Waiblingen

Unterschrift kopiert, eigenes Gehalt verdreifacht: Angestellter aus Waiblingen landet vor Gericht

Falschgeld
Haushalt in Alfdorf. © ALEXANDRA PALMIZI

Weil er die Unterschrift seines Chefs kopiert und sich damit unter anderem sein eigenes Gehalt fast verdreifacht haben soll, musste sich ein Angestellter aus Waiblingen vor Gericht verantworten. Auch soll er mit einer Firmen-Kreditkarte privaten Konsum finanziert haben. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße im vierstelligen Bereich eingestellt.

Angeklagt war der 35-jährige Waiblinger wegen Urkundenfälschung und achtfachen Betrugs. Zwei vorangehende Gerichtstermine waren geplatzt, weil einmal der Angeklagte und einmal der Hauptbelastungszeuge nicht vor Gericht erschienen waren. Die Anklage warf dem Mann, der einen handwerklichen Beruf gelernt hat, vor, er habe in der Firma, in der er 2018 und 2019 nach seinen eigenen Angaben vor Gericht als „operativer Geschäftsführer“ beschäftigt war, sich selbst eine Generalvollmacht ausgestellt, in die er die Unterschrift des damaligen Geschäftsführers hineinkopierte.

Diese gefälschte Vollmacht soll er dann dem Unternehmen, das mit der Buchhaltung beauftragt war, vorgelegt haben, um sich selbst eine Erhöhung seines Monatsgehalts von 1850 auf 5400 Euro zu genehmigen und mehrere Provisionen zuzuweisen. Weiter wurde ihm vorgeworfen, er habe sich mit Hilfe dieser gefälschten Vollmacht ein Firmenhandy beschafft, das er dann ausschließlich privat nutzte, seine Lebensgefährtin in dem Unternehmen als Reinigungskraft eingestellt und im Namen des Unternehmens gegenüber seiner Krankenkasse eine Schuldanerkenntniserklärung abgegeben, mit der sich das Unternehmen verpflichtete, den Krankenkassen-Arbeitgeberanteil in Höhe von knapp 30.000 Euro an dem von ihm selbst erhöhten Gehalt zu bezahlen.

1000 Euro mit Firmen-Kreditkarte abgehoben

Und, sozusagen als Sahnehäubchen, soll er dann noch mit der Kreditkarte, die ihm sein Arbeitgeber für Geschäftsreisen zur Verfügung gestellt hatte, 1000 Euro vom Firmenkonto abgebucht und für sich privat verbraucht haben.

Aufgeflogen war das Verhalten des Angeklagten, als die Firma zum Verkauf anstand und von Wirtschaftsprüfern ihr exakter Wert ermittelt werden sollte. Der Angeklagte war in einem Verfahren vor dem Arbeitsgericht bereits zur Zahlung von 60.000 Euro Schadensgutmachung verurteilt worden.

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht, bei der es um die strafrechtliche Aufarbeitung und Würdigung ging, bestritt er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe beziehungsweise erklärte, sämtliche Vorgänge seien in Absprache und mit dem Einverständnis des Geschäftsführers des Unternehmens erfolgt.

Er selbst habe die ihm im Gerichtssaal vorgelegte Generalvollmacht vorher noch nie gesehen. Der Geschäftsführer und er seien ursprünglich Freunde gewesen, aber nachdem das Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage geraten war, habe dieser angefangen, gegen ihn zu intrigieren und Lügen über ihn zu verbreiten. Aus diesem Grund habe er das Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt.

Geschäftsführer hat Erinnerungslücken

Dieser Darstellung widersprach wiederum der Geschäftsführer. Er meinte, der als Account-Manager beschäftigte Angeklagte sei einfach an seinem Arbeitsplatz „nicht mehr aufgetaucht“, woraufhin ihm das Unternehmen eine fristlose Kündigung aussprach. Die Befragung des Geschäftsführers stand im Mittelpunkt der Gerichtsverhandlung. Seine Zeugenaussage erwies sich allerdings als nur wenig ergiebig, da sich die Vorgänge bereits 2018 und 2019 ereigneten und er sich nicht mehr detailliert erinnern könne, erklärte er vor Gericht. Zudem sei er davon ausgegangen, dass es sich um eine allgemeine Befragung handle, weshalb er sich nicht erneut in die Unterlagen hineingearbeitet und sie auch nicht in die Verhandlung mitgebracht habe. Er selbst sei kein Zahlenmensch, beschäftige sich nicht mit Zahlen und habe die verfahrensrelevanten Zahlen auch nicht im Kopf.

Der Angeklagte habe ihn getäuscht; er selbst habe damals den Sicherheitsmechanismen vertraut. Mittlerweile sei er jedoch nicht mehr derart „blauäugig“. Er betonte jedoch, dass er keiner der Transaktionen, für die sein ehemaliger Mitarbeiter vor Gericht stand, je zugestimmt habe, noch dass sie mit ihm abgesprochen gewesen seien. Die angebliche Vollmacht habe er erst zu Gesicht bekommen, als sie ihm im Zusammenhang mit dem Handyvertrag von dem Telefonunternehmen vorgelegt wurde.

Betrug verschleiert durch geschicktes "Abzweigen"?

Der Betrug sei über eine derart lange Zeit möglich gewesen, weil der Angeklagte die unberechtigten Zahlungen, die er sich selbst gönnte, sehr geschickt auszugleichen verstanden habe, indem er die Beträge bei anderen Posten „abzweigte“.

Angesichts der Aussicht, ein aufwendiges Gutachten über die Vollmacht einzuholen und den Geschäftsführer an einem weiteren Verhandlungstag eingehend zu befragen, einigten sich der Angeklagte, sein Pflichtverteidiger und der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit Richterin Figen Basoglu-Waselzada, das Verfahren einzustellen, gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 4000 Euro, die in sechs Raten an den Verein „Medica Mondiale e.V.“ zu leisten sind.

Weil er die Unterschrift seines Chefs kopiert und sich damit unter anderem sein eigenes Gehalt fast verdreifacht haben soll, musste sich ein Angestellter aus Waiblingen vor Gericht verantworten. Auch soll er mit einer Firmen-Kreditkarte privaten Konsum finanziert haben. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße im vierstelligen Bereich eingestellt.

Angeklagt war der 35-jährige Waiblinger wegen Urkundenfälschung und achtfachen Betrugs. Zwei vorangehende Gerichtstermine waren

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