Waiblingen

Tempo bei der Fotovoltaik: Energie-Genossenschaft Schwaikheim hilft Waiblingen

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Solardach
Auf vielen Dächern liegt großes ungenutztes Potenzial für die Produktion regenerativer Energie. © Gabriel Habermann
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Energiegenossenschaft
Sabine Zeiner von „Waiblingen klimaneutral“ und Jochen Kögel von der Bürger-Energie Schwaikheim. © Gabriel Habermann

Es hört sich nach Science-Fiction an, aber: Das Jahr 2035 liegt nicht mehr allzu fern in der Zukunft. Bis dahin will Waiblingen klimaneutral sein – und hat sich damit ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Sabine Zeiner hat mit der Klimaschutz-Bürgerinitiative den entsprechenden Beschluss angestoßen und drückt jetzt weiter aufs Tempo. Für das Ziel, so rasch wie möglich große Fotovoltaikanlagen zu bauen, hat sie die Unterstützung der Bürgerenergie-Genossenschaft aus Schwaikheim organisiert.

Nur neun Prozent der nutzbaren Flächen in Waiblingen werden tatsächlich für Solarstrom-Erzeugung genutzt. Das geht aus dem Klimaschutzteilkonzept der Stadt Waiblingen hervor. Dabei könnte ein Drittel des örtlichen Stromverbrauchs theoretisch aus Fotovoltaik gedeckt werden: rund 100 Gigawattstunden. Diese Stromernte gilt es einzufahren, wenn Waiblingen seinen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und für eine unabhängigere Energieversorgung leisten will. Eine Energiegenossenschaft soll das schaffen. Für eine Neugründung erscheint das Problem jedoch zu drängend, die Zeit zu knapp: „Mir ist es wichtiger, den Anlagenbau voranzutreiben und nicht in Administration zu ertrinken“, sagt die ehemalige Managerin. Daher die Entscheidung für eine bestehende Struktur, für Synergien. Für Zeiner der „Königsweg“.

„Wir haben uns abhängig gemacht von Menschenschindern“

Die kleinere Nachbargemeinde Schwaikheim hat mit der „Bürger-Energie“ bereits seit zehn Jahren eine Genossenschaft, die in letzter Zeit wegen steigender Preise und wohl auch als Folge des Ukraine-Krieges einen Boom erlebt. In den vergangenen zehn Jahren hat die sie mehr als 600.000 Euro investiert und 386 kWp (Kilowatt peak) installiert. Sie soll ihre Dienste künftig auch in der Großen Kreisstadt anbieten. Gemeinsam wurden nun auch schon in Waiblingen vorbereitende Gespräche für neue Solarflächen geführt: „Es geht um große Fotovoltaik-Anlagen mit mächtig viel Kilowatt.“ Der öffentliche Startschuss erfolgt bei einer Veranstaltung der Initiative „Waiblingen klimaneutral“ am Dienstag, 3. Mai, im Jakob-Andreä-Haus.

Zielgruppe sind Gewerbetreibende und Privatleute, die größere Dachflächen zur Verfügung stellen möchten. Gesucht sind Dachflächen auf Flachdächern oder Schrägdächern in Richtung Ost, Süd oder West mit möglichst wenig Verschattung durch andere Gebäude oder Bäume. Es sollte Platz für eine Anlage mit mehr als 20 kWp vorhanden sein, was je nach Lage des Dachs etwa 100 Quadratmetern Dachfläche entspricht. Bürger können Strom oder Gas von der Genossenschaft beziehen, können Mitglied werden oder sich eine Anlage aufs Dach bauen lassen. Die Bürger-Energie verspricht eine schnelle Planung. Hemmschuh sind freilich die Wartezeiten auf die Handwerker, wobei die Genossenschaft auf bewährte Partner aus der Region setzt. Etwa innerhalb eines dreiviertel Jahres kann eine neue Anlage auf einem Gewerbedach reif zur Inbetriebnahme sein, sagt Dr. Jochen Kögel, Vorsitzender der Genossenschaft. Im Idealfall könne es auch schneller gehen.

Energie von unten: Vergleich mit den Schönauer Stromrebellen

Bislang arbeitet die Genossenschaft rein ehrenamtlich. Aktuell wird allerdings das Team vergrößert, künftig wohl auch mit Hilfe von geringfügig Beschäftigten. Bei einer starken Häufung von Anfragen könnte es jedoch zu längeren Wartezeiten kommen, räumt Jochen Kögel ein. Finanziert werden die Anlagen durch die Einlagen der Mitglieder der Genossenschaft. Weil die erneuerbaren Energien in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert haben, sei es bisher gelungen, mehr als ausreichend Mitglieder zu gewinnen, die investieren möchten. Der Vorsitzende ist zuversichtlich, durch die Kooperation mit dem Waiblinger Klimabündnis durch Steigerung des Bekanntheitsgrades auch künftig genügend Mitglieder zu finden.

Infoabend am Dienstag, 3. Mai

Sabine Zeiner vergleicht die Schwaikheimer mit den Schönauer Stromrebellen, die seit den Neunzigern bundesweit Furore machen. „Kleinere Kommunen sind oft agiler.“ Geboten wird grüner Strom aus der Region. Im Moment stehe die Fotovoltaik im Mittelpunkt – irgendwann könnte aber auch ein Windrad auf ähnliche Weise finanziert werden. Ihre Überzeugung: Privates Kapital muss aktiviert werden, sonst kommt die Energiewende nicht schnell genug voran. „Ist doch eh schon ein Trauerspiel, dass wir uns so abhängig gemacht haben von Menschenschindern.“ Weil Jammern nichts bringt, richte sie den Blick nach vorn: „Wir müssen konsequent darangehen, die regenerativen Energien auszubauen.“

Bei einem Infoabend der Initiative „Waiblingen klimaneutral“ stellt sich am Dienstag, 3. Mai, um 19 Uhr im Jakob-Andreä-Haus in Waiblingen (Alte Rommelshausener Straße 18) auch die Bürger-Energie-Genossenschaft Schwaikheim vor. Außerdem sprechen Sabine Zeiner vom Klimabündnis über Projekte mit Bürgerbeteiligung in Waiblingen sowie Nico Storz von den Bürgerwerken Heidelberg über die „Energiewende von unten“ durch Bürgerenergiegenossenschaften.

Es hört sich nach Science-Fiction an, aber: Das Jahr 2035 liegt nicht mehr allzu fern in der Zukunft. Bis dahin will Waiblingen klimaneutral sein – und hat sich damit ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Sabine Zeiner hat mit der Klimaschutz-Bürgerinitiative den entsprechenden Beschluss angestoßen und drückt jetzt weiter aufs Tempo. Für das Ziel, so rasch wie möglich große Fotovoltaikanlagen zu bauen, hat sie die Unterstützung der Bürgerenergie-Genossenschaft aus Schwaikheim

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