Waiblingen

Verkehrsminister: Gelbe Karte für die Bahn

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© Gabriel Habermann

Waiblingen. Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann kritisiert Bahnmanagement wegen Zugausfällen und chaotischen Zuständen auf der Remsbahn. „So geht man nicht mit Fahrgästen um!“, sagte Hermann angesichts der wiederholten Zugausfälle und unhaltbaren Zuständen im Zugverkehr.

Diese Zustände auf der Remsbahn haben massiven Beschwerden bis hin zu Hilferufen der Fahrgäste geführt, die auch das Verkehrsministerium in Stuttgart erreichten, heißt es in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums. Hintergrund ist, dass Fahrgäste berichteten, sie wären aus einem IC geworfen worden, den sie wegen eines ausgefallenen Regional-Zuges ohne Reservierung nutzen wollten.

„So geht man nicht mit Fahrgästen um!“

Verkehrsminister Hermann teilte dazu mit: „So geht man nicht mit Fahrgästen um! Die Führung von DB Regio muss das Chaos endlich lösen und zumindest bei schwierigen Situationen die Mitarbeiter anweisen, flexibel und freundlich zu handeln. Dies werde ich auch bei meinem Gespräch mit Berthold Huber, Vorstand DB-Personenverkehr, am 14. Juli deutlich machen.“ Zudem bekomme er allmählich Zweifel, dass das Management von DB Regio in der Lage sei, die Probleme zu lösen.

Pünktlichkeitswerte auf der Remsbahn im Keller

In den beiden letzten Juni-Wochen fielen die Pünktlichkeitswerte auf der Remsbahn in den Keller und betrugen nur noch 81,5 beziehungsweise 97,6 Prozent, wies die Bahn aus. Die ausgefallenen Kilometer betrugen 4,1 beziehungsweise 8,9 Prozent. Laut Remszeitung wurden in der letzten Juniwoche zwischen Aalen und Stuttgart rekordverdächtige 35 Zugausfälle in nur einer Woche gezählt. Als Ursachen nannte die Bahn Personalmangel und schadhaftes Wagenmaterial.

Erst kürzlich hatte Minister Hermann der Bahn mit dem Ausschluss von Ausschreibungen für den Schienennahverkehr gedroht, sollte sie die Verspätungen und Zugausfällen auf der Frankenbahn nicht in den Griff bekommen. Mehr als zehn Prozent der Züge seien auf der Linie Stuttgart-Heilbronn-Würzburg um mehr als sechs Minuten verspätet, die Ausfälle hätten sich verdreifacht.

Pannen bei der S-Bahn

Auch der S-Bahn-Verkehr hat in den vergangenen Tagen und Wochen mit zahlreichen Pannen zu kämpfen, die insbesondere die S3 nach Backnang betrafen. Eine Auffälligkeit der S3 erkannte ein Sprecher der Bahn zunächst nicht. Im System habe er lediglich am Montag dieser Woche eine Stellwerksstörung auf der S2 entdeckt, die sich beim Halt in Winterbach um zehn Minuten verspätet habe. „Ansonsten erkenne ich keine weitere Beeinträchtigung aufgrund einer Störung von Signalen oder Weichen in Winnenden“, so der Sprecher. Maßgeblich für Beeinträchtigungen auf der S3 seien in dieser Woche größere Störungen durch polizeiliche Ermittlungen, ärztliche Versorgung eines Fahrgasts oder Personen im Gleis gewesen. Später ergänzte der Sprecher, dass es in der letzten Juniwoche, also zwischen 26. Juni und 1. Juli, in Winnenden ein Problem mit der Stromversorgung einer Weiche gegeben habe. Dieses mache den Austausch von drei Kilometer Leitungen notwendig. Was freilich nicht ad hoc ginge. Der Austausch sei für den August geplant.

Dass wohl ein Austausch notwendig ist, zeigt die Pannenserie.

1. Juli, kurz nach 9 Uhr, meldete der VVS-Benachrichtigungsservice: „Aufgrund einer Signalstörung zwischen Winnenden und Backnang kann es bei den Linien R3, S3 zu Verspätungen kommen.“

30. Juni, kurz vor 17 Uhr im Berufsverkehr: „Aufgrund einer Weichenstörung von Winnenden nach Backnang, kommt es bei der Linie R3 (Stuttgart-Crailsheim) zu Verspätungen und auf der Linie S3 zu Verspätungen und einzelnen Fahrtausfällen“

29. Juni, hieß es morgens mehrfach: „Wegen einer immer wiederkehrenden Weichenstörung auf der Strecke von Winnenden nach Backnang, kommt es bei der Linie R3 (Stuttgart-Crailsheim) zu Verspätungen und auf der Linie S3 zu Verspätungen und einzelnen Zugausfällen.“

28. Juni, Mittagszeit: „Aufgrund einer Stellwerkstörung im Bereich Winnenden kommt es zwischen Winnenden und Backnang bei den Linien R3, S3, zu Verspätungen, Teilausfällen und Ausfällen.“

27. Juni: kurz nach 19 Uhr: „Aufgrund einer Stellwerkstörung in Winnenden kommt es bei den Linien R3, S3 zu Verspätungen. Es kann vereinzelt auch zu Teilausfällen und Ausfällen kommen.“

Am Mittwoch hat sich übrigens die DB Regio beim S-Bahn-Gipfel des Verbandes Region Stuttgart ob der verbesserten Pünktlichkeitswerte der S-Bahnen selbst auf der Schulter geklopft. Die Fahrgäste auf der S3 merkten davon nichts.

Die neuen Doppelstockwagen auf der Remsbahn machen die Fahrgäste nicht glücklich. In den beiden letzten Juniwochen häuften sich Verspätungen und Zugausfälle. Archivbild: Habermann