Waiblingen

Testpflicht und Abstand: Kirchen schreiben teils strenge Regeln für ihre Chöre vor

Chorprobe mit Bezirkskantor Immanuel Rößler, Michaelskirche, Waiblingen, 23.06.2021.
Chorprobe in der evangelischen Michaelskirche mit Bezirkskantor Immanuel Rößler. © Benjamin Beytekin

Es wird wieder gesungen. Acht Monate lang war dies nicht möglich. „Das war ein riesiger Einschnitt“, sagt Bezirkskantor Immanuel Rößler. In der Michaelskantorei singen normalerweise laut Liste zwischen 50 und 60 Personen, jetzt sind es zwischen 17 und 20, die zur Probe erscheinen. Alle dürften auch aufgrund der Hygiene-Vorgaben der Landeskirche gar nicht kommen. „Viele sind noch vorsichtig“, so Rößler.

Auf der anderen Seite sind die Vorgaben 3 G für eine Chorprobe, wie sie die Landeskirche als Voraussetzung nennt, für viele eine hohe Hürde. Laut Sozialministerium gilt aber ab einer Inzidenz von unter 35 keine pauschale Testpflicht mehr. Vielmehr habe der Veranstalter sich zu entscheiden, in welchem Personenrahmen er sich bewege, so das Ministerium. Nur wenn man die Probenräume bis zu 60 Prozent auslastet, gelte „ein konsequentes 3 G-Nachweis-Erfordernis“. Darauf beruft sich auch die evangelische Landeskirche, was bedeutet, dass etwa Sänger der Michaelskantorei entweder einen Impfnachweis, einen Genesenennachweis oder ein tagesaktuelles Schnelltestergebnis vorlegen müssen.

Immanuel Rößler sieht die Wochen bis zu den Ferien und die damit beginnende Sommerpause „als Versuchsphase an“, wie er sagt. Dennoch: „Wir sind alle unglaublich dankbar, dass Singen in der Gruppe jetzt wieder möglich ist“, so Rößler. Ein Chormitglied habe ihm erzählt, dass demjenigen sogar dabei die Tränen gekommen seien.

Strenge Vorgaben für Chorproben

Die Vorgaben für eine Chorprobe sind streng. Im Raum muss eine Maske getragen werden, die man aber zum Singen abziehen darf. Zwischen den Sängern wird ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten. Bezirkskantor Immanuel Rößler dokumentiert den Platz der einzelnen Personen. Außerdem schreibt das Hygienekonzept der Landeskirche kurze Probeeinheiten vor. Anschließend ist wieder eine längere Lüftungspause.

Im Moment wagt es Immanuel Rößler noch nicht, in die Ferne zu schauen oder gar zu planen, etwa was ein Weihnachtsoratorium betrifft. Bei einer so großen Gruppe, die es hierfür bräuchte, stelle sich auch wieder die Raumfrage: Wo könnte man üben und dabei die Abstandsregeln einhalten? Davon abgesehen die Frage, ob es aus Sicht des Infektionsschutzes überhaupt Sinn mache.

Nachwuchssorgen bei Kinderchören

Ein wichtiger Bestandteil der Kirchenmusik sind auch die Kinderchöre: die Zwergfinken bis hin zur Kinder- und Jugendkantorei. Durch die Kontaktbeschränkungen fehle ein gesamter Jahrgang, den Rößler nicht einladen konnte. „Langfristig wird es Lücken geben!“, prognostiziert er.

Dennoch gibt es Lichtblicke: Während der Lockdown-Zeit hat sich eine kleine Gruppe jeden Mittwoch online zur Probe getroffen. „Es ist nicht jedermanns Sache, laut vor einem Bildschirm zu singen“, sagt Rößler und lächelt. Sie werden am Samstag, 3. Juli, um 19 Uhr in der „Stunde der Kirchenmusik“ in der Michaelskirche von Louis Vierne „Messe Solenelle“ singen. Begleitet wird dies von zwei Orgeln, an welchen Désirée Eisele und Emil Feuerstein Platz nehmen. Für die Veranstaltung muss man sich vorab anmelden.

Katholische Kirche erlässt in ihrem Hygienekonzept die Testpflicht

Für die Dekanatskirchenmusikerin Désirée Eisele hat das Jahr nicht einfach begonnen. Sie hat im Januar ihre Arbeit in der katholischen Kirchengemeinde Sankt Antonius aufgenommen, als Chorproben nicht erlaubt waren. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat in ihrem Hygienekonzept die Testpflicht für eine Chorprobe bei einer Inzidenz unter 35 erlassen. Die kommenden Wochen bis zu den Sommerferien sieht Désirée Eisele als „Stimm-Trainingslager“ an. Gleichzeitig nutzt sie die Zeit, um die Sänger kennenzulernen und versucht Kontakte zu knüpfen und Werbung für die Chöre in der katholischen Kirchengemeinde zu machen. Regelmäßig besucht sie auch den katholischen Kindergarten, um mit den Kindern dort zu singen. Sie hofft, dass sie im September einen Kinderchor starten kann.

Donnerstags um 20 Uhr sowie freitags um 18.30 und 20 Uhr singen die Erwachsenengruppen im Sankt-Antonius-Saal. „Wir wollen es nicht ausreizen“, so Eisele, weshalb sie die Gruppen geteilt hat, bis ein großer Gesamtchor wieder möglich ist. Ganze Familien seien darunter. „Die Sänger sind sehr motiviert.“ Wann das erste Mal ein Auftritt möglich sein wird, kann sie noch nicht sagen. „Weihnachten wäre natürlich schön“, sagt Désirée Eisele. Aber wer wisse schon, was bis dahin noch erlaubt ist.

Info

Wer Lust hat, im katholischen Kirchenchor oder Kinderchor mitzusingen, meldet sich bei Désirée Eisele ) 01 57/35 17 59 83.

Es wird wieder gesungen. Acht Monate lang war dies nicht möglich. „Das war ein riesiger Einschnitt“, sagt Bezirkskantor Immanuel Rößler. In der Michaelskantorei singen normalerweise laut Liste zwischen 50 und 60 Personen, jetzt sind es zwischen 17 und 20, die zur Probe erscheinen. Alle dürften auch aufgrund der Hygiene-Vorgaben der Landeskirche gar nicht kommen. „Viele sind noch vorsichtig“, so Rößler.

Auf der anderen Seite sind die Vorgaben 3 G für eine Chorprobe, wie sie die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper