Waiblingen

Umweltaktivisten demonstrieren gegen Glyphosat

Antiglyphosatdemo
Demo vor der CDU-Geschäftsstelle gegen Glyphosat in der Landwirtschaft. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Die Entscheidung über eine Verlängerung der Lizenz zur Anwendung des umstrittenen Herbizids Glyphosat in den EU-Staaten ist vor wenigen Tagen in Brüssel erneut hinausgeschoben worden. Waiblinger Umweltaktivisten von „campact“ forderten nun ein Verbot des Pflanzengiftes, das Gutachten für krebserregend halten und das zum Insektensterben beitragen soll.

„I ben sonscht koin Kerle, der zu Demos geht, aber wir missat was dagegen tun“, sagt einer der Glyphosat-Gegner mit einem Schildchen, das ihn als Bienenbetreuer ausweist vor dem Wahlkreis-Büro der CDU in Waiblingen. „Denn Biena hen koin Schutzanzug!“ Am 15. Dezember läuft die Lizenz des von der Firma Monsanto entwickelten und vertriebenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat aus. Über Verlängerung oder Verbot konnte in Brüssel noch keine Einigung erzielt werden.

Keine genaue Aussage der Bundesregierung

Auch, weil die deutsche Regierung in dieser Frage laviert und sich bei der vergangenen, ergebnislosen Abstimmung, enthalten hat. 14 der 28 Mitgliedsstaaten stimmten für den Kompromissvorschlag der EU-Kommission, die Lizenz um zunächst fünf weitere Jahre zu verlängern. „Die Bundesregierung sagt nicht Ja, sie sagt nicht Nein, sie sagt gar nichts“, so einer der gut 20 Demonstranten in Waiblingen.

Mittel bedroht Insekten und Vögel

Das Mittel ist sehr umstritten. Als Total-Herbizid wirkt Glyphosat auf sämtliche grüne Pflanzen. Von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation wurde das Mittel 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Umweltschützer beklagen zudem, dass das Mittel durch Zerstörung der Bodenvegetation und vieler Kräuter damit auch die Lebensgrundlage der Insekten und vieler Vogelarten bedrohe.

Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen

Zudem wirft „campact“ der EU vor, dass ein wissenschaftliches Gutachten des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR), das Glyphosat für nicht krebserregend hält und zur „wissenschaftlichen Grundlage“ der Brüsseler Entscheidung herangezogen wurde, in Kernpunkten vom Monsanto-Antrag auf Verlängerung der Lizenz abgeschrieben wurde. Das BfR, so „campact“, hat „offensichtlich keine eigenständige Bewertung der zitierten Studie vorgenommen“. Mit der Demonstration vor dem Wahlkreisbüro Dr. Pfeiffers, der im vorigen Bundestag Wirtschaftssprecher seiner Fraktion war, möchten die Glyphosat-Gegner, so Katrin Weishaar, die Öffentlichkeit auf das Problem der unentschiedenen Haltung der deutschen Regierung in dieser Frage aufmerksam machen.


„Kein Gras mehr“

„Glyphosat ist ein sogenanntes Totalherbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Wo Glyphosat angewandt wird, wächst kein Gras mehr, auch kein Kraut, Strauch oder Moos.“ Zeit-Online vom 25. Oktober 2017