Waiblingen

Tempo-Anzeige mit umstrittener Wirkung

Geschwindigkleitsdisplay
Viele Autofahrer schätzen Tempo-Anzeigen wie diese. © Habermann/ZVW

Waiblingen. Statt auf Blitzen und Kassieren setzen die Behörden mit mobilen Anzeigetafeln auf eine erzieherische Wirkung. Ob sie wirklich etwas nützen, ist zwar umstritten, trotzdem schafft die Stadt Waiblingen nun ein weiteres Gerät mit Smiley-Gesicht an.

Bei Autofahrern erfreuen sich die Anzeigetafeln einiger Beliebtheit, denn schließlich tun sie keinem weh – nicht einmal den Geldbeuteln von Rasern. Zwei mobile Geräte hat die Stadt Waiblingen in der Kernstadt im Einsatz. Auf Wunsch eines Bürgers schafft sie nun ein drittes an, obwohl die Verwaltung vom Nutzen nicht rundweg überzeugt ist. Doch eine Mehrheit des zuständigen Ausschusses für Bildung, Soziales und Verwaltung gab grünes Licht für den Kauf einer Messanlage im Wert zwischen 2000 und 3000 Euro. Sie kann je nach Bedarf an wechselnden Standorten aufgebaut werden.

Die Gemeindeordnung lässt zur Haushaltsplanung Anträge von Bürgern zu, über welche die Ratsgremien zu entscheiden haben. Ein Familienvater aus Waiblingen-Süd hatte auf diesem Weg angeregt, die Stadt möge an der Stuttgarter Straße dauerhaft eine solche Tafel installieren. An Tempo 30 würden sich viele Autofahrer nicht halten, obwohl sich vor Ort ein Spielplatz und ein Zebrastreifen als Verbindung vom Wohngebiet zum Bahnhof befinde. Durch den Bau des neuen Parkhauses beim Bahnhof sei mit einer weiteren Zunahme des Verkehrs zu rechnen. Die Stadtverwaltung hatte den Antrag zunächst abgelehnt, denn aus ihrer Sicht wird in der Stuttgarter Straße nicht so schnell gefahren, dass dies eine Festinstallation rechtfertige. Mit der Zeit trete ein Gewöhnungseffekt ein – viele Autofahrer ignorieren die Schilder. Mobile Geräte kommen abwechselnd in der Nähe von Schulen und Kindergärten zum Einsatz – unter anderem an der Stuttgarter Straße.

Erziehung ohne „Abzocke“

Unterstützung für den Bürgerantrag kam durch Dagmar Metzger von der ALi-Fraktion. Bei der Anzahl von Schulen und Kitas in der Stadt seien zwei Messtafeln längst nicht ausreichend. Diese böten die Möglichkeit, Schnellfahrer durch einen sanften Hinweis zum Abbremsen zu bewegen - ohne gleich in den Ruf von „Abzocke“ zu kommen. Ähnlich skeptisch wie die Verwaltung schätzt DFB-Stadtrat Siegfried Bubeck den pädagogischen Effekt ein: „In Bittenfeld haben wir diese Anlagen auf drei Seiten, mittlerweile fahren aber alle wieder so schnell wie vorher.“ CDU-Stadtrat von Pollern teilt die Skepsis und verlässt sich lieber auf Blitzer, obwohl es unangenehm werden kann: „Ich bin neulich wieder geblitzt worden - und zwar zurecht.“ Ein Smiley, der Raser böse anguckt und die korrekten Fahrer anlächelt, bringe nichts. FDP und SPD dagegen konnten der Neuanschaffung etwas abgewinnen, sofern sie flexibel eingesetzt werde. Mit sieben Ja- und zwei Nein-Stimmen sprach sich das Gremium in diesem Sinne für die weitere Geschwindigkeitstafel aus.