Waiblingen

Trotz Bisswunde und Blessuren: Ehemann freigesprochen

Amtsgericht Waiblingen Symbol symbolbild gericht verhandlung
Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen. Weil er seine 23-jährige Frau geschlagen und mit dem Tod ihrer Familie bedroht haben soll, saß ein 24-Jähriger auf der Anklagebank des Amtsgerichts Waiblingen. Da weder er noch das vermeintliche Opfer Angaben zum Geschehen machten und es keine ausreichenden Aussagen der sieben Zeugen gab, lautete das Urteil: Freispruch.

Im kleinen Sitzungssaal des Amtsgerichts Waiblingen wurde es schnell hitzig. Der Anwalt des 24-jährigen Angeklagten machte deutlich, dass sein Mandant keine Angaben machen wird. Das stieß bei Richterin Christel Dotzauer auf Unverständnis: „Ich verhandle hier nicht auf Konfrontationskurs.“ Ihr gehe es bei jungen Menschen vor allem darum, herauszufinden, was in deren Leben falsch läuft.

„Sag nichts der Mama, ich wurde geschlagen“

Bereits im vergangenen Jahr wurde der 24-Jährige angeklagt, weil er seine Verlobte verprügelt haben soll. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Jahr später saß er nun wieder vor Gericht, wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung seiner Partnerin. Doch die 23-Jährige, die zitternd im Verhandlungssaal saß, gab nicht viel preis, außer, dass sie mittlerweile verheiratet seien. In Las Vegas habe es eine zeremonielle Trauung gegeben. Eine Urkunde könne sie aber nicht vorlegen. Mehr sagte sie nicht, sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht als Ehefrau Gebrauch.

Verhandelt wurde, was am 22. Mai geschah: Die Mutter der 23-Jährigen war zur gemeinsamen Wohnung des Ehepaars gefahren. Sie hätte eine Nachricht von einer weiteren, jüngeren Tochter weitergeleitet bekommen. Darin schrieb die 23-Jährige: „Sag nichts der Mama, ich wurde geschlagen.“ Nachdem die Mutter vergeblich versucht hatte, ihre Tochter aus der Wohnung zu bekommen, harrte sie mehrere Stunden vor dem Haus aus und rief die Polizei. Die diensthabende Polizistin, die als Zeugin geladen war, hat die Nachricht auf dem Smartphone der Mutter gesehen. Sie konnte damals jedoch nicht feststellen, ob es sich um eine aktuelle Nachricht handelte.

Nach rund drei Stunden sei die Tochter aus der Wohnung gekommen. Barfuß und in Schlafsachen gekleidet, so beschrieb es die Mutter vor Gericht. Als sie später bei der Polizei aufgetaucht war, sei sie nicht auffällig gekleidet gewesen, berichtete die Polizistin. Am linken Unterarm habe die Frau eine Bisswunde gehabt, außerdem Blessuren am Hals. Sie habe geweint. Fotos, die die Mutter Richterin Dotzauer in der Verhandlung überreichte, zeigen außerdem ein blaues Auge und Haarbüschel.

Polizistin widerspricht der Zeugin

Die Mutter berichtete, die Tochter habe die Polizistin gefragt: „Wie können Sie mich und meine Familie schützen, wenn ich Angaben mache?“ Die Polizistin widersprach vor Gericht: Sie sei das nie gefragt worden. Da das Ehepaar keine Aussage machte und keiner der Zeugen gesehen hatte, was wirklich passiert war, sprach Dotzauer den Angeklagten frei. Zwar gebe es „gewisse Belastungstendenzen“, es könne aber nicht nachgewiesen werden, dass er der Täter sei.

Auch in einem weiteren Anklagepunkt wurde der 24-Jährige freigesprochen. Am 4. Juni soll er sich mit einem Lamborghini zwischen zwei Autos gedrängelt und so einen Unfall verursacht haben.

Ein 41-Jähriger, der vor Gericht als Zeuge aussagte, sei aufgrund der Drängelei auf der Alten Bundesstraße fast in die Leitplanke gefahren. Eine Felge und die Lenkung seines Autos wurden beschädigt. Der 41-Jährige war dem Lamborghini nach dem Vorfall hinterhergefahren. Als dieser auf dem Gelände des Familienbetriebs des Angeklagten zum Stehen gekommen war, stellte er den Fahrer zur Rede. Dieser habe ihm gesagt, er solle sich vom Grundstück „verpissen, sonst gibt’s auf die Schnauze“. Außerdem sei er als „Scheißausländer“ und „Hurensohn“ beschimpft worden, sagte der Zeuge. Ob es sich bei dem Fahrer des Lamborghini allerdings um den Angeklagten handelt, konnte der 41-Jährige nicht mit Sicherheit sagen. Dotzauer urteilte auch in diesem Fall: Freispruch.

Die Schwiegermutter, die den Angeklagten zuvor stark belastet hatte, und keinen Kontakt mehr zur Tochter hat, applaudierte hämisch: „So viel zum Rechtssystem.“