Waiblingen

Trauer um Bittenfelder Urgestein Horst Jung

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Horst Jung im Redaktionsgespräch anlässlich seines Ausscheidens aus dem Bittenfelder Ortschaftsrat im Jahr 2015. (Archivfoto) © Ramona Adolf

Waiblingen-Bittenfeld. Den Handballern des TV Bittenfeld hat Horst Jung immer die Treue gehalten – vor dem Anpfiff des Bundesligaspiels am Donnerstag in der Stuttgarter Porsche-Arena wurde seiner mit einer Schweigeminute gedacht. Das Bittenfelder Urgestein ist bereits am 10. August im Alter von 84 Jahren gestorben.

„Wir sind unendlich dankbar für seine unermüdliche Arbeit“ schreiben die Bittenfelder Handballer auf ihrer Homepage über Horst Jung. Er habe die Vereinsarbeit über Jahrzehnte hinweg geprägt. Das erste Bundesliga-Heimspiel der Saison am Donnerstag vor fast 6 000 Zuschauern in der Stuttgarter Porsche-Arena bot nun, knapp drei Wochen nach Horst Jungs Tod am 10. August, die Möglichkeit seiner im ganz großen Rahmen zu gedenken.

Verdient hat er sich diese posthume Würdigung durch seinen Einsatz nicht nur für den Handballverein, deren Vorsitzender er 24 Jahre lang war und den er 1960 im Hallen- und Feldhandball als Trainer in die höchste Spielklasse führte, sondern für die gesamte Ortschaft Bittenfeld.

Ehrenamtlich engagiert

Wobei Jung, der im Verlagswesen arbeitete, schon zu Lebzeiten für sein Engagement geehrt wurde: Für seinen ehrenamtlichen Einsatz im Waiblinger Gemeinderat erhielt er die Verdienstplakette der Stadt Waiblingen. Dem Gemeinderat gehörte er 20 Jahre an, im Bittenfelder Ortschaftsrat engagierte er sich 30 Jahre lang. 2004 hatte der ehemalige SPD-Mann seine eigene Bürgerliste Bittenfeld, kurz: Bübi, gegründet. Erst vor drei Jahren schied er aus dem Gremium aus – und das auch nur, weil sein Neffe Till bei der Wahl mehr Stimmen erhielt.

Nachforschungen zur Ortsgeschichte

Besonders engagiert war Horst Jung auch im „Bürgerverein Herwarth von Bittenfeld“, den er im Jahr 2006 mitbegründet hat. Elf Jahre lang war er Vorsitzender des Vereins, der Nachforschungen zur Ortsgeschichte anstellt, Ausstellungen organisiert und bei Bittenfelder Festen mitanpackt. Ansteckend war Jungs Begeisterung fürs Historische: Äußerst stolz war er zum Beispiel auf den Leichenwagen aus den 30er Jahren im Besitz des Bürgervereins. Und wer auf der Suche nach Anekdoten aus der Bittenfelder Geschichte war, brauchte dem Urgestein nur ein Stichwort zu nennen. 1985 veröffentlichte Horst Jung gemeinsam mit Historiker Joachim Peterke das Buch „Bittenfeld, Geschichte eines schwäbischen Dorfes“. Erst Ende vergangenen Jahres übergab Jung den Vereinsvorsitz an Sven Luithardt – der sogleich verkündete, er werde sich an der Herausforderung versuchen, den Verein im Sinne seines Vorgängers weiterzuführen.

Dass es ihn nicht kümmerte, mitunter anzuecken und auch weniger populäre Meinungen zu vertreten, bewies Jung bis zuletzt. „Unbequem, aufmüpfig, stachelig“ wollte er gerade in der Politik sein. Bittenfeld hat ein echtes Original verloren.