Waiblingen

Trauer um Waiblingens ältesten Bürger

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Lebensfroh bis ins hohe Alter: Dr. Gerhard Pampel an seinem 104. Geburtstag. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Lebensfroh und weltoffen, ein überzeugter Humanist – das war Dr. Gerhard Pampel bis ins hohe Alter. Nun ist der ehemalige Chef der Waiblinger Kinderklinik gestorben. Diesen Sommer wäre er 106 Jahre alt geworden.

Bis zuletzt hat Dr. Gerhard Pampel in seinem Haus am Rosberg in Waiblingen gelebt, das er 1964 gebaut hatte. Hier freute er sich über Besuch und erzählte bildhaft aus seinem bewegten Leben. Er hörte seinem Gegenüber aber ebenso gerne zu. Wer ihm begegnete, lernte einen zugewandten, aufmerksamen Mann kennen. „Es geht mir gut, ich kann nicht klagen“, sagte Pampel, als ihn die Waiblinger Kreiszeitung Ende Juli 2017 anlässlich seines 105. Geburtstag interviewte. Doch schon damals beschäftigte sich der ehemalige Kinderarzt mit dem Tod, dem er offenbar gelassen entgegensah: „So langsam ist auch mal gut.“ Seinen 106. Geburtstag, schob er lächelnd nach, würde er aber natürlich „akzeptieren“.

Trauerfeier in Waiblingen

Dazu kam es nun nicht mehr. Am vergangenen Samstag (23.6.) ist Dr. Gerhard Pampel gestorben. Die Trauerfeier wird am Donnerstag (28.6.) von 13 Uhr an auf dem Waiblinger Friedhof stattfinden.

Geboren wurde Dr. Gerhard Pampel am 1. August 1912 in Halberstadt als Sohn eines Zahnarztes. Er und seine fünf Geschwister hatten eine glückliche Kindheit. Viel habe er seinen Eltern zu verdanken, die ihn humanistisch erzogen hätten, war Pampel überzeugt. Als Armeearzt im Zweiten Weltkrieg machte er Schreckliches durch und wusste den anschließenden Frieden deshalb zeitlebens besonders zu schätzen. Die politische Weltlage verfolgte er mit großer Sorge. Noch kurz vor seinem 105. Geburtstag schimpfte er darüber, dass die Menschheit nichts aus ihren Fehlern lerne. Seine ansteckende Fröhlichkeit hat er darüber allerdings nie verloren: Pampel war ein Optimist – als leideschaftlicher Kinderarzt schon von Berufs wegen.

Neugeborene betreut

Anderen zu helfen, war ihm immer eine Erfüllung gewesen. Kinderarzt wollte er von klein auf werden. Nach dem Krieg studierte Pampel Medizin in Leipzig, Freiburg und Heidelberg, machte eine psychotherapeutische Ausbildung und war von 1959 bis 1977 Chef der Waiblinger Kinderklinik. Danach praktizierte er noch jahrelang in seinem Haus am Rosberg und betreute die Neugeborenen im Kreiskrankenhaus.

Mit seiner „fabelhaften“ Frau Margrit war er 60 Jahre glücklich verheiratet. Als sie krank wurde, pflegte er sie viele Jahre lang zu Hause – ehe er sie überlebte, wie auch alle seine Geschwister und so viele andere Familienmitglieder, Weggefährten und Freunde.

Schwimmtraining mit über 100

Bei der Jagd, beim Musizieren und beim Sport – man sah ihn noch mit über 100 Jahren im Hallenbad seine Bahnen schwimmen – bekam Pampel den Kopf frei. Erfüllung und Ausgleich fand er auch in der Kunst. Bunte Aquarelle hingen in seinem Wohnzimmer, Bilder, die er in den Ferien gemalt hat. Später genoss er die Zeit in seinem Garten am Rosberg, durch den er mit seinem Rollator spazierte.

Nun hat Waiblingens ältester Bürger im beeindruckenden Alter von fast 106 Jahren seine letzte Reise angetreten. Viele Waiblinger werden seinen Tod zum Anlass nehmen, an ihre Begegnungen mit Dr. Gerhard Pampel zurückzublicken.

Der Kinderarzt selbst hat vor fast einem Jahr gesagt: „Ich bin dankbar und zufrieden, ich hatte ein sehr buntes Leben, reich an Erlebnissen.“