Waiblingen

Ukraine-Krieg: Kostet eine Brezel in Waiblingen bald einen Euro?

Brezel
In der Bäckerei John. © Alexandra Palmizi

Die Preise für Brot, Brezel und Brötchen werden in absehbarer Zeit steigen. Das teilten mehrere Waiblinger Bäcker auf Nachfrage der Lokalredaktion Waiblingen mit. Aber auch Metzgereien in Waiblingen werden eine Preiserhöhung nicht umgehen können. Grund dafür ist unter anderem der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden hohen Preise für Sprit und Getreide.

Bereits im vergangenen Jahr sind Getreidepreise aufgrund eines schlechten Erntejahres gestiegen. Zum Jahreswechsel erhöhten Bäcker ihre Preise für ihre Backwaren. „Wir werden mit Sicherheit noch mal erhöhen müssen“, sagt Andreas John von der Bäckerei und Konditorei John in Hohenacker.

„Da kommt eine riesige Kostenwelle auf uns zu“, sagt er, bei welcher er sich gezwungen sehe, dass er diese zum Teil an den Kunden weitergeben müsse. Wie und wann mit einer Erhöhung zu rechnen ist, könne er aktuell nicht sagen, so John. „Wir müssen die Situation im Auge behalten und gegebenenfalls flexibel reagieren“, sagt er.

Seit Januar 2022 kostet eine Brezel bereits etwas mehr als im Vorjahr. Von 90 Cent wurde der Preis auf 95 Cent erhöht. Teils habe Andreas John die Preise um bis zu fünf Prozent steigern müssen, meint er. John bezieht sein Mehl aus einer Mühle in Rottenacker im Alb-Donau-Kreis. Wenn der Mehlpreis aber allgemein ansteigt, steigen auch die Preise seiner Mühle, weiß er.

Neben den Getreidekosten seien für Bäckereien vor allem die Energiekosten ein wichtiger und großer Faktor. Denn Backöfen, aber auch Kühlräume verbrauchen einiges an Strom und Gas, meint er. Außerdem müssen die Filiale in Bittenfeld wie auch Abnehmer, etwa die Gemeinschaftsschule Schwaikheim, die er mit Backwaren versorgt, beliefert werden. Transportiert werden diese mit einem Transporter, für den der Sprit immer teurer wird.

Brezel-Aktion von Bäckerei John zur Unterstützung krebskranker Kinder

Im vergangenen Jahr sagte Andreas John dem Stuttgarter Förderkreis für krebskranke Kinder zu, ihn mit einer Aktion zu unterstützen. Demnach gehen zehn Cent je verkaufte Brezel an den Verein. Die Aktion startete im Januar und läuft bis Juni. „Ich habe der Aktion zugesagt!“, so John. Auch wenn er mit steigenden Ausgaben zu kämpfen habe, sei an ein vorzeitiges Ende der Spendenaktion nicht im Geringsten zu denken, betont er in aller Deutlichkeit.

„Im Moment wissen wir noch nicht genau, wo die Reise hingeht“, sagt Hermann Schöllkopf von der gleichnamigen Waiblinger Bäckerei. Im vergangenen Jahr kostete die Brezel noch 80 Cent, jetzt liegt sie bei 85 Cent und „die 90 Cent werden bald kommen müssen“, so Schöllkopf.

Dass der Getreidepreis nochmals ansteigen wird, liege am Weltmarkt. Ähnlich wie Bäckermeister Andreas John bezieht auch die Bäckerei Schöllkopf ihr Mehl aus Baden-Württemberg. Weizenmehl komme demnach aus Aalen, Brotmehl aus Göppingen und Dinkelmehl aus Ulm.

Ukraine gilt als Kornkammer Europas

Fällt die Ukraine, die als Kornkammer Europas bekannt ist, als Lieferant weg, steigt die Nachfrage bei allen übrigen Lieferanten und damit der Preis. Aufgrund der schlechten Ernte im vergangenen Jahr verzeichnete Hermann Schöllkopf eine Erhöhung um 20 bis 30 Prozent beim Getreide. Damit steigt auch der Preis fürs Futtermittel.

Ein Eierlieferant habe Hermann Schöllkopf bereits eine Preiserhöhung angekündigt, um ein Beispiel zu nennen, erklärt er. Unabhängig vom Ukraine-Krieg habe sich der Milchpreis im vergangenen Jahr fast verdoppelt, berichtet er.

Doch auch für die Bäckerei Schöllkopf sei die Erhöhung der Energiekosten noch viel gravierender, ähnlich, wie es Andreas John schildert. „Die Backöfen werden mit Gas beheizt“, erklärt er. Kopfschmerzen bereiten ihm ebenso die Diesel-Preise.

Die Bäckerei beliefert neben ihrem großangelegten Filialnetz, das bis nach Stuttgart reicht, mittlerweile auch verschiedene Discounter-Filialen im Kreis Ludwigsburg, nachdem während der Corona-Pandemie Abnehmer wie die Schleyerhalle oder das Volksfest auf dem Cannstatter Wasen weggefallen waren.

Schöllkopf: "Nicht eins zu eins an Kunden weitergeben"

„Die Situation verursacht bei mir ein paar Sorgenfalten“, sagt er. „Ganz auffangen können wir es nicht. Wir können es aber auch nicht eins zu eins an unsere Kunden weitergeben, denn die Frage ist, was diese sich noch leisten können und bereit sind, für eine Brezel zu zahlen“, so Schöllkopf.

Die gestiegenen Getreidepreise machen sich auch bei den Metzgereien bemerkbar. Die Situation sei ohnehin schon angespannt gewesen, meint Roman Staigle, der bei der Metzgerei Kübler im Innendienst arbeitet und für die Kunden-Betreuung zuständig ist. Im vergangenen Jahr sei bereits der Preis fürs Rindfleisch angestiegen, jetzt stieg noch der Preis fürs Schweinefleisch. Das Ganze hänge mit den hohen Getreidepreisen zusammen, da dies eben auch als Futtermittel diene. Der Fuhrpark der Metzgerei zählt 30 Fahrzeuge, allesamt werden sie mit Diesel betankt.

Metzgerei Kübler: Auch Verpackungen deutlich teurer

Ebenso seien die Kosten für Verpackungsmaterial um ein Vielfaches gestiegen, und zwar derart, dass Lieferanten bestehende Verträge gekündigt hätten und nur noch Tagespreise anbieten würden.

„Die Situation war auch schon vor dem Ukraine-Krieg angespannt“, erklärt Roman Staigle im Gespräch mit der Redaktion. Mit Beginn der Corona-Pandemie sei der Umsatz der Metzgerei eingebrochen, weil die Belieferung von Kantinen weggefallen war, aber auch Restaurants weniger Waren anforderten. „Das ist bis heute noch so“, weiß Staigle. Nach wie vor gebe es in der Großmetzgerei je nach Abteilung Kurzarbeit. „Es herrscht eine angespannte Situation auf dem Lebensmittelmarkt“, weiß Roman Staigle, weshalb auch Kübler seine Preise anpassen musste. Für Großkunden gebe es nun einen Mindestbestellwert von 100 Euro, darunter fallen Frachtkosten an.

Während sie bis vor kurzem noch ihren Kunden eine gewisse Preisstabilität zugesagt hatten, werden Preise wochenweise angepasst. Natürlich versuche man gleichzeitig einvernehmlich mit den Kunden zu verhandeln. Doch: „So wie es jetzt ist, war es noch nie!“, fasst Roman Staigle die Situation zusammen.

Um die Umsatzeinbußen auszugleichen, hat die Metzgerei während der Pandemie einen Onlineshop auf die Beine gestellt. Außerdem könne man über einen großen Online-Versandhandel Ware bei der Metzgerei Kübler bestellen. Wurstdosen, aber auch Frischware, die in kleinen Kühlboxen mit Kühlakkus versehen ist, würden Kunden deutschlandweit geliefert.

Die Preise für Brot, Brezel und Brötchen werden in absehbarer Zeit steigen. Das teilten mehrere Waiblinger Bäcker auf Nachfrage der Lokalredaktion Waiblingen mit. Aber auch Metzgereien in Waiblingen werden eine Preiserhöhung nicht umgehen können. Grund dafür ist unter anderem der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden hohen Preise für Sprit und Getreide.

Bereits im vergangenen Jahr sind Getreidepreise aufgrund eines schlechten Erntejahres gestiegen. Zum Jahreswechsel

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