Waiblingen

„Uns graut es davor“: Nahkauf in Waiblingen zu wegfallender Maskenpflicht

Maskenpflicht im Supermarkt aufgehoben
Im Nahkauf auf der Korber Höhe soll nach dem möglichen Wegfall der Maskenpflicht in Innenräumen ein großer Aufsteller die Kunden davon überzeugen, den Mund-Nasen-Schutz weiter freiwillig zu tragen. Fertig ist dieser noch nicht, aber der Inhalt steht schon fest (siehe Bild). © ZVW/Alexandra Palmizi

Die Maskenpflicht in Innenräumen soll vom 3. April an in Baden-Württemberg wegfallen – und das würde natürlich auch in den Supermärkten gelten. Michael Kleudgen, der mit seiner Frau Tanja Kleudgen den Nahkauf im Schwalbenweg auf der Korber Höhe betreibt, gefällt diese Lockerung überhaupt nicht: „Meine Meinung ist so, dass ich das gar nicht befürworte.“

Die Maskenpflicht für alle schützt etwa chronisch kranke Menschen

Er fragt sich nämlich, was nun mit vulnerablen Personengruppen ist, die in der Corona-Pandemie besonderen Schutz brauchen – wie etwa die chronisch kranken Menschen. Auch sieht er eine Gefahr für seine eigenen Mitarbeiter, dass sich diese leichter infizieren können – was wiederum die Organisation der Arbeit erschweren würde. „Uns graut es davor.“ Michael Kleudgen könnte nun auf das Hausrecht pochen und über den 3. April hinaus weiter eine Maskenpflicht im Laden haben – allerdings ist die Frage, was das fürs Geschäft bedeuten würde.

Michael Kleudgen: „Vielleicht besinnt sich die Politik eines Besseren“

Die Lösung sieht der Unternehmer von der Korber Höhe darin, die Kunden zu bitten, freiwillig eine Maske zu tragen. Er hat schon den Text für einen großen Aufsteller entworfen, der für jeden sichtbar über diese Bitte aufklärt. Michael Kleudgen hofft noch, dass der Wegfall der Maskenpflicht doch nicht kommt. „Vielleicht besinnt sich die Politik eines Besseren.“ Fakt ist aber, dass der Bund die Rechtsgrundlage für die meisten Corona-Maßnahmen auslaufen lässt. Das hat die Landesregierung von Baden-Württemberg kritisiert. Verhindern könnte sie den Wegfall der Maskenpflicht aber nur, wenn sie das ganze Land zu einem Corona-Hotspot erklären würde – dafür gibt es aber rechtlich hohe Hürden.

Inzidenzen in der aktuellen Omikron-Welle weiter hoch – vor allem bei jungen Leuten

In seinem Laden, den Michael Kleudgen seit 1999 zuerst als Rewe-Filiale und nun aber schon seit langem als Nahkauf betreibt, kaufen auch viele Schüler vom Salier-Schulzentrum ein. Der Unternehmer ist skeptisch, ob die Kinder und Jugendlichen wirklich alle noch freiwillig eine Maske dabeihaben würden, wenn überall in den Innenräumen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aufgehoben wäre. Genau bei den jungen Leuten aber sind die Inzidenzen in der aktuellen Omikron-Welle nach wie vor besonders hoch.

Seit etwa zwei Jahren sind es die Menschen gewohnt, wegen Corona in Supermärkten einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. In all der Zeit gab es laut Michael Kleudgen in seinem zehnköpfigen Team keine einzige nachgewiesene Corona-Infektion – bis vor kurzem jedenfalls. „Wir haben jetzt einen Corona-Fall – der erste Corona-Fall bei Mitarbeitern im Haus. Wir haben es bis jetzt verhindern können.“ Das lag natürlich auch an der Maske, die nachweislich Schutz bietet. Michael Kleudgen will seine Mitarbeiter jedenfalls bitten, auch nach einem Wegfall der Maskenpflicht weiter freiwillig eine Maske zu tragen – zur Sicherheit aller.

Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) weicht einer klaren Antwort aus 

Solch eine eindeutige Position vertreten aber längst nicht alle Betreiber von Supermärkten – zumindest nicht öffentlich. Die Schwarz-Gruppe etwa, zu welcher Lidl und Kaufland gehören, bittet um Verständnis dafür, dass sie grundsätzlich keine Prognosen zu zukünftigen Entwicklungen abgibt. Das teilt Maria Theresia Heitlinger von der Unternehmenskommunikation mit. Man orientiere sich grundsätzlich an den Verordnungen der Bundesländer, den jeweiligen regional gültigen Allgemeinverfügungen sowie der Corona-Arbeitsschutzverordnung und setze diese entsprechend um. „Hinsichtlich der Maskenpflicht beobachten wir die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern und werden bei entsprechender Verordnung die geforderten Maßnahmen realisieren.“

Auch Aldi Süd will nicht sagen, wie es vom 3. April an weitergeht

Ob bei Lidl in Waiblingen die Kunden bei einem möglichen Wegfall der Maskenpflicht ab dem 3. April weiter eine Maske tragen müssen oder zumindest darum gebeten werden, bleibt also erst mal völlig unklar – genauso wie bei der Aldi-Süd-Filiale in der Düsseldorfer Straße. Der Konzern äußert sich nämlich ebenfalls zurückhaltend zum Wegfall der Maskenpflicht. „Bei unseren Schutz- und Hygienemaßnahmen halten wir uns stets an die jeweils gültigen Corona-Schutzverordnungen und folgen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, betont Pressereferentin Anna-Maria Lennertz.

Die bisher bestehenden Regelungen zur Maskenpflicht sowie zum Abstandsgebot und den Hygienebestimmungen seien von den Bundesländern, in denen Aldi Süd mit Filialen vertreten ist, im Rahmen der Übergangsregelung bis zum 31. März beziehungsweise bis zum 2. April verlängert worden – und seien somit für Aldi Süd weiterhin maßgebend. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt darüber hinaus keine weiteren Angaben machen können.“

Thomas Heckmann von der GDW Süd wundert sich über die Entscheidung

Thomas Heckmann, Vorstandsmitglied der Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Süd (GDW Süd), sagt dagegen klar, wie die zu dem Sozialunternehmen gehörenden Cap-Supermärkte auf den Wegfall der Maskenpflicht reagieren werden – nämlich mit Plakaten, die zum freiwilligen Tragen von Stoff-, OP- oder FFP2-Masken aufrufen. Solch ein Plakat würde dann natürlich auch beim Beinsteiner Cap-Markt in der Rathausstraße 27 zu sehen sein. Weiter will die GDW nicht gehen, auch wenn Thomas Heckmann sich fragt, warum bei derart hohen Inzidenzen die Maskenpflicht fällt – während vor einem Jahr bei viel niedrigeren Infektionszahlen die Maskenpflicht nicht mal zur Debatte stand. „Jetzt haben wir Zahlen, die wesentlich höher sind – und wir verzichten auf alles“, wundert sich das GDW-Vorstandsmitglied.

In den Cap-Märkten wird per Plakat fürs freiwillige Tragen der Maske geworben

Thomas Heckmann glaubt aber nicht, dass die großen Discounter wie Aldi oder Lidl wirklich eine Maskenpflicht per Hausrecht durchsetzen würden – und das bedeutet natürlich, dass auch andere in der Branche sich genau überlegen müssen, was sie tun. Dazu kommt, dass Thomas Heckmann auch an die Mitarbeiter der Cap-Märkte denken muss. „Wir werden nicht unser Hausrecht ausüben und das Tragen von Masken vorschreiben, da das sicherlich zu Konflikten mit der Kundschaft führen wird.“ So setzt er in den Cap-Märkten auf die Plakate, die für das freiwillige Tragen der Maske werben.

„Bei den Mitarbeitern greift das Hausrecht nicht mehr“

Dieses Prinzip der Freiwilligkeit gilt erst recht für die Mitarbeiter. „Bei den Mitarbeitern greift das Hausrecht nicht mehr“, sagt Thomas Heckmann. Hier gelte vielmehr das Arbeitsrecht – und das bedeutet, dass der Arbeitgeber nach seinem Wissen gar nicht mehr die Möglichkeit hat, den Mitarbeitern in Supermärkten das Tragen der Maske vorzuschreiben. „Man kann nur appellieren.“

Die Maskenpflicht in Innenräumen soll vom 3. April an in Baden-Württemberg wegfallen – und das würde natürlich auch in den Supermärkten gelten. Michael Kleudgen, der mit seiner Frau Tanja Kleudgen den Nahkauf im Schwalbenweg auf der Korber Höhe betreibt, gefällt diese Lockerung überhaupt nicht: „Meine Meinung ist so, dass ich das gar nicht befürworte.“

Die Maskenpflicht für alle schützt etwa chronisch kranke Menschen

Er fragt sich nämlich, was nun mit vulnerablen

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