Waiblingen

Unter falschen Namen für Tausende Euro im Internet bestellt

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Symbolfoto. © ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen/Fellbach. Ein 34-Jähriger ist vom Amtsgericht Waiblingen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Der Algerier, der seit März in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart in Untersuchungshaft sitzt, hatte unter falschen Namen auf Rechnung Pakete bei Onlinehändlern bestellt.

Anschließend holte er die Waren unter Vorlage eines fremden Personalausweises und einer gefälschten Vollmacht der angeblichen Besteller in verschiedenen Paketshops in der Region ab. Bezahlt wurden die Lieferungen nie.

Computerbetrug und Urkundenfälschung

Bei den arglosen Personen, deren Namen der Betrüger beim Bestellen angegeben hatte, flatterten deshalb Mahnbescheide der Onlineshops in den Briefkasten. Überwiegend hochwertige Markenklamotten aber auch Reisetaschen und eine Küchenmaschine gelangten in den Besitz des Arbeitslosen, der in Fellbach gemeldet ist.

Angeklagt war er nun für Computerbetrug und Urkundenfälschung in 13 Fällen zwischen Dezember 2017 und März dieses Jahres. Der ergaunerte Warenwert beläuft sich auf mehr als 6500 Euro.

"Ich hab nix bestellt“

Das Ende der Betrugsmasche läuteten die Privatpersonen ein, deren Namen und Adressen der 34-Jährige in die Bestellformulare getippt hatte. Zum Beispiel eine 66 Jahre alte Rentnerin aus Stuttgart, bei der plötzlich eine Mahnung im Briefkasten steckte. Sie habe eine Rechnung von über 800 Euro nicht beglichen, schrieb ihr der Online-Händler einer großen Kaufhauskette.

„Ich habe die Zentrale angerufen und gesagt: Ich hab nix bestellt.“ Auf Nachfrage des Kaufhaus-Mitarbeiters stellte sich heraus: Weder die angegebene E-Mail-Adresse noch das Geburtsdatum der Frau waren im Onlineshop korrekt hinterlegt. Der Mitarbeiter riet der Frau, Anzeige zu erstatten, sie folgte diesem Rat.

Die Vorfälle häuften sich, meistens waren die Bestellungen beim selben Online-Händler eingegangen. Auch in Paketshops in Waiblingen, Schwaikheim und Backnang zog der Betrüger seine Masche durch. In Fellbach informierte die Polizei die Besitzerin einer Wäscherei mit Paketshop.

Zwei Pakete lagen hier Anfang März zur Abholung bereit. Es stellte sich heraus, dass der angebliche Adressat in diesem Fall gar nicht existierte. Die Beamten baten die Ladenbesitzerin, die Polizei zu rufen, sollte der Abholer auftauchen.

Paketshop-Mitarbeiterin ruft Polizei

Der 34-Jährige kam tatsächlich, zeigte die gefälschte Vollmacht und den Personalausweis. Diesen hatte ein Mann aus Iserlohn (Nordrhein-Westfalen), der dem Angeklagten ähnlich sieht, im Jahr 2016 als verloren gemeldet. Unklar ist, wie der Betrüger an den Ausweis gekommen ist. Er behauptet, er habe ihn gefunden.

Die Ladenbesitzerin tat, als müsse sie die betreffenden Pakete erst suchen, eine Kollegin informierte heimlich die Polizei. Die ist im Nachbargebäude des Paketshops untergebracht und machte den Betrüger nur Augenblicke später dingfest.

Bei einer Durchsuchung seines Zimmers in Fellbach fand die Polizei haufenweise hochwertige Klamotten, weitere Vollmachten sowie Quittungen für 15 bis 20 Kilogramm schwere Pakete, die der 34-Jährige offenbar nach Algerien geschickt hatte.

Die Taten räumt der Mann in vollem Umfang ein. Er war 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, wurde abgelehnt, aber offenkundig nicht abgeschoben und war in den vergangenen Jahren mehrfach in psychiatrischer Behandlung.