Waiblingen

Trotz vieler Unfälle wird die Strecke Stöckenhof / Rettichkreuzung nicht saniert

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Großer Schock im Mai 2016: Dieser Unfall verlief tödlich. © Leonie Kuhn

Waiblingen/Berglen. Zwölf Unfälle im letzten Jahr, einer tödlich: Die Landesstraße zwischen Berglen-Stöckenhof und dem Dmitrovkreisel, im Volksmund „Rettichkreisel“ genannt, ist ein Unfallschwerpunkt. Mit ein Grund ist der katastrophale Zustand. Dennoch wird die Straße vorerst nicht saniert. Verkehrsminister Hermann erklärt das mit dem „unterdurchschnittlichen Verkehrsaufkommen“.

Auf der landesweiten Priorisierungsliste steht der Streckenabschnitt der Landesstraße 1120 zwischen Berglen-Stöckenhof und dem Dmitrovkreisel, „Rettichkreuzung“ oder „Rettichkreisel“ genannt, auf Rang 2210. 2291 Rangplätze gibt es. Verkehrsminister Winfried Hermann spricht von einer „mittelfristig“ möglichen Sanierung. Mittelfristig klingt in Anbetracht dieser Konkurrenz nach Sankt Nimmerlein.

Zwölf Unfälle in einem Jahr

Auf der etwa zwei Kilometer langen Strecke gab es im vergangenen Jahr zwölf Unfälle. Im Mai starb ein 26 Jahre alter Mann, nachdem er in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn gekommen und mit einem entgegenkommenden Lkw kollidiert war. Im Dezember waren an einem Tag zum einen ein 22-Jähriger mit einem 24-Jährigen zusammengestoßen und erst im Wald zum Stehen gekommen. Zum anderen hatte eine 29 Jahre alte Frau lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Sie war, vermutlich wegen überfrierender Nässe, ins Schleudern geraten und ebenfalls mit einem entgegenkommenden Auto zusammengestoßen.

Die Einordnung in die Priorisierungsliste ist fünf Jahre alt

In einem Brandbrief aufgrund des schlechten straßenbaulichen Zustands der Landesstraße hatte sich Landrat Richard Sigel Ende 2016 erneut an Verkehrsminister Hermann gewandt. Die Straße war nach den Unfällen in einer neuen Gefahrenkategorie eingestuft worden, als Unfallhäufungslinie. Die Einordnung in die Priorisierungsliste ist jedoch fünf Jahre alt. Sigel mahnte gemeinsam mit Bürgermeister Maximilian Friedrich aus Berglen, der bereits Ende des Jahres 2015 eine interkommunale Initiative der Gemeinden Allmersbach im Tal, Althütte, Berglen und Rudersberg initiiert hatte, den dringlichen Handlungsbedarf zur Sanierung der Straße an und appellierte, den Straßenabschnitt in der Dringlichkeitsliste des Landes höher zu priorisieren.

Das Antwortschreiben von Minister Hermann, so teilt das Landratsamt nun mit, „ist ernüchternd“. Hermann bedauere das zugenommene Unfallgeschehen, verweise aber auf das im Landesschnitt unterdurchschnittliche Verkehrsaufkommen. Der geforderte Ausbau des Straßenabschnitts könne derzeit nicht realisiert werden. Es gibt zu viele konkurrierende Projekte. Es geht, wohlgemerkt, in der Priorisierungsliste um ganze 600 zu sanierende Meter.

Sigel und Friedrich appellieren an das Ministerium

Im April soll eine neue Zustandserfassung und Bewertung vorliegen. Die könne eventuell eine Neubewertung möglich machen. Hermanns Lösungsvorschlag: Der Kreis solle durch straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen, beispielsweise durch Geschwindigkeitsbegrenzungen, auf die erhöhte Gefährdungslage reagieren.

Landrat Sigel und Bürgermeister Friedrich appellieren an das Ministerium, das aktuelle, seit Jahren zunehmende Unfallgeschehen stärker zu gewichten. “Trotz sprudelnder Haushaltsmittel werden seitens des Landes bedauerlicherweise keine ausreichenden Finanzierungsmittel zur Sanierung und zum Ausbau der Landesstraßen zur Verfügung gestellt”, so Sigel.

Grafik mit eingezeichneter Strecke zum Download.

Appell an die Vernunft der Autofahrer

Auf der Strecke zwischen Stöckenhof und der Rettichkreuzung gilt zurzeit eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 Kilometer pro Stunde.

Die Geschwindigkeit hier weiter herunterzusetzen betrachten Fachleute aus den zuständigen Baureferaten, dem Regierungspräsidium, dem Polizeipräsidium, der Gemeinde Berglen und dem Fachbereich Straßenbau des Landratsamtes nicht als zielführend.

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung vermittle, dass das angegebene Tempo überall auf der Straße gefahren werden könne. Dem sei aber nicht so. Der Straßenzustand sei an vielen Stellen zu schlecht.

Die Fachleute wollen weiterhin mit Gefahrenzeichen an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer appellieren: Man möge aufgrund der Streckenschäden stets so langsam fahren, dass das Auto unter Kontrolle bleibt.

Darüber hinaus hat die Verkehrskommission beschlossen, die Randmarkierungen zu erneuern und im Kurvenbereich, soweit eine ausreichende Fahrbahnbreite vorhanden ist, zur besseren Linienführung eine Mittelmarkierung anzubringen.

Zudem soll im Verlauf der gefährlichen Strecke wiederholt auf die Straßenschäden hingewiesen werden.