Waiblingen

Umzug zur Schnaiter Kirbe

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Weinstadt-Schnait. Rätschen rasseln, fröhliche Weinlieder schallen durch den Ort, und tuckernde Traktoren zuckeln die Straße hinab. Es war wieder Kirbeumzug in Schnait, und der Ort war auf den Beinen, um mitzufeiern.

Hunderte Zuschauer säumen die Schnaiter Weinstraße und verfolgen den bunten Kirbeumzug. Der Musikverein führt die Karawane an, dahinter fährt der Erste Bürgermeister Thomas Deißler in Vertretung von OB Michael Scharmann im Cabrio vorüber.

Mit Minirätschen winken die Weinstädter Weinkönigin Anja Sigle und die Weinprinzessin Franziska Haenelt aus dem VW-Käfer-Cabrio. Gefolgt von historischen Traktoren, Anhängern und Leiterwagen, alle mit Sonnenblumen und Weinlaub festlich geschmückt.

Wahrzeichen der Kirbe baumelt am Traubenbock-Gestell

In einem Planwagen sitzt der diamantene Kirbejahrgang - es sind mehr Personen als im grünen Jahrgang 1999/2000, der mit ratternden Rätschen, in Dirndln und Lederhosen umtost von Applaus zur Schnaiter Halle zieht. Die zehn jungen Menschen werden bereits erwartet. Zuschauertrauben bilden sich, die den hängenden Trauben sehen wollen. Darunter unzählige ehemalige Kirbejahrgänge in ihren T-Shirts mit teilweise schon leicht verblichenen Schriftzügen.

Gut gelaunt wohnen alle der liebgewonnenen Zeremonie bei, bis das Wahrzeichen der Kirbe am Traubenbock-Gestell baumelt. Das Aufhängen des über 100 Kilogramm schweren, mit Schnaiter Beeren gebundenen Trauben gehört zu den Höhepunkten der Kirbe-Umtriebe.

Schwerarbeit bei der Hitze für die Starkschultrigen: Nick Frehner und Tim Reiber kämpfen sich synchron an zwei Leitern acht Leitersprossen hinauf, dann hängt der Trauben und sofort setzt ein ohrenbetäubendes, nicht enden wollendes Rätschen-Platzkonzert ein.

Kirbe ist Schnaiter Lebensgefühl und zeichnet Schnait aus

„Die Kirbe ist Schnaiter Lebensgefühl, sie zeichnet Schnait aus“, ruft Kirbejahrgangs-Sprecher Marco Serini den Versammelten zu und blickt zurück auf ein ereignisreiches Kirbejahr, das dem kleinen Jahrgang einiges abverlangt habe.

Organisiert wurden Bewirtungen und Glühweinausschank beim Martinimarkt, beim Konzert des Chors „Total Vokal“, für das verregnete Glühweinfest und die Hallenparty mit 500 Besuchern. In den vergangenen zwei Wochen seien sie auf Wagenfahrt gewesen durch Schnaits Wirtschaften, zum Singen und Feiern - als „körperliche Vorbereitung für heute“.

Die Stimmen klingen noch nicht heiser, als sie textsicher „In Junkers Kneipe“ und „Wir wollen Kirbejahrgang sein“ anstimmen. Das Lied „Schön ist die Jugend - sie kommt nicht mehr“ darf an diesem Tag nicht fehlen, ist es doch eine Art Soundtrack für den rituellen Jugend-Kehraus, den schon etliche miterlebt haben, die sich rund um die Halle versammeln und in alter Kraft vereint miträtschen oder auf den aufgestellten Stühlen den weinseligen Kirbegesängen lauschen.

Vertreter des silbernen, goldenen und diamantenen Kirbejahrgangs werden vom Ersten Bürgermeister namentlich aufgerufen und geehrt. „60 Jahre sind hier, ein ganzes Leben im Zeichen der Kirbe liegt zwischen den Junioren und Senioren“, würdigt er die Jubilare und erinnert an die Ursprünge der Kirbe: Das Fest „zur Einweihung der Kirche in ihrer jetzigen Form“ sei an diesem Sonntag im Jahr 1748 gefeiert worden. Seither werde immer am 13. Sonntag nach Trinitatis Schnaiter Kirbe gefeiert. „Großartig, wie das Brauchtum gepflegt wird“, sagt er.

Marco Serini beschreibt auf Nachfrage das spezielle, die Generationen einende Kirbe-Gefühl: „Ich liebe Schnait, bin heimatverbunden, wir alle lieben die Weinberge und Traditionen, die gilt es zu pflegen.“ Gerade weil sie nur zu zehnt waren, habe er einen anderen Blick auf das Fest bekommen. „Es wird oft vergessen, was für ein Akt es ist. Man sollte es nicht als alltäglich nehmen. Es ist etwas Schönes, dass die Kirbe da ist.“