Waiblingen

Tennis im Corona-Lockdown: Streit im TC Waiblingen - um die Halle und Geld

Detlef Held TC Waiblingen
Detlef Held, Erster Vorsitzender des Tennis-Clubs Waiblingen (Archivfoto). © Gabriel Habermann

Der Tennis-Club Waiblingen (TC) kämpfte wochenlang dafür, dass bestimmte Spieler die lange gesperrte Halle nutzen dürfen – was zwischenzeitlich zu einem Streit des Vorsitzenden Detlef Held mit der Stadt geführt hat. Während sich dieser Konflikt langsam beruhigt, attackiert nun ein TC-Mitglied den Vorsitzenden Detlef Held scharf. „Unser Verein kann sich über Corona gar nicht beklagen, weil er bisher nur davon profitiert hat“, schreibt das Mitglied unserer Redaktion.

Mitglied verweist darauf, dass der Verein durch Corona viel Geld gespart hat

Bei der Hallenschließung 2020 hat nach Darstellung des Mitglieds kein Mitglied seine Abonnementgebühren zurückverlangt. Gespart worden seien dadurch die Heizungskosten und die Stromkosten für die Halle, die Warmwasserkosten für das Duschwasser und die Kosten für die Reinigung. Im Sommer 2020 hätten zudem keine Verbandsspiele stattgefunden. Die Ersparnis für den TCW liege deshalb bei 10 000 Euro. „Ein Geschrei zu machen von Herrn Held für 3 oder 4 Topspieler ist wirklich fehl am Platz.“

Dazu wirft das Mitglied Detlef Held vor, so zu tun, als ob die Akademie TC Waiblingen vereinseigen sei. Tatsächlich ist diese eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft.

Der TC-Vorsitzende Detlef Held wehrt sich gegen die Vorwürfe

Detlef Held hält entgegen, dass die Vorwürfe bereits in einer Mitgliederversammlung überprüft und nicht bestätigt werden konnten. „Die Anträge der besagten Person wurden einstimmig abgelehnt.“ Held verweist darauf, dass er mit seinen Vorstandskollegen vor rund 3,5 Jahren die Arbeit im TC Waiblingen übernommen habe und seither viele Projekte erfolgreich umgesetzt habe. Die Akademie TC Waiblingen UG sei im Frühjahr 2018 gegründet worden.

Der TC Waiblingen konnte Patrik Istvan wieder als Cheftrainer gewinnen

Hintergrund war, dass der Verein den früheren TCW-Trainer Patrik Istvan wieder für den TCW als Cheftrainer gewinnen konnte. Die Akademie TC Waiblingen UG ist rechtlich selbstständig tätig im Bereich Tennistraining. Vom Verein hat Patrik Istvan (neben allen weiteren Trainern) den Auftrag erhalten, den Mitgliedern Training auf der Anlage des TCW anzubieten. Der TCW besitzt nur die Namensrechte an der Akademie und erhält dafür jährlich 1000 Euro.

Vorsitzender: Auf allen Geschäftsbriefen, Belegen und auf der Internetseite der Akademie TC Waiblingen UG sind sämtliche Angaben enthalten

Dass die Firmierung nicht ordentlich ist, kann Detlef Held nicht bestätigen. Sowohl auf allen Geschäftsbriefen und Belegen/Rechnungen als auch auf der Internetseite der Akademie TC Waiblingen UG seien sämtliche Angaben gemäß den Vorgaben enthalten. „Auch dies wurde uns von einem Steuerberater/Wirtschaftsprüfer bestätigt.“

Den Vorwurf, dass die Auslastung der Tennishalle des TCW zurückgeht, kann der TC-Vorsitzende ebenfalls nicht bestätigen. „Durch unsere Einführung digitaler Buchungssysteme sowohl für die Hallen- als auch die Freiplätze ist die Auslastung stetig gestiegen.“ Dass die Tennishalle Korb von der Akademie angemietet wurde, hatte laut Detlef Held nur den Hintergrund, dass die Platzkapazitäten nicht ausreichend waren.

TC-Vorsitzender Held: Corona hat zu Einnahmeausfällen geführt

Dass die Pandemie für den TCW erhebliche Einnahmeausfälle verursacht, steht laut Detlef Held außer Frage. Im Februar 2020 sei letztmals ein Hallenturnier ausgerichtet worden. Ebenso konnte das internationale Jugendturnier nicht wie gewohnt stattfinden und musste deutlich reduziert umgesetzt werden. „Dadurch war das Turnier für den Verein und das TCW-Club-Restaurant nur kostendeckend.“

Mitglieder haben auf die Rückerstattung der Abonnementkosten verzichtet

Auch fehlen dem Verein die vielen Einzelbuchungen in der Tennishalle aufgrund der Schließung durch die Corona-Verordnung. „Dabei ist der Verein auf alle Einnahmen angewiesen.“ Richtig ist laut Detlef Held, dass fast alle Mitglieder in der letzten Hallensaison auf die Rückerstattung der Abonnementkosten verzichtet haben. „Das war eine tolle Geste unserer Mitglieder.“

Tennis-Club Waiblingen kämpft mit Rohrbrüchen, Wasserschäden und einem undichten Hallendach

Beim TCW gibt es laut Detlef Held einen jahrzehntelangen Investitionsstau, der seit gut drei Jahren schrittweise abgebaut wird. In den vergangenen zwei Jahren wurde neben der Modernisierung im Untergeschoss auch die vermietete Wohnung auf dem Clubgelände komplett saniert. Die Heizungs-/Warmwasseranlage der Tennisanlage ist seit vielen Jahren reparaturbedürftig, was laut Detlef Held dazu geführt hat, dass nicht nur die Tennishalle, sondern auch das vermietete Restaurant und die vermietete Wohnung nicht richtig geheizt werden konnten. „Ebenso hat der Verein laufend mit Rohrbrüchen, Wasserschäden und einem undichten Hallendach zu kämpfen“, betont Held. Trotz der ein oder anderen Ausgabenersparnis könne man daher in der Summe nicht von einem wirtschaftlich sorglosen Corona-Jahr sprechen.

Tennishallen dürfen wieder öffnen

Im Streit mit der Stadt um die Halle hat sich die Lage dahingehend verändert, dass vorübergehend die Tennishallen auch für die Allgemeinheit per Verordnung wieder öffnen dürfen. „Ob dies noch lange der Fall ist, hängt von den Corona-Inzidenzen ab“, betont der TC-Vorsitzende.

Dass Detlef Held Kritik an der Stadt übte, lag nach seiner Darstellung an der fehlenden Perspektive 

Wenn der Breiten- und Vereinssport die Hallen wieder schließen muss, bleiben laut Detlef Held die Ausnahmegenehmigungen für die Verbandsstützpunkte weiterhin bestehen. „Das führt aus unserer Sicht dann wieder zur gleichen Ungerechtigkeit und ist nicht nachvollziehbar.“ Dass Held öffentlich Kritik übte, lag nach seiner Darstellung an der fehlenden Perspektive für den Verein, die Trainer, die Gastronomie, den Shop und vor allem die Kinder. „Wir sind jedoch mit der Stadt wieder in Kontakt.“

Oberbürgermeister Andreas Hesky betont, gemäß den Vorgaben gehandelt zu haben

Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist darauf, dass zum damaligen Zeitpunkt die Stadt in Bezug auf die Halle korrekt und gemäß den zu diesem Zeitpunkt geltenden Vorgaben gehandelt habe. „Es gab keinerlei Ermessensspielraum. Die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg hat diesen nicht eingeräumt.“

OB Andreas Hesky: „Die Ranglistenspieler des TCW fallen unter keine dieser Kategorien“

Detlef Held hatte eine Liste mit den Ranglistenpositionen der TCW-Spieler an den Abteilungsleiter Sport im Fachbereich Kultur & Sport, Andreas Schwab, geschickt und gefordert, diese in der Halle spielen zu lassen. In Bezug auf die Liste der Ranglistenspieler des TCW war deshalb laut Hesky zu prüfen, ob diese unter die Regelung für den Profi- und Spitzensport laut Landesverordnung fallen. Dabei kam heraus: „Die Ranglistenspieler des TCW fallen unter keine dieser Kategorien.“

Sport in Tennishallen: Nur maximal fünf Leute aus zwei Haushalten

Zwischenzeitlich hat sich die Situation geändert. Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes, die seit 8. März 2021 in Kraft ist, ermöglicht laut Oberbürgermeister Andreas Hesky die Ausübung von Tennis unter den dort gemachten Vorgaben. Daraus werde ersichtlich, dass Sport in Tennishallen mit nicht mehr als fünf Personen aus mehr als zwei Haushalten (Kinder der beiden Haushalte bis einschließlich 14 Jahre zählen nicht mit) sowie Spitzen- oder Profisport möglich sind – bei stabiler Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 respektive 100 im Landkreis.

Toiletten, Umkleiden und Duschen dürfen nicht genutzt werden. Auch Tennisplätze im Freien dürfen unter Einhaltung bestimmter Regeln genutzt werden.

Hallenbad Neustadt wurde für den Spitzensport geöffnet

„Die Stadt hat in den vergangenen Monaten, seit Ausbruch der Pandemie, erneut und mehrfach bewiesen, dass sie dem Sport zur Seite steht und ein verlässlicher Partner ist“, betont OB Andreas Hesky. Alle könnten sich darauf verlassen, gleich behandelt zu werden. „Die Beschäftigten der Stadt nutzen jeden Spielraum, der zur Verfügung steht, um die Situation zu verbessern.“

So sei beispielsweise das Hallenbad Neustadt für den Profi- beziehungsweise Spitzensport geöffnet worden, auch für die Profimannschaft des VfL Handball seien aufgrund der Schließung der Rundsporthalle für den Sport wegen deren Nutzung als Impfzentrum Trainings- und Spielmöglichkeiten gesucht worden. „Daher wünscht sich die Stadt, dass bestehende Regelungen respektiert werden und auch respektiert wird, dass die Stadt regelkonform handelt.“

Der Tennis-Club Waiblingen (TC) kämpfte wochenlang dafür, dass bestimmte Spieler die lange gesperrte Halle nutzen dürfen – was zwischenzeitlich zu einem Streit des Vorsitzenden Detlef Held mit der Stadt geführt hat. Während sich dieser Konflikt langsam beruhigt, attackiert nun ein TC-Mitglied den Vorsitzenden Detlef Held scharf. „Unser Verein kann sich über Corona gar nicht beklagen, weil er bisher nur davon profitiert hat“, schreibt das Mitglied unserer Redaktion.

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