Waiblingen

Theater-Musical am Staufer-Gymnasium

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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Rund 250 Schüler und Lehrer ließen die Geschichte des Stauferkönigs Friedrich II in einer Multi-Media-Show lebendig werden. © Habermann / ZVW
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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Das Multimediale Theater-Musical des Staufer-Gymnasiums. © Laura Edenberger
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Der König wird gekrönt. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Einen „sehr heißen, sehr bunten und sehr abwechslungsreichen Abend“ hat Volker Losch, Leiter des Staufer-Gymnasiums, den Zuschauern in der Beinsteiner Halle versprochen, und genau das haben 250 Schüler und Lehrer hingekriegt: eine turbulente, intelligente Multi-Media-Show zu Leben und Wirken Friedrichs II, und was dessen „stupor mundi“ mit uns heute zu tun hat.

Die ganze Schule hat fast zwei Jahre daran gearbeitet, hat unter der Gesamtkoordination von Nicola Hallstein Musik ausgewählt und eingeübt, sich Choreografien ausgedacht, Szenen erstellt, Kostüme und Requisiten kreiert. So etwa die riesige, im Dunkeln funkelnde Krone Friedrichs des Staufers, dem in Szene 7 geweissagt wird, sein Leben und seine Macht würden bald enden, aber sein Name werde weiterleben. In einer Schule. Lachen im Publikum, anerkennendes Schmunzeln ob dieser selbstironischen Überhöhung und Übertreibung, wie sie typisch ist für die ganze Inszenierung.

Der Staufer als Showstar

Auch die Staufer wissen in ihrer mal knallig bunten, mal reduzierten und nachdenklichen medialen Geschichtsstunde nicht so genau, ob ihr Friedrich wirklich der hehre Humanist und tolerante Freund der Muslime und Juden war, der Visionär interkultureller Friedfertigkeit, aber sie fänden einen solchen Herrscher ganz sicher gut und machen nachvollziehbar, warum. Sie widmeten ihm acht Szenen, manche pathetisch und hymnisch, manche auch etwas spöttisch oder zumindest doppeldeutig, viele zu Herzen gehend, alle gut musiziert, gesungen, inszeniert. Und sie lassen Friedrich sich am Ende wie einen Popstar feiern, mit huldvollen Gesten grüßen und die funkelnde Krone tragen. Der Staufer als Showstar.

Aus allen Richtungen schallt und strahlt es

Ganz zu Anfang und ganz zum Schluss huldigen die Schüler aber auch der Hochkultur, mit Auszügen aus Carl Orffs „Carmina burana“, lateinische Texte zu Paukenschlägen monoton mehr rezitiert als gesungen. Links vor der Bühne das Unter- und Oberstufenorchester mit Streichern und Holzbläsern, rechts die famose Big Band mit Blech und Saxofon, dazwischen ein Steg, dessen Stufen auf die Bühne führen und der von Tänzern in Weiß begangen wird, die Orff noch opulenter geraten lassen, noch wuchtiger und dramatischer. Während zentral auf einer Videoleinwand Projektionen der Sechstklässler laufen, Farben und vermischende Formen wie unter einem Mikroskop.

Bezug zur Partnerstadt der zweiten Szene 

In der zweiten Szene („Der Geburtsschrei“) gibt es einen weiteren Bezug zur Partnerstadt Jesi, wo ja auch Friedrich im 12. Jahrhundert geboren wurde, nämlich zwei Stücke aus dem „Stabat mater“ von Pergolesi, ebenfalls einer aus Jesi. Eine Szene inszenatorischer Gegensätze: hier die groteske Überzeichnung einer Geburt mit dem Schrei, der im Publikum für Amüsement sorgt, da würdig schreitende Schüler, die mit den symbolträchtigen Insignien der Macht hantieren, mit Krone und Ornat.

Großartige Szenen

Jede einzelne Szene ist großartig geworden, auch in musikalischer (die souverän swingende Big Band in Dizzy Gillespies „Night in Tunesia“) oder rezitatorischer Hinsicht (der Minnesänger mit Laute im „Kreuzzug“). Dort werden mit nackten Fakten zu den blutigen Kriegen um Jerusalem, im Video auf schwarzem Hintergrund abgespult, sozusagen Antithesen zur Mittelalter-Romantik geschaffen, von der ja junge Menschen mit roten Kreuzen auf ihren T-Shirts heutzutage auch ebenso gut fasziniert sein könnten.

Zwei Momente, die nicht ganz konfliktlos sind

Erwähnt werden sollen noch zwei Momente, die einer Schule und ihren Lehrern gewiss nicht ganz konfliktlos über die Bühne gehen, weil sie sozusagen die Fundamente der Pädagogik hinterfragen. Beide in der „Falke“-Szene (Friedrich verfasste ein Standartwerk über Greifvögel, als die „Ferraris des Mittelalters“, so die Staufer, sozusagen die Statussymbole der Epoche), in der auch prächtige Vogelmasken auffallen. Zur Musik von Pink Floyds „We don’t need no education“ (!) dürfen sich die Unter- und Oberstufenchorsänger als Rebellen-Schüler präsentieren, während eine Konferenz weiß bekittelter Ornithologen mit ihren wissenschaftlich oberlehrerhaften Erkenntnissen über Greifvögel immer wieder vom „Falkenlied“ unterbrochen wird.

Es muss stimmen mit dem pädagogischen Selbstbewusstsein des Staufer-Kollegiums, wenn es solche Szenen durchgehen lässt.

Weitere Aufführung

Die Premiere am Donnerstag fand in der Beinsteiner Halle statt, wohin nach dem Brand im Bürgerzentrum mit Hilfe der Stadt ausgewichen werden musste.

Eine zweite Aufführung des Stücks blieb den Schülern und Lehrern des Staufergymnasiums vorbehalten.