Waiblingen

Tausende Waffen im Rems-Murr-Kreis

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Waffenkontrollen © ZVW

Waiblingen. Allein im Zuständigkeitsbereich des Landratsamts sind mehr als 10 000 Waffen registriert. Nach dem Amoklauf hat das Amt die Kontrollen intensiviert. Am Anfang hatten die Prüfer erschreckend oft etwas zu beanstanden. Offenbar haben die Waffenbesitzer draus gelernt. Inzwischen entdecken die Kontrolleure seltener Verstöße.

Bei einer Waffenkontrolle gleichen die Prüfer ab, ob ein Besitzer nur die registrierten Waffen im Schrank hat, ob er die Waffen vorschriftsmäßig aufbewahrt und ob Waffe und Munition getrennt sind. „Grundsätzlich müssen die Waffenbesitzer jederzeit mit einer Kontrolle rechnen“, informiert das Landratsamt. Doch zeigt ein Blick auf die Zahl der Kontrollen, dass Waffenbesitzer längere Zeit von Prüfern unbehelligt bleiben können: In der Zeit von 2009 bis 2016 zählte das Landratsamt 1529 Kontrollen. In ihrem Zuständigkeitsbereich gibt es 1635 Waffenbesitzer. Bis alle durchkontrolliert sind, dauere es noch bis Ende 2017. Bereits als Ordnungsdezernent habe er sich für eine „hohe Kontrollquote“ eingesetzt“, so Landrat Dr. Richard Sigel. „Waffenkontrollen garantieren keine Sicherheit“, schreibt Sigel, „aber sie schärfen das Verantwortungsbewusstsein“.

Zuverlässigkeit überprüfen

Selbiges muss die Behörde minimum alle drei Jahre abchecken. Laut Waffengesetz sind regelmäßig Zuverlässigkeit und persönliche Eignung von Waffenbesitzern zu überprüfen. Die Waffenbehörde holt zu diesem Zweck Auskünfte beim Bundeszentralregister, beim staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister und bei der örtlichen Polizeidienststelle ein. Ergeben sich Anhaltspunkte für Zweifel an der Eignung, muss der Waffenbesitzer ein ärztliches oder fachpsychologisches Zeugnis vorlegen, so das Landratsamt.

Hauptgrund von Beanstandungen war bisher, dass Waffenbesitzer Munition zu Hause lagerten, für die sie keine Erlaubnis hatten. Für das Thema Aufbewahrung seien Waffenbesitzer mittlerweile sensibilisiert, „und die ganz überwiegende Mehrheit bewahrt ihre Waffen und Munition entsprechend den Vorschriften auf“, versichert das Landratsamt.

Nicht in jedem Fall stehen Vertreter der Waffenbehörde unangekündigt vor der Tür. Obwohl sie bis 20 Uhr unterwegs sind, treffen sie natürlich nicht jeden Waffenbesitzer zu Hause an. Dann folgen ein Schreiben und eine Terminvereinbarung. In diesen Fällen dürfte die Beanstandungsquote überaus niedrig liegen.

Waffen sofort beschlagnahmen

Bei schweren Verstößen können die Prüfer Waffen sofort beschlagnahmen. Damit muss ein Waffenbesitzer etwa dann rechnen, wenn Personen, die kein Recht dazu haben, sich Zugang zu Waffen und Munition verschaffen können. Laut Landratsamt fanden die Kontrolleure auch einige Male Waffen, für welche die Waffenbesitzer keine Erlaubnis besaßen. Ein Waffenbesitzer hatte in Einzellader umgebaute Waffen in Mehrlader zurückgebaut, obwohl er für Mehrlader keine Erlaubnis hatte.

Ob in solchen Fällen ein Straftatbestand vorliegt, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Zuvor gibt das Landratsamt einen solchen Vorgang an die Polizei ab. Ob die Staatsanwaltschaft wirklich ein Verfahren einleitet, „liegt nicht mehr in unserer Hand“, so das Landratsamt. Dieses Jahr hat die Behörde bereits zehn Fälle an die Polizei weitergereicht, im Jahr davor sechs. 2014 waren’s 23 Fälle, 2013 genau 30. Meist handelt es sich indes um weniger schwerwiegende Verstöße. Dann droht den Betroffenen ein Bußgeldverfahren.

Im Zuständigkeitsbereich des Landratsamts sind aktuell 10 079 Waffen registriert. 3720 davon sind Kurzwaffen, 6359 sind Langwaffen. Wie viele Klein- und Großkaliberwaffen darunter sind, registriert das Landratsamt nicht gesondert. Sowohl Kurz- als auch Langwaffen gibt es mit kleinem wie auch mit großem Kaliber. Waffen bis zu einem Kaliber von 5,6 Millimetern werden als Kleinkaliberwaffen bezeichnet.

In der Zeit nach dem Amoklauf haben einige Waffenbesitzer ihre Waffen von sich aus beim Landratsamt abgegeben. Das kommt auch heute noch vor. Besonders Erben von Waffen verzichten laut Landratsamt oft auf diesen Nachlass und geben die Waffen zur Vernichtung ab. Die Waffenbehörde nimmt auch Schreckschuss- oder Luftdruckwaffen an, für die keine Erlaubnis nötig ist, und vernichtet diese. Können abgabewillige Besitzer ihre Waffen nicht selbst vorbeibringen, holen Beschäftigte der Waffenbehörde Waffen und Munition vor Ort ab. Dieses Jahr hat das Landratsamt bereits 72 freiwillig abgegebene Waffen zur Vernichtung entgegengenommen.

Zuständigkeiten

Die Waffenbehörde des Landratsamtes ist nur für Waffenbesitzer zuständig, die ihren Hauptwohnsitz in Alfdorf, Berglen, Großerlach, Kaisersbach, Kernen, Korb, Leutenbach, Murrhardt, Plüderhausen, Remshalden, Rudersberg, Schwaikheim, Spiegelberg, Sulzbach, Urbach, Welzheim oder Winterbach haben.

Die Großen Kreisstädte Backnang, Fellbach, Schorndorf, Waiblingen, Weinstadt und Winnenden besitzen eigene Waffenbehörden.

Die Stadt Waiblingen ist laut Oliver Conradt, dem Leiter der Abteilung Ordnungswesen, momentan mit den Kontrollen „fertig“. Die Beanstandungsquote liege bei circa 15 Prozent. Einer der Hauptgründe für Beanstandungen war, dass Waffenbesitzer ein falsches Behältnis für die Aufbewahrung benutzt hatten. Im Zuständigkeitsbereich der Stadt Waiblingen besitzen 401 Personen insgesamt 2464 Kurz- und Langwaffen.