gehe aber nicht.